Rinderbauern wehren sich gegen Billigimporten von Rindfleisch
Information soll Gesellschaft und Gastronomie vom hochwertigen heimischen Rindfleisch überzeugen

Pressekonferenz zu Rindfleisch bei Kail in Murau, v.l. Josef Kail, Erika Güttersberger, Manfred Macheiner, Martin Hebenstreit, Katharina Bischof, Karin Pichler und die Partnerin von Josef Kail.
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  • Pressekonferenz zu Rindfleisch bei Kail in Murau, v.l. Josef Kail, Erika Güttersberger, Manfred Macheiner, Martin Hebenstreit, Katharina Bischof, Karin Pichler und die Partnerin von Josef Kail.
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MURAU. Für die Landwirtschaft, im Besonderen für die Rinderbauern in der Steiermark bzw. Österreich ist es eine Existenzfrage, ob ihre am Hof produzierten Produkte einen Absatz zum fairen Preis finden. Die Landwirtschaftskammer und die Bäuerinnen luden kürzlich zu einer Pressekonferenz in den Fleischerbetrieb Josef Kail in Murau ein. Rede und Antwort standen Kammerobmann Martin Hebenstreit, Bez.-Bäuerin Erika Güttersberger, die beiden Seminarbäuerinnen Karin Pichler und Katharina Bischof, Fleischermeister Josef Kail sowie sein Zulieferer Manfred Macheiner vom Betrieb Schader in Tamsweg. Anlass dazu war „Tag des Steirischen Rindfleisches“

Einige Eckdaten
In der Steiermark gestalten rund 10.500 Rinderbauern vom Ausseerland über das Mur- und Mürztal bis im Hügelland der Südsteiermark die Kulturlandschaft. Im Grünland und auf den Almen werden rund 320.000 Rinder gehalten. Der Durchschnittsbetrieb hält 30 Rinder und zählt somit zu den Klein- bis Mittelbetrieben. In den Rinderställen stehen rund 80.000 Milchkühe, 44.000 Mutterkühe mit ihren Kälbern und rund 10.000 Ochsen. Rund 30.000 Stiere werden in Maisanbaugebieten gehalten und mit Silage und Futtergetreide veredelt. Die Steiermark weist rund 223.000 ha Grünland auf, das sind rund 60 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche und 16 % der Gesamtfläche Steiermark. Die Grünlandflächen werden mit „Wiederkäuern“ wie Rinder und Schafen gepflegt, neben Ziegen, Pferden und Farmwild.
Laut Erhebungen der Statistik Austria beträgt der pro Kopf Verbrauch in Österreich bei Rindfleisch rund 12 kg, bei Schweinefleisch rund 37 kg und Geflügel bei rund 13 kg. Laut Erhebung 2014/15 wurden pro Monat und Haushalt für Rind- und Kalbfleisch 10,10 Euro ausgegeben, für Dienstleistungen für Schönheits- und Körperpflege 27,60, für Produkte im Bereich der Schönheits- und Körperpflege 30,50, für Kleidung 45 und für Restaurantbesuche 75 Euro.

Importfleisch belastet heimische Rinderbauern
Über 50 % des Rindfleischverbrauches wird „außer Haus“ verzehrt, sehr hoch ist der Anteil in der Gastronomie. Wenn in Österreich rund 105.000 Tonnen Rindfleisch für den menschlichen Verzehr gebraucht wird, so sind es für den „außer Haus“ Verzehr mehr als 52.000 Tonnen. Das um rund 20 % billigere, oftmals um bis zu 50 % billigere Importrindfleisch ist für die heimische Rinderwirtschaft ein Sorgenkind. Rindfleisch aus Südamerika (Brasilien), Neuseeland und Osteuropa dominieren bei den Importen. Von den Bauernvertretern wird seit langem eine Kennzeichnungspflicht für die Gastronomie auf der Speisekarte gefordert. KO Martin Hebenstreit wies im Pressegespräch darauf hin, dass große Mengen Rindfleisch importiert werden, über tausende Kilometer Transportwege zurücklegen und keiner weiß, wie es in diesen Ländern produziert wird, zu welchen Bedingungen die Tiere gehalten werden. Daher sei eine Herkunftskennzeichnung dringend notwendig, um die heimische Rinderwirtschaft zu schützen, die alle sehr hohe Produktionsstandards erfüllen und damit aber auch hohe Kosten zu tragen haben.

