Neuer Name für Park am Spittelberg
Neubau gedenkt jüdischer Künstlerin Vally Wieselthier

Neubaus Bezirksvize Isabelle Uhl, Kultursprecherin Ursula Berner, Bezirksvorsteher Markus Reiter und Bezirksrätin Anna Babka (v.l., alle Grüne) bei der Eröffnung am Spittelberg.
8Bilder
  • Neubaus Bezirksvize Isabelle Uhl, Kultursprecherin Ursula Berner, Bezirksvorsteher Markus Reiter und Bezirksrätin Anna Babka (v.l., alle Grüne) bei der Eröffnung am Spittelberg.
  • Foto: BV7
  • hochgeladen von Andrea Peetz

Am Neubau, genauer gesagt am Spittelberg, gibt es jetzt den Vally Wieselthier-Park. Das kleine Grün wurde nach einer jüdischen Keramikerin und Designerin benannt.

WIEN/NEUBAU. Der kleine Park am Ende der Stiftgasse, gleich bei der Burggasse, musste bisher ohne Namen auskommen. Jetzt wurde die Fläche in Vally-Wieselthier-Park umbenannt. Der Antrag dafür, initiiert von der ÖVP, wurde von der Bezirksvertretung einstimmig beschlossen.
 
"Frauenpersönlichkeiten mit Kunst und Kultur zu verbinden ist uns ein großes Anliegen. Durch die Benennung des Parks bekommt dieses Grätzel noch mehr Aufmerksamkeit", sagt Neubaus ÖVP-Klubobfrau Christina Schlosser dazu. "Es ist uns wichtig, dass Frauen, Jüdinnen und Juden im Bezirk sichtbar gemacht werden, da Neubau bis 1938 – nach der Leopoldstadt – der Bezirk war, in dem die meisten Jüdinnen und Juden lebten." 

Christina Schlosser und Bianca Taschner von der ÖVP Neubau haben sich erfolgreich für den neuen Namen eingesetzt.
  • Christina Schlosser und Bianca Taschner von der ÖVP Neubau haben sich erfolgreich für den neuen Namen eingesetzt.
  • Foto: ÖVP Neubau
  • hochgeladen von Christine Bazalka

In Wien ist im öffentlichen Raum die Repräsentation von Frauen gemessen an ihrem Anteil an der Gesellschaft gering. „Die Bezirksvorstehung hat seit jeher großes Interesse, dieses Missverhältnis zu verändern. An manchen Stellen ist das im Bezirk schon gelungen: der Marianne Fritz Park, der Dorothea Neff Park, der Ceija Stojka Platz und auch der Jenny Steiner Weg sind Beispiele, wie auch innerstätisch Frauen in den Stadtplan und damit in den öffentlichen Raum eingeschrieben werden können. Liane Augustin konnte durch eine Zusatztafel dem Augustinplatz zugeordnet werden“, so Bezirksvorsteher Markus Reiter (Grüne).

Jetzt kommt ein weiterer Park dazu – zu Ehren von Vally Wieselthier. Wieselthier hat in der Neustiftgasse 32 als erste Frau die Keramikabteilung der Wiener Werkstätte geleitet. Insgesamt erinnern jetzt übrigens drei Standorte im siebten Bezirk an sie: neben dem Park in der Stiftgasse noch der Erinnerungsteppich am Augustinplatz – ein in den Asphalt gefrästes Muster – und ihre berühmten Porzellanköpfe im Leopold Museum. 

Die Künstlerin Vally Wieselthier neben einer ihrer Keramiken im Contempora Studio in New York.
  • Die Künstlerin Vally Wieselthier neben einer ihrer Keramiken im Contempora Studio in New York.
  • Foto: Wikimedia
  • hochgeladen von Christine Bazalka

„Straßennamen und Ortsbezeichnungen sind Teil des kollektiven Gedächtnisses. Wer hier genannt wird, bleibt in der Erinnerung. Wer hier genannt ist, wird als relevant für die Stadt und ihre Geschichte wahrgenommen. Wer nicht genannt wird, wird vergessen. Frauen machen rund 53 Prozent der Gesellschaft aus – sie sind Künstlerinnen, Wissenschafterinnen, Geschäftsfrauen, Politikerinnen, Ärztinnen, Schauspielerinnen. Trotzdem finden wir im Stadtplan wenige Frauennamen. Sie wurden einfach vergessen. Der neue Park leistet einen Teil zur Sichtbarmachung von Frauen. Alle kleinen Mädchen, die aus der benachbarten Volksschule herauskommen, lesen den Namen und haben ein Vorbild: Eine Frau, eine Keramikerin kann etwas schaffen und berühmt werden“, so Kultursprecherin Ursula Berner (Grüne).

