Die tägliche Arbeit der Landwirte geht gleich weiter
Frühjahrsarbeit im vollen Gange trotz Corona – Krise

Rinderwirtschaft ist die Säule der funktionierenden Landwirtschaft im Berggebiet, dies zu erhalten muss im Interesse der gesamten Gesellschaft sein.
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  • Rinderwirtschaft ist die Säule der funktionierenden Landwirtschaft im Berggebiet, dies zu erhalten muss im Interesse der gesamten Gesellschaft sein.
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Während das Leben im Alltag seit mehreren Wochen nur sehr beschränkt gestaltet werden kann, Abstand halten lautet die Devise, hat sich für die Landwirte im Alltagsleben wenig geändert. Die tägliche Arbeit im Stall muss erledigt werden, die Felder werden nun schon bestellt um im Sommer und Herbst wieder ernten zu können. In den letzten Wochen und Tagen mit den Vorbereitungen auf das Osterfest mit den vielseitigen Angeboten an Osterfleisch wurde in der Gesellschaft die Wertschätzung der heimischen Landwirtschaft wieder mehr bewusst. Von Bundesregierung abwärts wurde immer wieder den Landwirten gedankt, dass sie für die Lebensmittelversorgung vieles leisten. Vor wenigen Wochen sagte dazu Bez. Bäuerin Erika Güttersberger „…dass dies aber ein tägliches Bemühen 365 Tage im Jahr bedeutet, ist vielen nicht bewusst“.
Wir haben einige Landwirte gebeten von ihrem Umgang mit Corona im Alltag zu berichten. Die Auskunftspersonen sind praktizierende Landwirte mit Schwerpunkt Rinderzucht.
Dominik Rottensteiner ist Obmann der VZG Oberwölz, er bewirtschaftet in der Gemeinde St. Peter seinen Bauernhof. „Diese Ausnahmesituation zeigt uns wie wichtig eine regionale Versorgung mit Lebensmitteln ist. Deshalb ist es notwendig, dass uns Bauern die Wertschätzung dafür wieder mehr entgegengebracht wird und auch über einen gerechten Preis gewürdigt wird. An der täglichen Arbeit für uns hat sich eigentlich wenig geändert. Ungewohnt wenig Termine und Veranstaltungen haben seine positiven und negativen Aspekte. Jeder Einzelne von uns wird die Auswirkungen/Folgen dieser Krise spüren was auch immer kommen wird. Machen wir das Beste daraus. Jede Veränderung ist auch eine Chance, die es zu nutzen gilt“.
Günther König ist Obmann der VZG Oberstes Murtal und bewirtschaftet seinen Bauernhof in Probst bei Murau. „Im Alltag glaube ich hat sich für uns Bauern wenig geändert. Man achtet vielleicht ein wenig beim Umgang mit betriebsfremden Personen (Tierarzt, Klauenpfleger, diverse Vertreter,..), aber gewisse Dinge kann man nicht aufschieben. Der Absatz unserer Produkte vor allem Milch ist zurzeit noch gesichert und die Nutzrindermärkte werden Dank dem Einsatz der Rinderzucht Steiermark unter strengen Auflagen noch abgehalten. Für die Zeit nach der Krise wünsche ich mir das die doch steigende Wertschätzung in der Gesellschaft für die Landwirtschaft und die regional erzeugten Produkte anhält“.
Gottfried Seidl ist Obmann der VZG Neumarkt, er bewirtschaftet mit seiner Familie den Bergbauernhof in Zeutschach bei Neumarkt. „Unser Wohlstand ist heute so aufgebaut, dass jedes einzelne Glied in der Wirtschaft und Gesellschaft seine Wichtigkeit hat und jede einzelne Person ein kleines Rädchen im Gesamten ist. Bezugnehmend auf den Holzabsatz, die Milch- und Fleischproduktion möchte ich verstärkt betonen, dass die bodenständige Rohstoffproduktion auch in Krisenzeiten von großem Wert ist und die Landwirtschaft ihre fixe Stellung in der Gesellschaft bewahrheitet. Durch den Stillstand der Wirtschaft spürt nun jeder die Auswirkungen einer neuen Krankheit, welche weltweit Einfluss in alle Lebensbereiche nimmt. Für meinen Betrieb und unsere Familie sind die Auswirkungen des Covid - 19 aus ökonomischer Sicht ertragbar, da wir immer schon nachhaltig wirtschaften. Unser hektischer Alltag und der geplante Arbeits- und Freizeitstress, sollte in jedem Lebensbereich neu überdacht werden“.
Markus Spreitzer ist Obmann der VZG Ranten, sein Betrieb ist in Freiberg bei Ranten. Er meint zur Lage: „Leider hat die Corona - Krise die Landwirtschaft nicht verschont, sei es in den Sparten Schlachtkühen, Maststieren, Zuchtvieh sogar der Absatz bei Schafen ist zu erliegen gekommen, aber auch der Holzmarkt steht still. Für die gleiche Arbeit bekommt man jetzt um 700 € weniger als noch im Jänner pro LKW - Zug Fichte, falls es überhaupt abgeholt wird, nur die Preise für Futtermittel, Treibstoff usw. scheinen nach wie vor künstlich oben gehalten zu werden“. Er kennt aber auch positive Effekte, dies betreffe den Klimawandel und Luftqualität weltweit und dass die Landwirtschaft wie so oft nicht als Klimasünder hingestellt wird. Es werde noch eine Weile dauern, bis die Krise überwunden ist, die Bauern versorgen die Bevölkerung mit den täglichen Lebensmitteln worauf man stolz sei, so Markus Spreitzer.
