29.11.2016, 08:13 Uhr

"Mammutjagd" eines Mürztaler Philosophen

Der Forscher: Hier mit über 2.000 Jahre alten Funden.

Der Kindberger Johannes Hofer ist auch Land- und Forstwirt, erforscht nebenbei die Urgeschichte des Mürztales.

Schon mit 16 Jahren widmete sich Johannes Hofer der Philosophie, las Bücher über Friedrich Wilhelm Nietzsche oder Mark Aurel. "Meine Eltern sagten immer, das sind Flausen, die vergehen wieder", erinnert sich der 65-Jährige.
Doch die Liebe und Faszination zur Philosophie sind geblieben, so wie die Liebe zur Natur. Zwei Welten, die für Hofer zusammengehören. Der Land- und Forstwirt hatte früher Kühe, Schweine, Hühner. Mittlerweile ist die Haupteinnahmequelle der 110 ha große Wald, am Bauernhof sind ein Pferd und Hühner geblieben. "Andere gehen ins Theater. Ich besuche nach wie vor Vorlesungen in Philosophie", sagt Hofer. Immer wieder veröffentlicht er Texte in Zeitschriften. Jeden letzten Freitag im Monat treffen sich auf Initiative von Anna und Johann Hofer sowie Hermelinde Zangl im Gasthof Turmwirt bei "Kultur um 5" Kulturinteressierte.
Der Kindberger besuchte die Höhere Bundeslehranstalt für Land- und Forstwirtschaft. "Ich war der einzige Sohn. Ich sollte einen handfesten Beruf erlernen", so Hofer. Demnach begann er das Studium der Volkswirtschaft. Nach einem Studienabschnitt brach er es ab, begann Philosophie und Geschichte zu studieren.
Schon zu dieser Zeit erfolgten aber auch seine ersten Entwürfe seiner geschichtsphilosophischen Hypothesen zur Entstehung und Entwicklung der Hochkulturen, die später in einem Buch veröffentlicht wurden. Auch über die Erkenntnistheorie brachte Hofer ein Buch heraus, wie 1988 auch das Werk "Drei Grenzen der menschlichen Existenz - Eine anthropologische Zivilisationskritik". Sein jüngstes veröffentlichtes Buch ist "Der einäugige Reiter - Ein philosophischer Roman".
Der Kindberger beschäftigt sich bis heute aber auch mit der Glücksforschung, schreibt dazu gerade ein weiteres Buch. "Man braucht immer ein großes Ziel. In der Steinzeit war das im Zuge der Jagd das Mammut. Heutzutage kann man sich ja im übertragenen Sinn ein Mammut im Internet bestellen. Ich habe mich deshalb der Glücksforschung gewidmet, weil ich es mit Glück immer schwer gehabt habe. Als Philosoph ist man sehr selbstkritisch, man hat es einem selbst gegenüber nicht immer so leicht", erklärt Hofer.

1.000 Seiten

Viele seiner philosophischen Überlegungen kommen Johannes Hofer nicht nur bei der Forstarbeit in seinem Wald, sondern auch nachts. "Ich stehe dann auf und spreche es auf ein Diktiergerät", sagt Hofer. Daraus sind mittlerweile über 1.000 Seiten philosophischer Texte entstanden. "Wenn es ein Vorbild für mich gibt, war das Nikolaus Kopernikus. Er machte seine Sternestudien auch in der Nacht und war ein sehr kritischer Mensch", meint der 65-Jährige. Seine Frau Anna war und ist ihm bei seiner Arbeit immer eine große Hilfe. Sie tippt seine Texte auf dem Computer. "Wenn ich ihn etwas frage und er darauf mit ja antwortet weiß ich, dass er jetzt ganz bei der Philosophie ist", sagt Anna Hofer.
Seit der Matura beschäftigt sich Johannes Hofer auch mit der archäologischen Ur- und Frühgeschichteforschung des Mürztals. Höhepunkt seiner Forschungen: Durch die Zusammenarbeit mit dem Archäologen Wolfgang Artner wurde eine urgeschichtliche, also vorchristliche Höhensiedlung bei Krieglach entdeckt. 2009 erfolgte auf dem Karnerkogel eine archäologische Ausgrabung durch das Bundesdenkmalamt Graz. Eine große Anzahl von Tonscherben aus der Zeit um 1.200 v. Chr. wurde sichergestellt. Sein aktuelles Forschungsprojekt: ein Steinbauwerk in Alt-Hadersdorf. "Mein 'Mammut' ist derzeit der Nachweis, dass das ein Wintersonnenwende-Heiligtum ist", so Hofer abschließend.
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