13.06.2017, 12:41 Uhr

"Technik ist einfach meines"

Der Arbeitstag kann beginnen: Jasmin Christöfl packt für den nächsten Kundentermin Material und Werkzeug ein. (Foto: Koidl)

Jasmin Christöfl lernt im E-Werk Kindberg Elektrotechnikerin. Eines der wenigen Mädchen in diesem Beruf.

Die Elektroinstallation zählt schon seit über 85 Jahren zum Hauptangebot des E-Werks der Stadtgemeinde Kindberg. Der Beruf des Elektrotechnikers ist nach wie vor eher eine Männerdomäne. Mit Jasmin Christöfl gibt es jetzt aber wieder ein Mädchen im E-Werk, das den Beruf erlernen möchte, erst das dritte in der Geschichte.
Dass es einmal ein technischer Lehrberuf sein muss, wusste Jasmin Christöfl schon lange. "Ich habe zu Hause vieles erledigt. Technisches ist einfach meines. Ich mag das einfach gern", sagt die Kindbergerin.

"Kein Tag wie der andere"

Die 17-Jährige ist im zweiten Lehrjahr und liebt die Kundenbesuche mit den Monteuren: "Kein Tag ist wie der andere. Man hat immer andere Kunden, immer eine andere Aufgabenstellung."
Da ist dann vom Stemmen, Schläuche eingipsen und Kabel einziehen bis zum Tauschen eines FI-Schalters oder von Steckdosen alles dabei.
Die Lehre zur Elektrotechnikerin dauert dreieinhalb Jahre, die Berufsschule ist in Voitsberg. Christöfl geht lieber arbeiten als zur Berufsschule, wie sie sagt, ihr Lieblingsfach ist Technologie. "Die Arbeit kann schon ganz schön anstrengend sein, auf einer Baustelle ist es staubig und wenn der Zeitdruck steigt, kann der Umgangston auf der Baustelle schon etwas rauer werden", antwortet Christöfl auf die Frage, warum sie glaubt, dass sich so wenige Mädchen für diesen Beruf entscheiden.
Eine Baustelle, die für die 17-Jährige eine der spannendsten war: "Das war voriges Jahr bei der voestalpine in Kindberg. Bei einem Zubau haben wir alles installiert. Ich war von Anfang bis zum Schluss bei den Arbeiten dabei. Das war sehr interessant."

NACHGEFRAGT...

...bei Helmuth Ajd, kaufmännischer Direktor E-Werk Kindberg

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um im E-Werk Kindberg eine Lehre als Elektrotechniker zu beginnen? "Das Wichtigste ist das Interesse für die Arbeit. Wenn ich an der Arbeit Freude habe, dann passiert auch etwas. Handwerkliches Geschick sollten Bewerber schon haben, ein Interesse für manuelle Tätigkeiten. Auch der Pflichtschulabschluss sollte passen - schreiben, lesen, rechnen vorausgesetzt, das ist leider oft nicht der Fall. In den letzten Jahren ist es sehr schwer geworden, Lehrlinge zu bekommen."

Elektrizitätswerk der Stadtgemeinde

Das E-Werk Kindberg gibt es seit 112 Jahren, 50 Mürztaler sind beschäftigt, darunter fünf Lehrlinge. Mit der eigenen Stromerzeugung durch Wasserkraft und Sonnenenergie, den Stromhandel, Stromnetz und E-Installation bietet das E-Werk einen Großteil der Anforderungen im Versorgungsbereich. Das Stromversorgungsnetz des E-Werks umfasst sechs Gemeinden mit einer Gesamtfläche von 260 km² mit 23.600 Einwohnern. Die Basis für die Stromerzeugung ist das Ausleitungskraftwerk an der Mürz aus dem Jahr 1905. Um das Wasserdargebot optimal nutzen zu können, wurde 2008 eine Wasserkraftschnecke in Betrieb genommen. Für die Nutzung der Sonnenenergie wurden 2012 und 2013 Photovoltaikanlagen am Herzogberg in Kindberg errichtet.
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Verena Schaupp aus Graz | 20.06.2017 | 15:36   Melden
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