In Hinteregg bei Oberwölz bewirtschaftet das Ehepaar Ignaz und Johanna Leitner ihren Bauernhof vulgo Perstl. „Das Wichtigste ist die Gesundheit, das wird uns momentan wieder allen sehr bewusst gemacht. Wir als Bauernfamilie sind sehr froh über unseren natürlichen Lebensraum, unsere gesunden Lebensmittel und über unsere tägliche Arbeit, die uns Rhythmus und Sinn im Leben gibt. Für uns hat sich im Wesentlichen nicht viel verändert, die nötige Frühjahrsarbeit, die Tiere und das Leben in der Großfamilie geben den Rahmen für den Alltag vor. Natürlich kommen Gedanken über die Krise auf, vor allem nehmen wir eine veränderte Lebenseinstellung in unserem Umfeld wahr. Auf einmal bekommt der ländliche Raum und damit auch die Arbeit der bäuerlichen Familien Wertschätzung und Anerkennung. Wir hoffen, dass die Veränderungen unserer Lebensrealität, die ja kommen müssen, weiter friedlich voranschreiten. Am wichtigsten aber scheint uns, dass wir als Gesellschaft gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden, dass mehr Miteinander gelebt wird und der gesunde Menschenverstand siegt. Wir hoffen auf weiterhin mehr Bekenntnis zur Regionalität, denn jede Krise birgt auch ihre Chance für die Zukunft danach“.
In Lindberg sind Franz und Sieglinde Sackl eine sehr aktiver Züchterfamilie, für beide hat sich nicht viel geändert, die tägliche Arbeit im Stall und jetzt auch draußen muss erledigt werden, meist alleine erzählt Franz Sackl, auf ein Plauscherl am Feldrand mit den Nachbarn wird jetzt verzichtet. „Wir sind ein spezialisierter Milchviehbetrieb, pro Tag werden rund 1.500 Lt. Rohmilch produziert, es wird auch im Stall auf entsprechende Hygiene geachtet, so durchläuft die Milch von der Kuh bis in die Molkerei ein komplett geschlossenes System. Dies wird durch Melkroboter, automatische Kühlung am Hof und Absaugung durch den Tankwagen gewährleistet“. Da der Zuchtrinderabsatz derzeit kaum noch möglich ist, bedeutet dies für den Betrieb Sackl erhebliche finanzielle Einbußen und man befürchtet, dass für die Milch bald weniger bezahlt wird. „Bei Nutzrindern kann über die RZ Steiermark mit entsprechenden Auflagen vermarktet werden wobei auch hier schon Preisabschläge hingenommen werden müssen. Beim Milchabsatz läuft es in unserer Molkerei zurzeit noch normal wobei auch hier in nächster Zukunft Probleme zu erwarten sind, da schon einige Molkereien in Österreich über Absatzschwierigkeiten berichten und Auszahlungspreise an die Bauern massiv senken bzw. die Anlieferungen beschränken. Da stellt sich für uns schon die Frage bei sinkenden Erzeugerpreisen (Schlachtvieh, in nächster Zeit auch sicher Milch, der Handel hat schon wieder Schleuderaktionen mit Butter) ob die Konsumenten in der Krise weniger zum Essen brauchen (was wir nicht glauben) oder wird noch immer IMPORTIERT??“
Franz Sackl findet auch harte Worte: „Für uns Bauern ist es schon sehr deprimierend, wenn immer nur der Handel als die großen Helden der Nation in der Krise dargestellt werden. Ohne Bauern, die 365 Tage im Jahr ihre Arbeit machen müssen bzw. rund um die Uhr in Bereitschaft sein müssen, hätte auch der Handel nichts zum Verteilen. Da muss die Krise wohl noch besser zuschlagen damit es auch für die heimischen Bauern eine bessere Wertschätzung in der Öffentlichkeit gibt“.
Dieser Beitrag zeigt deutlich, dass die Landwirtschaft einerseits für die Lebensmittelsicherheit wichtig und notwendig ist aber auch, dass sich die Landwirte in unserer Region auch Sorgen um ihre finanzielle Sicherheit machen. Bei Beginn der Corona – Krise wurde immer wieder und vielerorts auf die regionale Versorgung mit den Lebensmitteln hingewiesen und lobend gewürdigt. Nun hoffen die Landwirte, dass diese positive Einstellung auch in Zukunft gelebt wird. Notwendig wird auch sein, dass die Verteilung der Förderungen und Ausgleichzahlungen überdacht wird, vor allem, dass auch Kleinbetriebe mehr von diesen Finanzmitteln erhalten.
Bauernstand bei Barbara Karlich Show: Bis kommenden Montag, 20.4. kann man in der ORF Videothek einen interessanten Beitrag über sehenswerte Beiträge von Landwirten und Landwirtinnen bei der Barbara Karlich Show um 16.00 Uhr auf ORF2 nochmals ansehen, ist sehenswert!


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