02.11.2016, 14:12 Uhr

"Ans Aufhören habe ich nie gedacht"

Hereinspaziert: Gerhard Grillitsch vor dem "Rösslwirt". Foto: Verderber

Gasthaus-Sterben alarmiert Wirtschaftskammer - beim "Rösslwirt" in Obdach gibt es keine Spur davon.

OBDACH. Man kann ihn getrost als Wirt mit Leib und Seele bezeichnen. Gerhard Grillitsch führt den Rösslwirt in Obdach, auch bekannt als Gasthof Grillitsch, seit fast 20 Jahren in dritter Generation. Den Traditionsgasthof gibt es überhaupt schon seit 1796 am selben Ort. Nach Stationen in der Schweiz, Island, Norwegen und auf mehreren Kreuzfahrtschiffen hat Grillitsch im Jahr 1999 von seinem Vater übernommen.

Ernüchternd

Seit dieser Zeit hat sich im Gastgewerbe viel geändert, die Herausforderungen sind vielfältiger geworden. Das hat die Wirtschaftskammer Steiermark in einer Umfrage unter 250 Traditionsbetrieben erheben lassen. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Seit 2000 gibt es um 26,2 Prozent weniger Gasthäuser und um 25,6 Prozent weniger Gasthöfe. Dagegen sind die Betriebsarten Restaurant (+41,5 Prozent) und Kaffeehaus (+21,7 Prozent) erheblich gestiegen. „Das belegt, dass gerade traditionelle Betriebe in der Gastronomie einige schwerwiegende Herausforderungen zu bewältigen haben“, betonen die beiden Fachgruppenobleute von Gastronomie und Hotellerie, Barbara Krenn und Hans Spreitzhofer.

Bürokratie

Für sie ist die Mehrzahl an Cafés vor allem auch mit der Zunahme an Franchisenehmern und Migrantenbetrieben zu erklären. Alarmierend ist die Tatsache, dass knapp zwei Drittel der befragten Wirte keinen Gastro-Betrieb mehr gründen würden. Geschuldet ist dieser Frust hauptsächlich der zunehmenden Bürokratie.

Mehraufwand

„Die Registrierkassen sind nicht das Problem. Aber es gibt grundsätzlich einen Mehraufwand, dadurch bleibt weniger Zeit für die Gäste“, sagt Grillitsch. Zudem haben sich die Gewohnheiten verändert - es habe sich vieles in Richtung Wochenende verlagert.

"Gäste kommen wieder"

Trotz aller Herausforderungen: „Ans Aufhören habe ich noch nie gedacht“, sagt Gerhard Grillitsch. Auch wenn es immer schwieriger werde, geeignete Fach- und Aushilfskräfte zu finden. Grillitsch: „Glücklicherweise haben wir viel Stammpersonal.“ 14 Angestellte sind im Gasthof Grillitsch derzeit beschäftigt. Derzeit sind die Wildwochen im vollen Gang und das Gastzimmer quillt fast über. „Die Obdacher sind gute Gäste, die schätzen die Qualität. Sie sagen es zwar nicht immer, aber sie kommen wieder“, lacht Grillitsch.
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