29.09.2016, 09:30 Uhr

"Vergangenheit ein gutes Fundament"

Werksleiter Thomas Harm (re.) mit Gruppenleiter Wolfgang Weber vor einer neuen, hydraulischen Presse mit 2.000 Tonnen Presskraft.

Das Magnesitwerk in Veitsch gibt es seit 135 Jahren. Die WOCHE im Gespräch mit Werksleiter Thomas Harm.

In St. Barbara-Veitsch entstand 1881 der weltweit erste Betrieb, der das Mineral Magnesit industriell abbaute und zu Feuerfest-Produkten verarbeitete. Der jetzige RHI-Standort Veitsch repräsentiert den Ursprung und Ausgangspunkt der globalen Magnesitindustrie und feiert am 1. Oktober mit einem Tag der offenen Tür 135-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass, bat die WOCHE Werksleiter Thomas Harm zum Gespräch.

Was bedeutet Ihnen dieses Jubiläum persönlich?
Thomas Harm: Die Vergangenheit ist gut und schön. Wir können von der Vergangenheit aber nicht leben. Was aber wichtig ist: Die Vergangenheit ist ein gutes Fundament, auf dem wir unsere Gegenwart und die Zukunft aufbauen können. Wenn man die Erfahrung hat und weiß, was man schon alles bewältigt hat, wenn man so eingebettet ist wie wir hier in das Tal mit dieser Geschichte, wo bis auf ein paar Gastarbeiter wie mich, alle die hier arbeiten mit der Arbeit aufgewachsen sind, dann ist das eine ganz wichtige Basis, auf die man die Zukunft aufbauen kann.

18 Mio. Euro wurden in den letzten Jahren in diesen RHI-Standort investiert. Ist damit der Standort nachhaltig gesichert?
Harm: Wir sind ein börsennotiertes Unternehmen, das heißt, Aussagen zur Zukunft kann nur der Vorstand treffen. Wir haben im Werk drei Fertigungslinien für drei verschiedene Produktbereiche und im Produktbereich MGU, kohlenstoffgebundene Steine, haben wir den gesamten Prozess neu aufgesetzt. Bei den wichtigsten Prozessschritten Mischen, Pressen, Tempern haben wir in neue Anlagen investiert. Damit haben wir eine gute Basis gelegt, dass wir sicher einen Sprung nach vorne bei der Qualität gemacht haben und einen Sprung Richtung Flexibilisierung. Wir haben auch sehr viel in die Umweltanlagen investiert. Nächstes Jahr kommt noch einmal eine große Investition, wo wir die Umweltanlagen noch weiter verbessern.

Welchen Stellenwert hat der Standort Veitsch im RHI Konzern?
Harm: Aktuell produzieren wir acht Prozent vom RHI-Umsatz und das bei über 30 Werken. Dementsprechend ist der Stellenwert ein doch nicht unbeträchtlicher.

Wie lief das letzte Geschäftsjahr?
Harm: Das letzte Jahr war für uns ein zufriedenstellendes Jahr. Was für uns viel wichtiger war: Die Investitionen, die wir getätigt haben. So etwas bringt immer viel Unruhe in die Organisation, Prozesse werden neu aufgesetzt. Es ist uns im letzten Geschäftsjahr gelungen, die Prozesse zu stabilisieren und uns mit den Produktivitäten so zu verbessern, dass wir von den gesäten Investitionen die Ernte einfahren haben können. Der Umsatz lag bei 150 Millionen Euro.

Wie viele Mitarbeiter zählt der Standort, wie viele Lehrlinge?
Harm: Wir haben rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon über 20 Lehrlinge. Der Frauenanteil liegt bei nicht ganz zehn Prozent, bei den Lehrlingen sind es 20 Prozent. Wir sind ein reines Produktionswerk. Wir konzentrieren uns rein aufs Produzieren und dadurch ist der Frauenanteil umso bemerkenswerter.

Jedes Jahr werden hier ca. 200.000 Tonnen Feuerfestprodukte hergestellt. Welche Kunden beliefern Sie?

Harm: Hauptkunde ist die Stahlindustrie. Jeder Stahlkocher braucht unsere feuerfesten Steine, um Gefäße auszukleiden. Der zweite Kundenbereich ist die Zementindustrie, wo die großen Zementdrehrohröfen von uns beliefert werden. In den letzten fünf Jahren haben wir in 119 verschiedene Länder der Erde geliefert. Die Exportquote beträgt 95 Prozent.

Werk Veitsch

1881 beginnt die Geschichte des Werks Veitsch mit dem Rohmagnesitabbau am Sattlerkogel. 1968 wurde der Bergbau eingestellt, der Fortbestand des Werks war aber durch umfangreiche Investitionen in die Steine- und Massenfabrik gesichert. Der Standort wurde kontinuierlich ausgebaut. Zur Herstellung von mehr als 2.600 verschiedenen Artikeln im Werk Veitsch werden über 140 unterschiedliche Rohstoffe und Zuschlagstoffe benötigt.

RHI AG

Die RHI AG ist ein Weltmarkt- und Technologieführer bei hochwertigen keramischen Feuerfestmaterialien. Unternehmenssitz ist Wien. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 7.900 Mitarbeiter an über 30 Produktionsstandorten in Europa, Nord- und Südamerika, Asien und ist mit mehr als 70 Vertriebs- und Service-Standorten auf vier Kontinenten vertreten. Im Geschäftsjahr 2015 erzielte RHI einen Umsatz von 1.752,5 Millionen Euro.
Jährlich werden vom Unternehmen 1,5 Millionen Tonnen Feuerfestprodukte - feuerfeste Steine, Massen, Mörtel und Funktionalprodukte produziert.
Diese Materialien werden in der Stahlindustrie, der Zement- und Kalkindustrie, bei der Herstellung von Glas und Nichteisenmetallen (wie z.B. Kupfer oder Aluminium), im Bereich der Umwelt- und Energietechnik sowie der Chemie- und Petrochemie eingesetzt.
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