Theater, das die Zuschauer überraschen soll

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BEZIRK MÖDLING. Von 8. bis 15. November präsentiert das Theater am Weinberg heuer das Stationendrama „Don Juan kommt aus dem Krieg“ von Ödön von Horváth in der Burg Perchtoldsdorf. Warum das Stück nicht zufällig gewählt wurde, erklären die beiden Co-Regisseurinnen Gertrude Tartarotti und Christine Kolbábek im Interview.

Im Rahmen der diesjährigen Produktion bringt „Theater am Weinberg“ Ödön von Horváths „Don Juan kommt aus dem Krieg“, gewissermaßen ein österreichischer Klassiker, der unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg spielt. Gibt es Bezüge zum heurigen Gedenkjahr? Falls ja, zufällig oder beabsichtigt?
Gertrude Tartarotti: Ja, der Zeitbezug hat für mich eine wichtige Rolle gespielt. Das Stück beginnt am Tag des Ende des Ersten Weltkriegs, am 11. November 1918. Genau 100 Jahre später, am 11. November 2018, werden wir damit auf der Bühne stehen. Das Stück zeigt auch sehr gut die Wirren der Zwischenkriegszeit: Inflation, Bürgerkriege, die "verrückten Zwanzigerjahre" und zwar – und das ist das Spannende – immer aus der Sicht von Frauen.

Was ist das Besondere an Horváths Don Juan-Figur?
Gertrude Tartarotti: Das drückt Horváth selbst am besten aus: "Der Don Juan sucht immer die Vollkommenheit, also etwas, was es auf Erden nicht gibt. Und die Frauen wollen es ihm, und auch sich selbst, immer wieder beweisen, dass er alles, was er sucht, auf Erden finden kann." 
Dass ihm alle Frauen wegen des Männermangels nach dem Krieg verfallen – und weil er gut aussieht – ist mir zu billig. Das Faszinierende an diesem Don Juan ist für mich – und das wird in meiner Inszenierung auch zum Ausdruck kommen –, dass jede Frau sich in seinem Blick als sein Idealbild wahrgenommen fühlt – jedenfalls für einen Augenblick. Das macht ihn so unwiderstehlich. Dass dieser Blick sofort wieder erlischt, dass der Don Juan sich gleich wieder enttäuscht abwendet, bringt die Frauen zur Verzweiflung. Jede von ihnen glaubt ja ganz fest, die „Richtige“ für ihn zu sein... Eine Loslösung wird so unmöglich.

Wie sehen Sie die für Horváth kennzeichnende schnörkellose, gelegentlich fast minimalistisch anmutende Sprache? Dramaturgische/inszenatorische Chance oder Herausforderung?
Gertrude Tartarotti: Kurz und bündig: Ich liebe Horváth! Seine Sprache ist etwas ganz Besonderes, sie beginnt erst im gesprochenen Dialog richtig zu schillern. Zwischen scheinbar beiläufigen Sätzen klingt das Unausgesprochene durch, hinter Banalem lauert so manche Ungeheuerlichkeit. Und der Tonfall muss dabei ganz beiläufig bleiben, wie zufällig hervorgerufen. Ja, Horváth zu inszenieren, ist eine große Herausforderung – der ich mich mit Liebe und Respekt stelle.

Es handelt sich um ein Stationendrama – was kann man sich darunter vorstellen bzw. was erwartet das Publikum heuer in der Burg Perchtoldsdorf?
Christine Kolbábek: Uns ist jedes Jahr daran gelegen, nicht nur unsere Zuschauer damit zu überraschen, wie wir den Festsaal der Burg in einen Raum für Theater verwandeln – auch uns selbst wollen wir überraschen. Diese räumlichen Neuanordnungen bewirken, dass wir den Raum jedes Mal wieder ganz neu entdecken und so auch für jedes neue Stück wieder ganz anders wahrnehmen. Beim diesjährigen „Don Juan“ bietet sich das Stationenhafte an, das vom Autor schon so angelegt ist. Die Zuschauer werden wie bei einer geführten Ausstellung von einem Conferencier durch die Bilder bzw. Szenen des Stücks geführt. Um eine optimale Sicht und auch Sitzgelegenheiten für unsere Zuschauer anbieten zu können, spielen wir jeweils für eine kleinere Zuschaueranzahl, dafür zwei Vorstellungen pro Abend (mit Ausnahme des Premierentags). Natürlich eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten, und ein weiterer Aspekt, der diese Produktion besonders spannend macht. Das Ensemble wird jeden Abend zweimal in die Magie des Stücks eintauchen.

Abschließend ein paar Bemerkungen zum Ensemble?
Christine Kolbábek: Auch dieses Jahr spielen wir wieder mit einem großen Ensemble. Unsere Zuschauer dürfen auf bekannte Gesichter bzw. vielfach bewährte Ensemblemitglieder in völlig anderen Rollen gespannt sein. Ich freue mich besonders, dass wir auch jungen Nachwuchs für das Stück gewinnen konnten; zwei talentierte junge Damen spielen zum allerersten Mal beim Theater am Weinberg mit, und es ist sehr schön, diese Anfänge begleiten zu dürfen. Immerhin ist dieses Theater auch Geburtsstätte meiner eigenen Leidenschaft für das Theater gewesen. Erstmals haben wir auch ein Casting abgehalten und so unseren charismatischen jungen Hauptdarsteller gefunden. Das Ensemble ist wunderbar durchmischt; eine bunte, leidenschaftliche Truppe unterschiedlichster Charaktere, ein reicher Pool an engagierten Talenten, mit denen man aus dramaturgischer und inszenatorischer Sicht wunderbar arbeiten kann – wir werden wie jedes Jahr alles geben, um für unser Publikum ein bewegendes Theatererlebnis zu zaubern.

Autor:

Rainer Hirss aus Mödling

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