Murtaler der Woche
Fritz Enzinger und die Rückkehr nach Le Mans

Fritz Enzinger vor der Pokalsammlung im Porsche Museum.
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  • Fritz Enzinger vor der Pokalsammlung im Porsche Museum.
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Der Porsche-Motorsportchef über das Krisenjahr und seine Rückkehr zur Stätte des größten Triumphes.

OBERWÖLZ. Sechs WM-Titel und drei Le Mans-Erfolge hat Fritz Enzinger mit Porsche von 2015 bis 2017 gefeiert. Mit seinem neuesten Projekt wird der Oberwölzer bald an die Stätte seines größten Triumphes zurückkehren.

WOCHE: Sie haben zuletzt Weihnachten erstmals nicht am Lachtal verbracht - war das eine große Umstellung?
Fritz Enzinger: Das möchte ich nicht gewohnt werden. Weihnachten ist für mich einfach die Steiermark. Und gerade jetzt, wo es so viel Schnee gibt, habe ich das schon sehr vermisst. Aber wir sind aus Sicherheitsgründen in München geblieben. Wir wollten kein Risiko eingehen - das war der Hauptgrund.

Wie haben Sie generell das Coronajahr 2020 erlebt?
Enzinger: Das letzte Jahr war schon hart, und es war sehr anstrengend. Alles geändert hat sich für mich am 12. März. An diesem Tag war ich bei einer Sponsorveranstaltung in New York und bin am selben Tag wieder nach Hause geflogen. Einen Tag später gab es dann die Beschränkungen. Da ist mir so richtig bewusst geworden: Ich bin noch rechtzeitig rausgekommen. Danach war alles anders - die Stadt war menschenleer. Wir konnten nicht mehr ins Büro. Alle Rennen sind abgesagt worden. In der Mitte des Jahres ist der Betrieb wieder angelaufen, aber die zweite Welle war wieder schwierig - das hat sich keiner vorstellen können. Es kann nur besser werden, wenn sich viele impfen lassen.

Wie oft waren Sie an der Rennstrecke?
Enzinger: Ich war bei drei Rennen - alle ohne Zuschauer. Le Mans ohne Fans, da sind sonst 300.000 Menschen. Motorsport ist Emotion - es war unglaublich. Aber es ist gut, dass es überhaupt stattfindet.

Sie werden mit Ihrem neuesten Projekt selbst nach Le Mans zurückkehren - wie ist der Stand der Dinge?
Enzinger: Wir werden ab 2023 mit einem Hybrid-Prototyp in der neuen LMDh-Serie einsteigen. Wir können damit bei den weltweit wichtigsten Langstreckenserien den Titel holen, das war der Hauptgrund für die Entscheidung. Wir werden in den USA und bei der Langstrecken-Weltmeisterschaft am Start sein. Das Projekt hat jetzt begonnen, wir stellen gerade ein Team zusammen.

Porsche ist außerdem in der Formel E engagiert - sind Sie zufrieden mit der Entwicklung?
Enzinger: Es war ein guter Einstand, wir waren am Podest und hatten Pole Positions - dann ist Corona gekommen und hat alles auf den Kopf gestellt. Das Ziel war: erst Daten sammeln und dann angreifen. In der zweiten Saison wollen wir Rennen gewinnen.

Sie sind seit fast drei Jahren für den Volkswagen-Konzernmotorsport verantwortlich, wie hat sich die Aufgabe entwickelt?
Enzinger: Es ist sehr aufwendig. Ich bin für die strategische Ausrichtung von acht Marken zuständig. Aber es macht viel Spaß, auch wenn es sehr zeitintensiv ist. Normalerweise bin ich viel unterwegs, zuletzt hat sich das geändert.

Sie haben bestimmt den Auftakt in die Formel 1-Saison 2020 in Spielberg verfolgt.
Enzinger: Natürlich! Und ich war sehr froh, dass das Konzept sich so bestätigt hat. Das war sicher auch wirtschaftlich für die Region wichtig. Die Veranstaltungen waren weltweit sichtbar und die Region hat gezeigt, was machbar ist. Ich haben einen Riesenrespekt vor den Leuten dahinter.

Wie wird aus Ihrer Sicht das Motorsportjahr 2021?
Enzinger: Schwierig, weil keine Planbarkeit da ist. Wir haben verschiedene Trosse, die weltweit unterwegs sind und überall gibt es andere Auflagen. Das ist teils ein Riesenprozedere. Aber die Abläufe funktionieren mittlerweile ganz gut.

Hat Corona auch positive Veränderungen mitgebracht?
Enzinger: Mit Sicherheit. Man überlegt jetzt mehr, bevor man irgendwo hinreist. Es ist technisch soviel machbar. Generell findet ein Umdenken statt - es werden andere Prioritäten gesetzt. Wir werden künftig bewusster mit unseren Möglichkeiten und Ressourcen umgehen. Aber die wirtschaftlichen Folgen sind natürlich krass.

Und wann steht der nächste Besuch im Lachtal an?
Enzinger: Sobald wie möglich - auch wenn dann damit eine Quarantäne verbunden ist.

"Porsche kann es auch elektrisch"
Fritz Enzinger vor der Pokalsammlung im Porsche Museum.


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