Landwirtschaft
Erdäpfelbauern in Not

Bezirksbauernkammer-Obmann Johann Tröber (l.) mit Erdäpfelbauer Matthias Pressoly.
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  • Bezirksbauernkammer-Obmann Johann Tröber (l.) mit Erdäpfelbauer Matthias Pressoly.
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Schäden durch Drahtwurm: Erstmals kann der Markt nicht durchgehend mit heimischen Erdäpfeln versorgt werden.

BEZIRK MÖDLING. Die heimischen Bauern schlagen Alarm: Nicht nur Hitze und Trockenheit haben der Erdäpfelernte in Niederösterreich zuletzt stark zugesetzt, sondern auch der Drahtwurmbefall. Dieser reduzierte die im vergangenen Jahr ohnehin kleine Erntemenge nochmals um etwa 25 Prozent. Der Grund: Vom Drahtwurm befallene Knollen konnten nicht mehr als Speiseware vermarktet werden. 130.000 Tonnen gingen somit für den heimischen Markt verloren. Betrachtet man den aktuellen pro Kopf Verbrauch in Österreich, verzehrt jeder rund 50 Kilogramm Erdäpfel pro Jahr. Das heißt: Alleine mit der Menge, die man wegen der Drahtwurmlöcher aussortieren musste, hätte man rund 2,5 Millionen Österreicherinnen und Österreicher ein ganzes Jahr lang versorgen können

Knappes Gut

Matthias Presolly von der Arge Agragemeinschaft OG in Biedermannsdorf zählt zu den größten Erdäpfelproduzenten im Mödlinger Bezirk, 65 Hektar Speisekartoffel und 20 ha Stärkekartoffeln werden heuer angebaut.
Im vergangenen Erntejahr war der Ausfall aufgrund des Drahtwurms fatal: "Von Acker zu Acker unterschiedlich hatten wir Ausfälle zwischen 20 und 100%, über den Gesamtbetrieb gerechnet lagen wir bei etwa 50%." Die Interessengemeinschaft Erdäpfelbau (IGE) geht davon aus, dass ab Mai nur mehr vereinzelt österreichische Ware in den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels liegen wird. „Wenn jetzt Ware aus dem Ausland zu uns kommt, muss sichergestellt werden, dass die nach denselben hohen Produktionsstandards produziert wurde, wie sie auch von unseren Bauern verlangt werden“, fordert IGE-Obmann Franz Wanzenböck

Notfallmaßnahmen

Dass es, wenn rund die Hälfte der Ernte ausfällt, besonderer Maßnahmen bedarf, betont auch Johann Tröber, Obmann der Bezirksbauernkammer: "Es braucht eine Notfallzulassung bei Pflanzenschutzmitteln, sonst kann die Bevölkerung nicht mehr mit heimischen Erdäpfeln versorgt werden".
Das Problem dabei sei auch, dass "bei Erdäpfeln nicht-österreichischer Herkunft, nicht hinterfragt wird, welche Mittel verwendet werden." Die Zeit drängt jedenfalls, denn die Erdäpfelsaison hat bereits begonnen und die Erdäpfelbauern hoffen auf gute Wachstumsbedingungen, damit die Phase ohne eigene Marktversorgung möglichst kurz bleibt. Ab Anfang Juni sollte es dann wieder österreichische Erdäpfel in gewohnt guter Qualität im Handel geben – im Ab-Hof-Verkauf vielleicht sogar schon etwas früher.

Bezirksbauernkammer-Obmann Johann Tröber (l.) mit Erdäpfelbauer Matthias Pressoly.
Vom Drahtwurm befallene Knollen können nicht mehr als Speiseware vermarktet werden.

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