Regionale Anbieter
Bez.-Bäuerin Erika Güttersberger erwähnte, dass es im Bezirk Murau gut verteilt Direktvermarkter für Fleischprodukte gibt und einen Fleischerbetrieb in Murau, die ihre zur Schlachtung notwendigen Rinder/Schweine in der Region einkaufen. Somit wird auf das Tierwohl geachtet, weite Transportwege bleiben erspart und zudem bleibt die Wertschöpfung in der Region. In der Gesellschaft werde die Landwirtschaft auch gerne für den Klimawandel mitverantwortlich gemacht. Erika Güttersberger dazu: „Der CO2 Ausstoß in kg beträgt bei 1 kg Rindfleisch in Österreich produziert 14,23 kg, im EU Raum 22 kg und in Brasilien 80 kg. Hinzu kommt der CO2 Ausstoß durch bis zu 19.000 km Transportwege. Hier könne jeder Einzelne einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem er regionale Produkte einkauft“. Für Fleischermeister Josef Kail in Murau ist es vor allem wichtig, dass in seinem Geschäft nur regionale Produkte angeboten werden. In einem Fachgeschäft gibt es kein Fleisch aus Übersee oder sonst wo. „Unsere Stärke ist, dass wir aufrichtig und ehrlich sind vom Einkauf in der Region bis zur Vermarktung im Geschäft, so können wir unseren Lebensraum erhalten. Ein Rind hat nur 1 % Prozent Lungenbraten, so wird vieles zu anderen Fleischteilen veredelt, welches im Fachgeschäft angeboten wird", so Josef Kail. Manfred Macheiner arbeitet beim Fleischbetrieb Schader in Tamsweg, wo vom Einkauf bis zur Schlachtung auf das Tierwohl geachtet wird. Wichtig sei die ausreichende Reife im Kühlraum und bei der Verarbeitung. Für die Gastronomie bestünde nach seinen Worten das Problem, dass heimisches Rindfleisch für Beiried nicht in der von Konsumenten gewünschten Form möglich ist. Hier müsste ein Umdenken stattfinden, damit Fleischimporte über tausende Kilometer nicht notwendig sind, so Manfred Macheiner. Wichtig ist auch, dass Rindfleisch in der Küche richtig gekocht und aufbereitet wird. Die beiden Seminarbäuerinnen Karin Pichler und Katharina Bischof sehen ihre Aufgaben darin, ein Bindeglied zwischen Produzenten, Fleischhauern und Konsumenten zu sein. Es werden Kochkurse angeboten um die breiten Palette an Rindfleisch bestmöglich zu verarbeiten. Sie wünschen sich, dass Frauen wieder mehr selbst kochen, das Konsumenten Vertrauen in die Qualität der heimischen Produkte haben. Sie legen großen Wert darauf, dass saisonal und regional gekocht wird. KO Hebenstreit wies darauf hin, dass von den rund 1.200 Betrieben im Bezirk Murau 540 Biobetriebe sind und somit zu 100 % Gentechnikfrei füttern. Erika Güttersberger wies auch den gesundheitlichen Wert von Rindfleisch hin, es deckt viele notwendigen Mineralstoffe im Körper.

Qualität hat ihren Preis
Manfred Macheiner machte darauf aufmerksam, dass in den letzten 15 Jahren in Österreich 500 Fleischhauer ihren Betrieb geschlossen haben, da sie in der Preiskalkulation nicht mit dem Großhandel mithalten können. Materialeinkauf (Rind) und Personal sind die größten Kostenstellen. Für den Fleischhauer ist es wichtig, dass er seine Produkte selbst herstellt, in der Vitrine von Schader und Kail gib es eine Palette von 200 selbsterzeugten Produkten. Die Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie hänge weitgehend davon ab, ob der Konsument darüber Auskunft verlangt und vom Willen der Gastronomiebetriebe, anders würde es sich nicht lösen lassen, so Macheiner. Der Konsument habe es in der Hand, ob er billiges Fleisch, welches über Monate ohne Vakuumverpackung haltbar ist oder Qualitätsprodukte von regionalen Landwirten und Fleischhauern kauft. "Er entscheidet, ob es in Zukunft noch regionale Fleischhauer und Bäcker gibt. Der Kleine wird mit dem Großhandel mit dem Preis nicht mithalten können", so der Appell von Manfred Macheiner.
Hebenstreit bedauerte, dass man sehr wohl mit heimischen Milchkühen und schöner Landschaft Werbung betreibt, aber in den Regalen Produkte aus dem Ausland verkauft. Wenn Österreich bei Fleisch einen Versorgungsgrad von rund 140 % habe, seien Importe nicht notwendig.
Die Bäuerinnen sehen ihre Aufgabe darin, im Kontakt mit Kindern und insbesondere Frauen, den Wert für Gesundheit und der regionalen Wertschöpfung beim Kauf von heimischem Rindfleisch zu vermitteln. Wichtig sei , auf die Kennzeichnung zu achten, vor allem auf das AMA Gütesiegel. „Und wenn ich hochwertiges Fleisch kaufe und esse, brauche ich nicht so viel als wenn ich billiges einkaufe, dann habe ich den höheren Preis schon herinnen“, so die Bäuerinnen. 
"Wenn die aktuelle Klimadebatte ernst genommen werden würde, so wäre mit dem Kauf von heimischen Fleischprodukten und allen anderen Lebensmitteln dem Klima geholfen, der regionalen Landwirtschaft und den Nahversorgern in den Gemeinden," so Martin Hebenstreit bei der Pressekonferenz.
Agrarlandesrat Hans Seitinger sagt zum Thema: „Wer heimisches Rindfleisch kauft, verfügt über einen doppelten Heimvorteil. Zum ersten eine außergewöhnlich hohe Qualität und zum zweiten den Mehrwert einer gepflegten Kulturlandschaft“
Anita Galler

Pressekonferenz zu Rindfleisch bei Kail in Murau, v.l. Josef Kail, Erika Güttersberger, Manfred Macheiner, Martin Hebenstreit, Katharina Bischof, Karin Pichler und die Partnerin von Josef Kail.
Agrarlandesrat Hans Seitinger

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