50 Jahre geschaufelt
Der Friedhof war sein Zuhause

In Begleitung von Reinhard Welser (Geschäftsführer Stadtwerke Mürzzuschlag) und Gerhard Hagen (Leiter Bestattung Mürzzuschlag) greift Karl Lissy ein letztes Mal zur Schaufel.
  • In Begleitung von Reinhard Welser (Geschäftsführer Stadtwerke Mürzzuschlag) und Gerhard Hagen (Leiter Bestattung Mürzzuschlag) greift Karl Lissy ein letztes Mal zur Schaufel.
  • Foto: Stadtwerke Mürzzuschlag
  • hochgeladen von Bernhard Hofbauer

Karl Lissy aus Spital hat 50 Jahre als Totengräber auf dem Buckel. Mit 81 Jahren hat er nun genug gegraben.

Nach 50 Jahren als Totengräber hat Karl Lissy aus Spital am Semmering nun mit 81 Jahren die Schaufel an den Nagel gehängt. Seit 1968 leistete er seinen Dienst bei der Bestattung in Mürzzuschlag, am Friedhof Spital und daneben auch auf den Friedhöfen in Kapellen, Mürzsteg und Frein. Alleine mit seiner Körperkraft hat das "Spitaler Bestattungsurgestein" im Laufe der Jahre hunderte Grabstätten ausgehoben. "Ich habe kein einziges Mal einen Bagger verwendet, sondern alles per Hand gemacht", erklärt Lissy, der trotz der traurigen Umstände, in welchen sein Dienst benötigt wurde, ausschließlich mit Freude auf seine Arbeit zurückblickt. "Ich habe mehr Zeit meines Lebens auf dem Friedhof verbracht als zu Hause, und ich habe es gerne gemacht", so Karl Lissy.

Beinharte Arbeit

Teilweise musste er sich durch meterhohen Schnee graben, um die Grabstätten rechtzeitig für das Begräbnis vorzubereiten. "Oftmals war das eine beinharte Geschichte, da man auch wenn die Böden gefroren sind, zwei Meter hinuntergraben muss", so die Wühlmaus wie Lissy liebevoll von seinen Kollegen bei der Mürzer Bestattung genannt wird. Besonders beeindruckend ist auch, dass Karl Lissy keinen einzigen Tag krank geschrieben war. "Ich war immer da und stolz darauf, was ich geleistet habe", so der Totengräber.

Unvergessliche Erlebnisse

Im Laufe seiner Tätigkeit geriet er auch immer wieder in skurrile Situationen. So musste er beispielsweise während einer Trauerfeier in Mürzsteg seinen eigenen Sohn befreien, der zwischen Sarg und Grabstätte eingeklemmt war. "Ich habe geschaufelt wie ein Verrückter", schmunzelt Lissy. "Nicht so schön war es natürlich auch, als ich das Grab meiner eigenen Mutter geschaufelt habe. Das geht natürlich nahe, aber wenn du das Geschäft machst, musst du eben auch das machen", erklärt das Urgestein, das trotz seiner 81 Jahre topfit wirkt.
Von nun an möchte Karl Lissy es ruhiger angehen, auch wenn ihm ohne Schaufel jetzt schon etwas langweilig ist.

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