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Altersdiskriminierung ist auf dem Vormarsch

Im Spätherbst des Lebens sehen sich viele alte Menschen mit Diskriminierungen verschiedenster Art konfrontiert.
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Ältere Mitbürger werden immer öfter zum Ziel von diskriminierenden Äußerungen. Auch das Pensionsthema trägt dazu bei.
„Das Wunder der Wertschätzung“, lautet der Titel eines Werkes des bekannten österreichischen Psychiaters, Psychotherapeuten und Neurologen Univ.-Prof. Prim. Dr. med. Reinhard Haller. Er trägt mit seinen Büchern dazu bei, sich selbst und andere besser zu verstehen. Zu seinen bekanntesten Werken zählen neben dem eingangs genannten „Die Macht der Kränkung“, Das ganz normale Böse“, „Nie mehr süchtig sein“, „Die Narzissmusfalle“ oder „Die Seele des Verbrechers“.

Altersdiskriminierung

In seinem Buch „Das Wunder der Wertschätzung“ spricht Buchautor Reinhard Haller unter anderem auch das Thema Altersdiskriminierung an. Ein heißes Thema mit hohem Wahrheitsgehalt. Denn zum Teil werden wirklich unwürdige Diskussionen über eine Überalterung unserer Gesellschaft, die Pensionen oder hohe Pflegekosten für ältere Menschen geführt. Altersdiskriminierung komme laut Haller wesentlich häufiger vor als zum Beispiel Sexismus oder Rassismus. Das sollte zu denken geben. Sexismus und Rassismus sind in der Öffentlichkeit aufgrund verschiedenster aktueller Vorfälle und solcher aus der Vergangenheit stark präsent. Tätern drohen empfindliche Strafen, nicht zuletzt deshalb, weil hier eine Sensibilisierung in der Gesellschaft stattgefunden hat und weil die Gesetze demnach verschärft wurden. Der Schutz alter Menschen wird vom Gesetzgeber aber nach wie vor sträflich vernachlässigt, weshalb es zu immer mehr Fällen von Altersdiskriminierung kommt. Besonders sichtbar wird das in letzter Zeit auch bei der Pensionsdebatte. Den Alten wird dabei schon fast die Lebensberechtigung abgesprochen und ein schlechtes Gewissen eingeredet, wenn sie sich im Alter noch guter Gesundheit erfreuen und auch noch etwas gönnen möchten. Jüngst war sogar in einer Tageszeitung zu lesen dass jemand ernsthaft den Entzug des Wahlrechts ab 70 Jahren in die Diskussion einwirft. Ein maligner, menschenverachtender Denkansatz, der nach psychologischer Hilfe verlangt. Der Nächste kommt daher und sagt womöglich, dass es unanständig ist, so alt zu werden und noch leben zu wollen. Das ist Altersdiskriminierung in Reinkultur!

Verherrlichung der Jugend

Mit der ständigen Verherrlichung der Jugend geht mehr und mehr auch die Achtung vor dem Alter verloren. Damit verbunden ist eine schleichende Entwertung alter Menschen, die von den Jüngeren lange Zeit immer geachtet und respektiert wurden. In vielen Kulturen ist das heute noch so. Man schätzt das Wissen, die Erfahrung und die Weisheit des Alters und die Gesellschaft zieht daraus auch ihren Nutzen. In unserer leistungsdominierten Welt mit zunehmend materialistischen Wertvorstellungen werden Schwache und Alte aber immer mehr an den gesellschaftlichen Rand gedrängt. Der Jugend- und Schönheitswahn wird besonders in der Werbung sichtbar und auch die Veränderungen in der Arbeitswelt verändern die Sichtweise auf das Alter. Interessant ist in diesem Zusammenhang aber, dass von Älteren gleichzeitig eine noch längere Dauer ihres Arbeitslebens eingefordert wird, während sie andererseits bereits ab 55 Jahren in vielen Bereichen der Wirtschaft als zu alt angesehen werden. In einem wirtschaftlichen Umfeld, das aufgrund des globalen Wettbewerbs und im Sinne von immer brutaleren Gewinnoptimierungsmaßnahmen zum Wohle einiger weniger immer rücksichtsloser zu werden scheint, gehen ethische und moralische Werte im stürmischen Meer der Profitgier unter.