"Schamlose Kunst" von Vally Wieselthier

1895 in Wien geboren, verfolgte Vally Wieselthier gegen den Willen ihrer Familie ihre künstlerischen Ambitionen und besuchte zuerst die Kunstschule für Mädchen und Frauen und studierte später an der Kunstgewerbeschule, wo Kolo Moser und Josef Hoffmann zu ihren Lehrkräften zählten.

Zwischen 1917 und 1922 wirkte sie, engagiert von Hoffmann, als freie Mitarbeiterin in der Wiener Werkstätte und fertigte Gebrauchskeramik, Kleinfiguren und Kopfplastiken an. 1922 bis 1927 betrieb sie eine eigene Keramikwerkstätte und arbeitete mit der Porzellanmanufaktur Augarten, aber auch anderen Firmen wie Goldscheider, Lobmeyr oder Gmundner Keramik zusammen. Ihre Keramiken galten als typische Beispiele des Art Déco-Stils, wobei manche Entwürfe in ihrer Zeit als "schamlos" oder "frivol" galten. Dazu zählen etwa Werke wie "Praterstrizzi mit Dirne", "Bacchantin" oder "Varietétänzerin". Darüber hinaus arbeitete sie auch mit Glas und Stoff, widmete sich der Graphik und entwarf Tapeten.

1927 kehrte die Keramikerin als künstlerische Leiterin der Keramikabteilung an die Wiener Werkstätte zurück, die in der Neustiftgasse 32 beheimatet war. Die Künstlerin nahm an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teil. 1925 fand Wieselthiers Werk auf der Pariser Exposition internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes internationale Anerkennung und wurde prämiert.

1932 verlagerte sie ihren Wirkungskreis nach New York und eröffnete dort ein eigenes Atelier. Besonderen Anklang fanden ihre teils überlebensgroßen Figuren, für die eine expressive Bemalung typisch war. Mit ihren Arbeiten erlangte sie in den USA erstaunliche Berühmtheit und nahm wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der amerikanischen Keramikproduktion. Ab 1940 arbeitete sie mit General Ceramics in New Jersey und anderen Firmen zusammen.

Das könnte dich auch interessieren:

Park wird nach Künstlerin Vally Wieselthier benannt
Neuer Namen für zwei Parks und einen Platz im 2. Bezirk
4 2

Gewinnspiel Wien Urlaub
1 Nacht für 2 Personen im Hilton Vienna Park plus WienPackage gewinnen!

Bei uns bekommst du wertvolle und interessante Nachrichten aus deiner näheren Umgebung, bist immer top über Veranstaltungen im Bezirk informiert und findest attraktive Gewinnspiele. Sei auch du näher dran und sichere dir die wichtigsten Infos aus deiner Region mit dem meinbezirk.at-Newsletter. Lerne Wien als WienerIn neu kennen!Wer schon immer einmal Wien durch die Augen eines Touristen erleben wollte, der bekommt mit unserem Gewinnspiel dazu die Möglichkeit. Abseits von Berufs- und...

2

Wohin in Wien?
Täglich neue Freizeit-Tipps für Wien mit unserer INSPI-App

Wie kann man aus dem Hamsterrad ausbrechen, wenn bereits alle Ideen ausgeschöpft wurden? Wenn du Abwechslung suchst, dann lass dich täglich aufs neue INSPIrieren, denn Wien hat wirklich viel zu bieten. Was machen in Wien?Wer suchet der findet, so lautet ein altbekannter Spruch. Wir machen es euch noch einfacher! Bei INSPI musst du nicht suchen, sondern bekommst täglich frische, unverbrauchte Ideen auf dein Handy. Inspi ist die App, mit der du von Hand ausgewählte Vorschläge von zufälligen...

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?

Werde Regionaut!

Jetzt registrieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen