Interview der Woche
Hermann Hartleb und die Landespolitik

Sieben Jahre lang war Bürgermeister Hermann Hartleb als Abgeordneter im Steiermärkischen Landtag tätig.
  • Sieben Jahre lang war Bürgermeister Hermann Hartleb als Abgeordneter im Steiermärkischen Landtag tätig.
  • hochgeladen von Wolfgang Pfister

MURTAL. Hermann Hartleb, Jahrgang 1953, startete seine politische Karriere bei der Jungen ÖVP. Ab 1985 gehörte er dem Gemeinderat von St. Georgen ob Judenburg an. 1999 wurde er zum Bürgermeister gewählt. Seither zeichnet er an der Spitze für die Entwicklung der Gemeinde verantwortlich. Darüber hinaus ist Hermann Hartleb auch Bezirksobmann der ÖVP im Bezirk Murtal und Obmann der Landentwicklung Steiermark. Im Jahr 2012 hat er als Landtagsabgeordneter die Nachfolge von Peter Rieser angetreten. Am 24. April 2012 wurde Hermann Hartleb im Steiermärkischen Landtag angelobt. Seine erste Rede im Landtag hielt er am 19. Juni 2012. Thema: „Bericht über Entwicklungen in der Europäischen Union“. Im Regionalvorstand der Regionalmanagement Obersteiermark West GmbH ist Hartleb als Stellvertreter der Vorsitzenden Gabriele Kolar tätig.Hermann Hartleb ist in erster Ehe geschieden (2002) und hat danach in Waltraud Cecon seine Lebenspartnerin gefunden. Hartleb hat zwei Söhne und vier Enkelkinder. Ursprünglich hat er den Beruf eines Bäckers und Konditors erlernt und diesen mit der Meisterprüfung abgeschlossen. Danach ist er ins Versicherungsgeschäft eingestiegen und ist bis heute als selbstständiger Versicherungsmakler tätig.
Wir haben Hermann Hartleb nach der Übergabe seines Landtagsmandates um ein Interview gebeten.
Murtaler Zeitung: Sie haben Ihr Landtagsmandat auf eigenen Wunsch an Ihren Nachfolger Friedrich Reisinger aus dem Mürztal übergeben. Was hat Sie dazu bewegt? Hermann Hartleb: Es waren gesundheitliche Gründe. Egal, was ich gemacht habe. Meine Einstellung war immer: ordentlich oder gar nicht. Die Zusammenlegung der Bezirke Judenburg und Knittelfeld hat natürlich auch für uns Mandatare ein Mehr an Arbeit gebracht. Allein, wenn ich an das Vereinswesen denke. Das kostet natürlich Substanz.
MZ: Sie haben Ihr Mandat als Landtagsabgeordneter im Jahr 2012 von Ihrem Vorgänger Peter Rieser übernommen und waren nun sieben Jahre lang Abgeordneter zum Steiermärkischen Landtag. Blicken Sie gerne auf diese Zeit zurück? Hartleb: Ich blicke sehr gerne auf diese Zeit zurück. Es war anstrengend, aber auch sehr positiv. Bei meinem Antreten galt das Motto: Schulterschluss beim Auftritt für die Region. Ich habe mit allen Verantwortungsträgern gut zusammengearbeitet, über das Parteipolitische hinaus. Es ist da nie politisches Kleingeld gewechselt worden und wir haben uns während dieser Zeit gegenseitig auch nie etwas über die Medien ausgerichtet, sondern im persönlichen Gespräch die Dinge sachlich geklärt. Auch wenn es oft sehr unterschiedliche Zugänge und Meinungen zu einzelnen Themen gegeben hat. Wir haben stets das Gemeinsame vor das Trennende gestellt. Beispielsweise beim Ausbaustopp der S 36. Mit gemeinsamer Anstrengung ist es dann doch noch gelungen, einen Ausbau im Murtal umzusetzen. Auch die erfolgreiche Bezirkszusammenlegung und die Gemeindestrukturreform konnte nur durch die gemeinsamen Bemühungen gelingen. Die Kriterien dafür wurden anhand eines Punkteplans festgelegt. Nach diesem wurde objektiv über Zusammenlegung oder Eigenständigkeit entschieden.
