03.10.2016, 10:19 Uhr

Nicht nur die Natur hat Launen, auch Häuser haben sie - "Das Haus der Laune"

Wenn man dieses "Restgemäuer" umrundet, kann man herrlich träumen und sinnieren, wie es mal wirklich ausgesehen haben könnte.
Laxenburg: Schlosspark Laxenburg | "Das Haus der Laune" ist ein kurioses und viel umrätseltes Bauwerk im Schlosspark in Laxenburg. Es wurde nach den Entwürfen des Architekten Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg in den späten neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts erbaut.
Heute existieren nur mehr die Grundmauern im Dickicht der Vegetation; ein Modell im Historischen Museum der Stadt Wien (1799), viele zeitgenössische Darstellungen und Beschreibungen geben aber darüber eine präzise Auskunft, wie das „Haus der Laune" ursprünglich ausgesehen hat. Nach den Verwüstungen der französischen Besatzungsmacht im Jahre 1809 wurde das Bauwerk 1812 von Architekt Alois Pichl in gotisierendem Stil neu entworfen (aber nicht verwirklicht) und schließlich 1814 als biederes „Lusthaus im Eichenhain" innen und außen erneuert. Seit den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts sind die vorhandenen Reste immer weniger sichtbar.

Die Idee von verrückten Architekturen war im ganzen 18. Jahrhundert nicht neu; gerade ab der Zeit um 1770 fand eine intellektuelle Auseinandersetzung über das Haus des Prinzen Palagonia in Sizilien statt, die der Kaiserin Marie Therese unmittelbar bekannt sein musste. Diese Villa der „verkehrten Welt" aus der Zeit um 1740 wurde von vielen aufgeklärten Reisenden (so auch von Goethe) besucht und heftig diskutiert. Gerade im Jahrhundert der „Vernunft" hat man sich zuerst intensiv mit dem Phänomen „Unvernunft" (französisch „déraison") beschäftigt. Die fremdsprachigen Benennungen des „Hauses der Laune" sprechen für sich: „maison burlesque", „maison de caprice", „maison de phantaisie".

Die Bedeutung des „Hauses der Laune" in Laxenburg liegt in kulturgeschichtlicher Hinsicht darin, daß hier erstmals in Österreich eine intellektuelle Architekturkarikatur geschaffen wurde, die im Freiraum Natur-Garten das Weiterleben des im 18. Jahrhundert stark in Frage gestellten Hofnarrentums sicherte. Die verkehrte Welt abseits des zeremoniellen „ennui" (Langeweile) sollte den Wunsch nicht nach rationaler, sondern nach irrationaler Freiheit zum Ausdruck bringen, der letztendlich im kritischen Vermögen der Aufklärung wurzelte.

Quelle: Webseite zu Schloss Laxenburg
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Robert Trakl aus Liesing | 03.10.2016 | 10:52   Melden
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Sylvia S. aus Favoriten | 03.10.2016 | 10:59   Melden
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