Silvester in Triest
Mit dem Zug von Mödling nach Triest

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Triest am Meer; das ist Eintauchen in eine andere Kultur und doch ist man als Österreicher wie zu Hause. Die österreichisch-ungarische Monarchie machte die Stadt groß und bedeutungsvoll. Es war der wichtigste Hafen der Monarchie und Kaiser Leopold gab Triest das Recht eines Freihafens. Die Stadt wuchs und seine Enkelin Maria Theresia ließ sie weiter ausbauen. Unter ihrer Herrschaft siedelten sich Griechen, Juden und Serben an. Sie waren wichtig für den Handel mit dem Balkan. Viele Bauten erinnern stilistisch an Österreich, was bereits bei der Ankunft beim Bahnhof der Fall ist.
Nach dem Weltkrieg wurde die Stadt an den Rand gedrängt und sie wurde provinziell. Mit der Europäischen Union öffneten sich die Grenzen zu Slowenien und Triest rückte wieder in einen bedeutenden Mittelpunkt. In den Straßen hört man viel Slowenisch. Aber auch Österreicher und Deutsche trifft man in größerer Zahl an. Für die nördlichen Nachbarn ist Triest schnell erreichbar. Besteigt man am Morgen in Wien den Zug kommt man nach dem Mittagessen an. Für die südlichen Österreicher – Kärntner oder Steirer – geht es noch schneller.
Viele Triestiner sehen die Österreichisch-Ungarische Monarchie positiv. Wenngleich auch oben neben der Burg ein riesiges Bronzedenkmal der Unabhängigkeit Italiens gewidmet ist und zwei bronzene Frauen am Hafen die italienische Fahne nähen.
Triest ist keine Großstadt, aber mit seinen über 200.000 Einwohnern doch städtisch. Das Meer macht Stimmung. Viele Bars, Kaffeehäuser und Restaurants laden in der Altstadt ein. Auch im Winter bei nur 6 Grad sitzt man im Freien beim Aperitif oder Kaffee. Kaffee hat eine wichtige Bedeutung in der Stadt, der man sogar mit einer „Kaffee Universität“ zollt. Die Kaffeefirma ILLY hat ihre Zentrale hier. Auch die internationale Versicherungsfirma GENERALI hat ihren Sitz in Triest und viele Gebäude der Stadt tragen ihren Firmennamen.
In Triest feiert man den Jahreswechsel sehr ausgelassen. Im Café Tommaseo sind die Triestiner unter sich. Die Ausländer und Touristen feiern am Piazza dell’Unità d’Italia. Im Tommaseo isst und trinkt man zu Silvester 4 Stunden lang. Abwechslungsreiche Weine und Fischgerichte lassen die Zeit über den Gaumen schnell vergehen. Um Mitternacht gehen alle mit einem Glas Sekt vor das Lokal und verfolgen mit begeisterten Rufen das vom Meer her abgeschossene Feuerwerk. Ein Feuerwerk, wie man es selten irgendwo sieht. Eine Italienerin formulierte es so „Die Italiener wollen zeigen, dass sie reich sind.“ Triest übertrifft beim Feuerwerk sogar Venedig. Nachher wird bis in den Morgen hinein ausgelassen getanzt. Im Tommaseo ist noch reger Betrieb, wenn am Piazza dell’Unità d’Italia die Band aufhört zu spielen und sich der Platz leert.
Am 1. Jänner kommen sie wieder: zum Neujahrskonzert ins „Teatro Verdi Trieste“. Mit großem Orchester, Chor und lokalen Stars wird das neue Jahr begrüßt. Hier wird wieder der österreichische Einfluss sichtbar. Das Programm beginnt mit Mozart und endet mit Strauss. Dazwischen ausschließlich italienische Komponisten. Um nachher noch in ein Restaurant essen zu gehen ist schwierig. Viele Bars und Lokale sind geschlossen. Man erholt sich noch vom Stress der Silvesternacht. Bei einem Familienbetrieb fanden wir einen Tisch und freundliche Bedienung mit gutem Essen. Der Vater stand hinter der Theke, die Mutter saß an der Kassa, die Tochter servierte und der Sohn kochte. Die Familie nützt die Marktlücke. Am 1. Jänner ist die Konkurrenz kleiner.
Am 2. Jänner leert sich die Stadt von den Touristen. Sie gehört wieder den Triestern alleine.

Autor:

Johann Günther aus Mödling

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