MZ: Was waren die bewegendsten Momente, woran erinnern Sie sich gerne? Hartleb: An den Spatenstich für den Ausbau der S 36 in St. Georgen ob Judenburg im April 2013 und an die Eröffnung der Teilstrecke im November 2015. Das hat mich sowohl als Landtagsabgeordneter als auch als Bürgermeister besonders bewegt, weil da wirklich viel Herzblut mit dabei war. Bei meiner Arbeit im Landtag bleibt mir positiv in Erinnerung, dass die Sachpolitik und der Mensch im Vordergrund gestanden sind und nicht nur die Parteipolitik. Auch, dass das Kirchturmdenken vermehrt einem regionalen Denken und einer Bereitschaft zur Zusammenarbeit gewichen ist. Maßgeblich dafür war auch das Regionalentwicklungsgesetz, das mit 1. 1. 2018 in Kraft getreten ist.
MZ: Woran erinnern Sie sich nicht so gerne? Was bleibt negativ in Erinnerung? Hartleb: Das Landtagswahlergebnis 2015, weil Voves und Schützenhöfer zwischen 2010 und 2015 wirklich gute Arbeit für das Land geleistet haben und bei der Wahl wegen der Flüchtlingskrise, für die sie nichts konnten, abgestraft worden sind. Mandatsverschiebungen und die Verkleinerung des Landtags haben das Zusammenarbeiten in der Koalition erschwert.
MZ: Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit dem Koalitionspartner SPÖ in der Steiermark empfunden? Hartleb: Sehr, sehr positiv. In der gesamten Steiermark, im Landtag, aber vor allem hier bei uns im Murtal. Es hat da einen echten Schulterschluss und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe gegeben. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass es zwischen mir und Gabriele Kolar Handschlagsqualität gegeben hat. Die Zusammenarbeit hat sowohl menschlich als auch sachlich sehr gut funktioniert.
MZ: Hat die Reformpartnerschaft, die in der Steiermark zur Zukunftspartnerschaft mutiert ist, vor dem Hintergrund einer türkis-blauen Bundesregierung Ihrer Meinung nach noch Zukunft? Hartleb: Es ist schwieriger geworden. Aber das Ganze ist bis 2020 gewählt und ich sehe diese Form der Zusammenarbeit nach wie vor positiv.
MZ: In Ihre Ära als Bürgermeister fällt auch der Bau der Unterflurtrasse in St. Georgen. Der Ort war über drei Jahre lang eine Großbaustelle. Damit verbunden waren enorme Kosten. Wovon hat die Gemeinde bei diesem Projekt am meisten profitiert? Hartleb: Beim Ortsbild, beim Hochwasserschutz und durch den Bau des neuen Feuerwehrrüsthauses. Die hier lukrierten Vorteile gehen mit einer gestiegenen Lebensqualität für die Bevölkerung einher. Zwei Betriebe im Ortskern haben zudem in ihr Geschäft investiert.
MZ: Sie sind seit 1999 Bürgermeister. Eine lange Zeit. Wie lange wollen Sie dieses Amt noch ausüben? Hartleb: Auf alle Fälle möchte ich diese Periode fertigmachen. Im Frühjahr werde ich dann entscheiden, ob ich bei der nächs-ten Wahl wieder kandidiere. In erster Linie wird das von meiner gesundheitlichen Stabilität abhängen.
MZ: Die Vermutung liegt nahe, dass Ihnen auch in der drohenden Politikerpension nicht langweilig wird. Welchen Dingen werden Sie sich im Unruhestand verstärkt widmen? Hartleb: Meiner Familie und meinen Haflingerpferden. Immer, wenn mich etwas anzipft, geh i' zu die Ross. Stolz bin ich auch darauf, dass ich als Züchter heuer das Siegerfohlen beim Haflinger-Championat in Stadl-Baurau (OÖ) gestellt habe. Dem Garten werde ich auch mehr Augenmerk schenken.

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