24.11.2016, 17:28 Uhr

Der Weg ihres Lebens

Alejandra Maria (rechts) mit Dr. Rainer Walland und Alice Galler nach einer musikalischen Einlage im Rahmen des Vortrages. Foto: Pfister

Alejandra Maria erzählte im Schloss Feistritz ihre beeindruckende Lebensgeschichte. Die gebürtige Kolumbianerin hat in St. Peter am Kammersberg eine neue Heimat gefunden.

„Mein Weg von Kolumbien nach St. Peter am Kammersberg“. Unter diesem Titel lud die begnadete Musikerin Freunde und Unterstützer ein, um ihnen ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Hinterlegt mit Fotos und Filmdokumenten, gewährte die ebenso hübsche wie sympathische, weltoffene Alejandra sehr tiefe Einblicke in ihr Privatleben. Von ihrer Mutter Consuelo Gallego de Torres, die den klassischen Tanz liebte, ihrem Vater José Oscar Torres Arango, der ein berühmter Stierkämpfer war und sich später als Lehrer auch der Musik verschrieben hat, ihrem Bruder, der ebenso wie sie eine internationale Musiker-Karriere gemacht hat und auch auf dem Weg nach Europa an ihrer Seite war.
Alejandra Maria wurde am 18. September 1979 in Manizales (Kolumbien) als Alejandra Maria Torres Gallego geboren und wuchs im Schoß einer großen Familie auf. Ihre Großeltern hatten 26 Kinder! Mit drei Jahren hat sie begonnen Violine zu spielen. Bereits als Kind wurde das große Talent der heute so virtuosen Geigerin sichtbar. Alejandra erzählte von ihrem Kindheitstrauma, als der Vulkan Nevado del Ruiz auch ihr Leben und das ihrer Familie bedrohte. Nach dem Ausbruch im Jahr 1985 wurde die Stadt Armero zerstört. Ein Lahar des Vulkans brachte rund 25.000 Menschen den Tod. Besondere Aufmerksamkeit bekam die damals 12-jährige Omayra Sánchez, die drei Tage lang in einer Schlamm- und Schuttgrube feststeckte und deren Todeskampf weltweit in den Medien mitverfolgt wurde. Sie gab dieser Tragödie ein Gesicht. - Manizales, die Heimatstadt von Alejandra, wurde weitgehend verschont.
Doch das Leben ging weiter und Alejandra überraschte die Musikwelt weiterhin mit ihrem Können. So auch 1990, als Neunjährige, beim ersten Probespiel im Orchestra de Camera de Caldas.

Eltern förderten ihr Talent

„Meine Eltern haben alles dafür getan, dass ich und mein Bruder weiter Musik machen konnten“, so Alejandra. Deshalb zog die Mutter mit den Geschwistern in die Hauptstadt Bogota, während der Vater in Manizales blieb. Alejandra Maria war damals gerade einmal zehn Jahre alt. „Es war eine schwierige Zeit in einer großen, gefährlichen Stadt“, erinnert sich Alejandra, die dort die Universität besucht hat. Sie gewann viele bedeutende Musikwettbewerbe und erhielt bald Engagements in den größten Konzertsälen des Landes. Videoaufnahmen zeigen sie und ihren Bruder Oscar D'Alberto Torres Gallego bei gemeinsamen Auftritten.
Ein Meilenstein war der nationale Wettbewerb von SONY MUSIC in Kolumbien, den sie im Jahr 1997 als klassische Geigerin gewonnen hat. Das war ihr Ticket ins Ausland und brachte ihr neben einem Geldpreis auch ein Stipendium ein.
Im Jahr 1999 kam Alejandra erstmals nach Europa. Ihr erster Aufenthaltsort war die Alpenstadt Innsbruck. Dort lebte sie zweieinhalb Jahre lang, bevor sie nach Wien übersiedelte und ihrem großen Ziel, einem Engagement bei den Wiener Philharmonikern, näherkam. Als junge Frau lernte sie natürlich auch die Freiheit und Sicherheit in Österreich zu schätzen. Ihre Aufnahmeprüfung an der Uni Wien schaffte sie mit Bravour. Ihr erstes Engagement erhielt sie bei den „Wiener Bachsolisten“. Während dieser Zeit in Wien fand sie bei einer sehr lieben Gastfamilie Aufnahme. „Sie waren meine zweiten Eltern“, erzählt Alejandra.

Bei den Wiener Philharmonikern

Im Jahr 2001 fand sie mit jungen 22 Jahren Aufnahme bei den berühmten Wiener Philharmonikern, die bis heute von Männern dominiert sind. In den darauffolgenden Jahren erfolgten mit dem Orchester Auftritte in den bekanntesten Konzertsälen der Welt. Ihre letzte Tour mit den Wiener Philharmonikern absolvierte Alejandra Maria im Jahr 2009. Im Oktober dieses Jahres verstarb auch ihr Vater. Mit seinem Tod endete auch ihre Zeit als klassische Violinistin. Zwei Jahre lang rührte sie keine Geige an. Unterdessen hatte sie in Wien den weltberühmten Bassisten Juan Garcia-Herreros, der ebenfalls aus Kolumbien stammt, kennengelernt. Mit ihm hat sie wieder zu ihren musikalischen Wurzeln gefunden.

In St. Peter am Kammersberg

Hier hat Alejandra Maria eine neue Heimat und viele gute Freunde gefunden. Alejandra weist immer wieder auf die großartige Hilfe und Gastfreundschaft, die sie in Österreich erfahren durfte, hin. Insbesondere in ihrer jetzigen Wahlheimat St. Peter am Kammersberg, wo ihr viel Herzenswärme entgegengebracht wird. Alejandra ist eine große Persönlichkeit, die das Leben der beschaulichen Landgemeinde ungemein bereichert. Trotz ihrer beeindruckenden Karriere wirkt sie nicht abgehoben. Nach oft schwierigen und ruhelosen Jahren hat Alejandra hier ihren Ruhepol gefunden und dankt allen für die herzliche Aufnahme.
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