Demenz
Erfahrungsbericht eines Angehörigen

Drei Jahre lang pflegte Christian Holzer seine an Demenz erkrankte Mutter. Nun hat er seine Erfahrungen in der schwierigen, aber doch schönen Zeit in einem Buch zusammengefasst.
  • Drei Jahre lang pflegte Christian Holzer seine an Demenz erkrankte Mutter. Nun hat er seine Erfahrungen in der schwierigen, aber doch schönen Zeit in einem Buch zusammengefasst.
  • Foto: Hofbauer
  • hochgeladen von Bernhard Hofbauer

Demenz findet meist hinter verschlossenen Türen statt. Der Mürzer Christian Holzer teilt seine Erfahrungen.

"Damals weinte ich über das Leben, das meine Mutter während ihrer Demenz führen musste. Ich weinte über das Leben, das ich damals für mich gewählt hatte. Ich weinte über das Leben, das meine Mutter gehabt hätte, ohne meine Pflege. Heute lache ich über das Glück, dem System und der Krankheit ein Schnippchen geschlagen zu haben. Eine verrückte Zeit mit viel Lachen und Liebe und vor allem dem Privileg, nicht alleine zu sterben." So resümiert der Mürzzuschlager Christian Holzer jene Jahre, in denen er sich liebevoll um seine demente Mutter kümmerte.

"Keine Ahnung von Demenz?"

Drei Jahre lang begleitete Holzer seine Mutter bis zu ihrem Tod und hat dabei sämtliche Stadien ihrer Krankheit miterlebt. In der Zeit sind sechs Tagebücher entstanden, die er nun zu einem Buch mit dem Titel "Keine Ahnung von Demenz?" zusammengeführt hat. "Ich möchte einfach meine Erfahrungen schildern und vielleicht hilft es ja Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden", so Holzer. Als er die Pflege seiner Mutter übernommen hat, wusste er nichts von der Krankheit und hatte keine Ahnung, was es bedeutet, einen Menschen mit Demenz zu betreuen. Obwohl er in der Zeit schreckliche Momente erlebt hat, geht der Autor gestärkt aus der Erfahrung heraus und möchte die Zeit nicht missen. "Pflege ist unglaublich gut für das eigene Wachstum. Man befasst sich mit der eigenen Vergänglichkeit und lernt seine Grenzen kennen", erklärt Holzer.

Die Mühen waren es wert

Sein Erfahrungsbericht gliedert sich in vier Kapitel, in denen er zum einen beschreibt, was auf jemanden zukommt, wenn ein geliebter Mensch an Demenz erkrankt. "Je lieber man jemanden hat, desto härter trifft es einen", so Holzer. Er schreibt von einer eigenen Art von Kommunikation, die entsteht – "80 bis 90 Prozent der Gespräche haben mit der Realität nichts zu tun" – und zeigt die Probleme mit dem sozialen Umfeld auf. "Jeder will das Beste, aber oft kommt das Schlimmste dabei heraus", meint der Mürzzuschlager Autor. Die Quintessenz des Buches ist allerdings, dass trotz der Schwere der Krankheit, viel gelacht wurde und es zahlreiche schöne Momente gab. "Jeder Mensch ist es wert, bis zum Schluss lebens- und liebenswert behandelt zu werden", so Holzer.

Mürzzuschlager Autor leistet Aufklärungsarbeit

Die Zahl der Demenzkranken steigt rasant an, doch findet kaum eine öffentliche Debatte darüber statt. "Demenz findet hinter verschlossenen Türen statt und ist oft mit Schuldgefühlen verbunden", erklärt Holzer. Umso wichtiger ist es ihm, darüber zu reden und zu schreiben. "Wenn ich nur einem Angehörigen mit meinem Buch helfen kann, habe ich schon gewonnen", so der Autor. Das Buch "Keine Ahnung von Demenz?" ist im Eigenverlag erschienen und erhältlich über Amazon.


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