01.09.2016, 11:07 Uhr

Steirer statt Wiener Parkett

Max Lercher: "Ich laufe nicht vor offenen Baustellen davon". Foto: Gentile

Max Lercher über seine Entscheidung für die Steiermark, Ein-Euro-Jobs und die Forderung nach dem Mehrheitswahlrecht.

MURAU. Nach einem turbulenten ersten Halbjahr meldet sich Max Lercher zurück aus der Sommerpause. Neo-Bundeskanzler Christian Kern wollte ihn eigentlich als Bundesgeschäftsführer nach Wien holen. Innerhalb der SPÖ will Lercher in der Steiermark „Zukunft neu denken“. Wir sprachen mit ihm über ...

... seinen Verbleib in der Steiermark: „Das Angebot hat mich sehr geehrt, es hätte mich auch gereizt. Aber ich habe in der Steiermark noch genug zu tun und ich laufe nicht vor offenen Baustellen davon. Wien ist ein anderes Parkett, da sind schon einige Leute nervös geworden. Letztlich lag die Entscheidung auch bei Bundeskanzler Kern und ich werde meinen Beitrag in der Steiermark leisten.“

... sein Beteiligungsprogramm: „Wir müssen parteiintern die Zukunft neu denken und draußen bei den Menschen sein. Wir wollen mit unserer Mitgliederbefragung und unseren Stammtischen Vorreiter sein.“

... Themen, die die Menschen derzeit bewegen: „Zuwanderung und Arbeitslosigkeit. Das Thema Asyl brennt nach wie vor - da spielen viele Ängste mit. Es geht um die allgemeine Entwicklung.“

... Asyl: „Wir haben mit der Notverordnung eine klare Rechtslage. Das ist eine gute Grundlage für unser politisches Handeln und gibt Sicherheit. Die Welt ist global vernetzt und wir können uns davon nicht entkoppeln. Wir brauchen Lösungen auf EU-Ebene.“

... Ein-Euro-Jobs: „Das ist ein Blödsinn, das würde unseren Arbeitsmarkt ruinieren. Wir brauchen stattdessen klare Regeln für das Zusammenleben im Rahmen eines Integrationsgesetzes, da hat der Minister recht.“

... Asylwerber in seiner Heimat St. Peter am Kammersberg: „Ich wohne nur ein paar Meter Luftlinie entfernt. Daher weiß ich, dass das Zusammenleben gewährleistet ist. Sollte etwas vorfallen, muss schnell reagiert werden!“
... die Airpower: „Diese Veranstaltung bringt Touristen und Wertschöpfung - da kann man nur dafür sein.“

... die Sozialistische Jugend als Gegner der Airpower: „Es steht mir nicht mehr zu, darüber zu urteilen. Auch ich hatte als SJ-Chef einen anderen Blick darauf. Es steht aber jedem frei, gescheiter zu werden. Ich bin jedenfalls froh, dass wir die Airpower haben.“

... Terrorgefahr: „Das muss man sehr ernst nehmen. Unsere Polizei ist super aufgestellt. Wir dürfen uns nicht von der Angst treiben lassen, sonst ist unsere persönliche Freiheit gefährdet.“

... die Zukunft des LKH Stolzalpe: „Es gibt ein ausgezeichnetes Konzept für die Zukunft vom LKH selbst. Wir brauchen im Bezirk optimale Rahmenbedingungen für die ärztliche Versorgung. Da werden wir einen guten Weg finden und die Gesundheitsreform schnellstmöglich umsetzen. Da und dort gibt es berechtigte Kritikpunkte.“

... die Angst vor Schulschließungen: „Derzeit besteht kein Grund zur Sorge. Das Land wird da nicht drüberfahren, sondern gemeinsam mit allen Betroffenen besprechen. Man muss sinnvolle Lösungen erarbeiten und neue Synergien suchen.“

... das Mehrheitswahlrecht: „Ich bin für ein minderheitenfreundliches Mehrheitswahlrecht. Man muss die Demokratie weiterentwickeln, da sollten wir uns drübertrauen. Schließlich hat sich die politische Landschaft verändert.“

... Verkehr: „Die S-Bahn nach Unzmarkt ist nur ein erster Schritt - das muss man weiterentwickeln. Wir brauchen das flächendeckend für die gesamte Obersteiermark und eine Achse nach Klagenfurt. Wichtig ist auch der Lückenschluss auf der Straße zwischen Judenburg und Scheifling. Wir werden weiter für jeden Cent kämpfen.“

... die Parteienlandschaft: „Man muss die alten Apparate aufbrechen und neue Wege gehen. Wir müssen uns da viel mehr öffnen. Demokratie muss lebbar sein. Auch parteiübergreifende Geschichten müssen möglich sein, wenn wir das Land vorwärts bringen wollen.“

Zur Person

Max Lercher ist 29 Jahre alt und kommt aus St. Peter am Kammersberg im Bezirk Murau.
Politische Laufbahn: Lercher engagierte sich schon früh in der Sozialistischen Jugend (SJ) und war dort ab 2008 auch Landesvorsitzender. Seit 2010 für die SPÖ im Landtag, seit 2012 Reformkoordinator, seit 2014 jüngster Landesparteigeschäftsführer der SPÖ.
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