Fokus Frau
Den Weg aus der Hölle gefunden

Vielen Frauen geht es ähnlich wie Kersin. Vielleicht finden Sie durch ihre Geschichte auch den Mut darüber zu sprechen und sich helfen zu lassen.
  • Vielen Frauen geht es ähnlich wie Kersin. Vielleicht finden Sie durch ihre Geschichte auch den Mut darüber zu sprechen und sich helfen zu lassen.
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Kerstin aus dem Mürztal möchte anderen Frauen mit einer ähnlichen Geschichte Mut machen.

Die Geschichte von Kerstin aus dem Mürztal lässt einem teilweise das Mark in den Knochen gefrieren. Trotz allem gehört sie erzählt, da sie anderen Frauen hoffentlich auch Mut macht, über ihre Erfahrungen, seien sie auch noch so schmerzhaft, zu sprechen und sich helfen zu lassen.

Kein lebenswertes Leben

Schon die Kindheit der mittlerweile 37-Jährigen war steinig: Ein Elternhaus mit gewaltvoller bzw. sexuell missbräuchlicher Vorgeschichte, falsche Wertvorstellungen, eine Familie, die nach innen keineswegs funktionierte, aber zwanghaft bemüht war, nach außen perfekt zu erscheinen. "Ich bin ohne Selbstwertgefühl aufgewachsen. Alles, was ich getan habe, war falsch. Zudem war ich sehr naiv. Eigentlich hatte ich gar keine Kindheit", erklärt Kerstin. "Mit 17 war ich bei einem Bekannten, der mir etwas am Computer beibringen hätte sollen, doch mich stattdessen versucht hat zu vergewaltigen", erzählt Kerstin von ihrer ersten sexuellen Belästigung, an die sie sich konkret erinnern kann. "Es gab auch schon in der Kindheit sexuelle Übergriffe, doch das wurde mir erst später bewusst", so die mutige Mürztalerin, die mir ihre Geschichte ganz offen erzählt. Weitere sexuelle Übergriffe von Männern in Machtpositionen sowie das dysfunktionale Elternhaus führen schließlich zu einer gravierenden Essstörung. "Ich habe tagelang nichts mehr gegessen. Ich wuchs aber ohnehin schon mit einem sehr gestörten Verhältnis zum Essen auf, da in unserer Familie das Aussehen immer eine übergeordnete Rolle gespielt hat", erklärt sie.

"Ich sah keinen Sinn mehr"

Durch ihren ersten richtigen Freund verschlimmert sich die Lage. "Er wurde immer herrischer." Oftmals kam er betrunken nach Hause und zwang Kerstin zum Sex. Die Essstörung entwickelte sich weiter. "So paradox das auch klingt, aber das Übergeben hat mir geholfen, da es das einzige war, worüber ich die Kontrolle hatte. Wenn ich die Essstörung nicht bekommen hätte, wäre ich wahrscheinlich noch länger in dieser Beziehung geblieben", sagt Kerstin. "Ich bin immer dünner geworden und mir hat es gefallen, dass er mich nicht mehr attraktiv fand", erklärt sie. "Mit 19 wurde ich dann das erste Mal stationär aufgenommen. Mit 22 hatte ich nur noch 45 Kilo und wäre fast gestorben", schildert Kerstin die schwierigste Zeit ihres Lebens. Es folgten diverse Selbstmordversuche und Beziehungen, die von psychischen Belastungen geprägt waren. "Ich sah keinen Sinn mehr in meinem Leben, aber die letzte Konsequenz hat mir zum Glück dann doch gefehlt."

Langersehnter Wendepunkt

An ihrem Tiefpunkt angelangt, hat sie ihren jetzigen Partner kennengelernt. "Er hat viel mitgemacht, aber ist bei mir geblieben und war immer für mich da. Durch ihn habe ich gelernt, anderen Menschen zu vertrauen." Erst durch ihn hat Kerstin auch den Wunsch entwickelt, gesund zu werden und war bereit, sich helfen zu lassen. Nach insgesamt 18 Jahren, in denen sie durch die Hölle ging und keinen Grund mehr sah weiterzuleben, blickt sie nun positiv in die Zukunft. Gemeinsam mit ihrem Ehemann hat sie zwei Kinder, die ihr Ein und Alles sind. "Ich werde aufgrund meiner Erfahrungen nie ganz gesund sein, aber ich habe gelernt, glücklich zu sein", so Kerstin. Mit ihrer Geschichte möchte sie nun auch anderen Frauen helfen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. "Ich möchte den Frauen Mut machen, die gerade genauso verzweifelt sind, wie ich es war. Wenn man es will, kann man es auch schaffen, aus dieser Scheiße herauszukommen", findet Kerstin klare Worte. Derzeit arbeitet sie auch an einem Buch, in dem sie ihre Geschichte, die noch wesentlich mehr Kapitel hat als hier behandelt werden können, verarbeitet.

Anlaufstellen für betroffene Frauen

Frauenschutzzentrum Kapfenberg: täglich 0-24 Uhr, Notrufnummer 0316/429900 oder 03862/27999.

Frauenberatungsstelle, Tel.: 0664/88340367.

Mafalda - Verein zur Förderung und Unterstützung von Mädchen und jungen Frauen, Arche Noah 11, 8020 Graz, Tel.: 0316/33 73 00, www.mafalda.at.

Beratungsstelle TARA - Frauenberatungsstelle bei sexueller Gewalt Steiermark, Haydngasse 7, 8010 Graz, Tel.: 0316/318077, www.taraweb.at.

Gewaltschutzzentrum Steiermark, Granatengasse 4/2. Stock, 8020 Graz, Tel.: 0316/774199, www.gewaltschutzzentrum-steiermark.at.

BAS - Suchtberatungsstelle Graz, Dreihackengasse 1, A-8020 Graz, Beratung und Therapie für Menschen mit Essstörungen, www.bas.at.

Selbsthilfegruppe für Angehörige essgestörter Kinder/Jugendlicher, Hotline: 0699/16005050.

Autor:

Bernhard Hofbauer aus Mürztal

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