100 Jahre Republik Österreich
Ein hartes Leben in 100 Jahren: Im Interview mit Maria Königshofer aus Mürzzuschlag

Maria Königshofer, 101, Mürzzuschlag

Die Mürzzuschlagerin Maria Königshofer erlebte das Entstehen der Ersten Republik und viel, viel Arbeit.

Eigentlich unglaublich: Vor 100 Jahren ist die Monarchie zusammengebrochen, der Kaiser musste abdanken. 1917 ist das Geburtsjahr von Maria Königshofer aus Mürzzuschlag. Dazwischen liegt ein Bürgerkrieg, ein Weltkrieg und der Wiederaufbau Österreichs.
Königshofer erlebte das Entstehen der Ersten Republik und viel, viel Arbeit. Sie erzählt: "Als ich vor über 100 Jahren zu Beginn des Jahres 1917 zur Welt kam, war ich noch zu jung, um den Übergang vom Kaiserreich zur Republik zu verstehen. In Erinnerung geblieben ist mir, dass ich mit meiner Mutter auf einer Hubn, einem Bauernhof, in Stanz im Mürztal bei den Großeltern aufwuchs. Wir waren vier Mädchen und sechs Buben. Der Tagesablauf war von harter Arbeit geprägt", sagt Königshofer. Die in den 1920er-Jahren erfolgte Geldentwertung und die schlechte Wirtschaftslage bekamen die Kinder zu spüren, es war nicht einfach. Zur Schule ging sie in Brandstatt.
"Ich musste vom Berg herunter und brauchte eineinhalb Stunden. Oft hatte ich am Schulweg Angst, da mir immer wieder Pferdefuhrwerke, beladen mit Holz begegneten. Mit neun Jahren bin ich in die Klosterschule nach St. Lorenzen gekommen, wo wir von Nonnen unterrichtet wurden", erzählt die Mürzerin. Ab dem 14. Lebensjahr wurden Königshofer und ihre Geschwister für Landwirtschaftsarbeiten eingeteilt.

"Dienst" war angesagt

"Es wurde uns nichts geschenkt. Nachdem wir Schülerinnen keinen eigentlichen Beruf erlernten, mussten wir anschließend in 'Dienst' gehen", sagt die 101-Jährige. Ihren ersten Dienstplatz fand sie in einem Wirtshaus in Allerheiligen. Eingestellt wurde sie als Kindermädchen, doch dazu kam es nicht. Sie musste alle möglichen Arbeiten verrichten und Wäsche in der Mürz waschen. Zwischendurch ist Königshofer auch in die Untersteiermark gekommen, wo sie abermals harte bäuerliche Arbeit verrichten musste. Zu ihrem 20. Geburtstag ist es ihr zu blöd geworden, immer nur bei den Bauern zu arbeiten.
Königshofer suchte ihre in Wien wohnhafte Schwester auf. Dort bekam sie zu essen, aber leider keine Arbeit. So musste sie auf Arbeitssuche gehen und kam zu einer vornehmen Familie als Hausmädchen. "Dort war ich nicht allzu lange und wechselte nach Grinzing in ein Kaffeehaus. Während meiner Zeit in Wien erlebte ich 1938 den Einmarsch von Hitler. Ich stand gerade auf der Mariahilfer Straße und hörte laute Rufe. Auch erlebte ich, wie Jüdinnen die Stufen zum Parlament mit einer Reibbürste waschen mussten", erinnert sich Königshofer.
Nach Ende des Weltkrieges fuhr sie wieder einmal nach Mürzzuschlag, wo sie ihren Mann Hans kennenlernte. Sie wohnten im Haus seiner Eltern in Auersbach. 1953 verehelichten sie sich und bekamen zwei Söhne. "Seit 1998 bin ich Witwe und mein letztes Zuhause ist nun seit Ende Juni das Landes-Pflegezentrum in Mürzzuschlag, wo ich gut betreut werde", so Königshofer abschließend.

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