Beste Voraussetzungen

Das Gejammer der jungen Generation und hier besonders der sogenannten Millenials ist nicht ganz nachvollziehbar. Sie klammern in ihrer egoistischen Denkweise großzügig aus, wem sie ihren heutigen Wohlstand zu verdanken haben. Nämlich jenen, die jahrzehntelang brav ihre Beiträge ins Sozialsystem einbezahlt haben. Viele davon über 45 Jahre lang und länger! Gerade viele Millenials sind bei uns in Österreich auf die Butterseite gefallen. Ihnen wurde von ihren Eltern und Großeltern alles zum A . . . getragen. Wahrscheinlich war das der größte Fehler, den die heute Alten gemacht haben, denn damit sind die Ansprüche ihrer Kinder bereits in frühen Jahren so hoch geschraubt worden, dass vieles, was für die heute Alten in jungen Jahren noch undenkbar, unerreichbar oder einfach nicht leistbar war, heute als selbstverständlich gilt. Auch wenn man selbst noch gar nicht in der Lage ist, diesen Wohlstand zu finanzieren. Wenn der Ökonom Lukas Sustala aus dem Kreise der Millenials dann gar feststellt, „zu spät zur Party gekommen“ zu sein und sagt, „die Herrschaft der Alten ist eine Gefahr“ und im gleichen Atemzug eine „entschlossene Politik für Junge“ fordert, dann könnte man als Vertreter der älteren Generation genau das Gegenteil behaupten bzw. fordern. Beides ist aber nicht zielführend und trägt nur zu einer weiteren Polarisierung zwischen Jung und Alt bei.

Da liegt der Hund begraben

Das Problem sind nicht die vergleichsweise geringen Mehrkosten für abschlagsfreie Pensionen, sofern die Aspiranten die Voraussetzungen dafür überhaupt erfüllen. Auch das Pensionsantrittsalter für Männer, die bei Erfüllung der Vorgaben im Alter zwischen 62 und 65 Jahren in Pension gehen, ist nicht das Problem. Die Interessen der Jungen und berechtigte Anliegen der jungen Generation bleiben nicht deshalb auf der Strecke, weil die Alten zu früh in Pension gehen oder im Alter zu viel kosten. Vielmehr sollte man sich anschauen, zu welchen Bedingungen und um welches Geld junge Leute – auch Akademiker und gut ausgebildete Fachkräfte - heute arbeiten müssen. Dafür reicht bei manchen nicht mehr das Einkommen aus einem Job. Alleinverdiener gehören in Familien ohnehin längst zu einer aussterbenden Art. Gehen beide Partner einem Beruf nach, bleiben wiederum die Kinder oder Pflegebedürftige in einer Familie auf der Strecke, was enorme Kosten für die Allgemeinheit nach sich zieht. Damit Menschen im besten Alter optimal funktionieren und im Job Höchstleistungen erbringen können, muss alles, was dabei stört, aus dem Weg geräumt werden. Den Profit aus den pervertierten Regeln unseres Wirtschaftssystems streifen meist Spekulanten an der Börse ein. Auch Megakonzerne, die sich erfolgreich vor Steuerleistungen drücken, tragen zu den Finanzlücken im Staatshaushalt bei. Holen will man sich das fehlende Geld bei den Kleinen, weil man den Großen offenbar nicht beikommt. Es regiert im Prinzip das Faustrecht. Der Stärkere schlägt den Schwächeren. Jetzt müssen eben die Alten herhalten.

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Liebe Leserinnen und Leser. Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie mir Ihre Meinung dazu unter wolfgang.pfister@murtaler.at

Autor:

Wolfgang Pfister aus Murtal

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