Weihnachten in Europa: Von richtig schräg bis feministisch

Marta Domènech mit dem katalanischen "Caga Tió"
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  • hochgeladen von Katharina Moser

Wir haben uns in Europa umgesehen und mit Menschen gesprochen, die etwas anders Weihnachten feiern.

WIEN. Weihnachten, das ist ganz klar: Nikolo, Adventskalender, Christbaum, Christkind und viele, viele Geschenke. Oder? Weit gefehlt.

Tatsächlich gibt es kaum ein Fest mit so vielen unterschiedlichen Bräuchen und Traditionen wie Weihnachten.

Der katalanische Holzscheit mit dem Häufchen

Zum ersten Mal sei ihr aufgefallen, dass die Tradition irgendwie seltsam ist, als sie ihren Freunden in Österreich davon erzählte, lacht Marta Domènech beinahe entschuldigend. Im katalanischen Kulturverein Casal Català de Viena präsentiert die junge Frau aus Tarragona einen Holzpflock mit Gesicht und roter Mütze, der auf den ersten Blick nicht gerade weihnachtlich wirkt. Doch der sogenannte “Caga-Tió” ist in Katalonien die zentrale Weihnachtsfigur. Er wird zu Maria Empfängnis aufgestellt, mit einer Decke zugedeckt und solange mit Obst “gefüttert”, bis er schön “dick” ist. Schließlich verbergen sich unter seinem Deckenbauch die Geschenke.

Am 24. Dezember sagen die Kinder artig ein Gedicht auf – und dürfen anschließend solange mit Stecken auf den Caga-Tió eintrommeln, bis dieser seinen vollen Magen entleert – und einen Haufen mit Geschenken hinterlässt. Was auch seinen Namen erklärt. Denn der heißt übersetzt – ein wenig derb – “der scheißende Holzklotz”.

Die Briten lassen es krachen

Nigel Stonham lebt seit 1999 in Österreich, aber auf die Frage nach Weihnachten, zieht es ihn gedanklich in die Heimat: “Meine Mutter ist schon um vier Uhr aufgestanden, um den Truthahn in den Ofen zu schieben, ich hab nie verstanden, warum der solange braucht.” Heuer isst der fröhliche Brite aus Sussex den Truthahn bei Freunden. Nachdem der Adventskalender bei ihm 25 Türchen zählt, gibt es den erst am 25. Dezember. Am Vorabend hängt man seine Socken auf, die in der Nacht von Santa Claus gefüllt werden. Zur Mitternachtsmesse geht es dann in die Christ Church im 3. Bezirk.

Die Weihnachtseinkäufe hat man dort bereits Ende November beim Advent Bazaar erledigt. Neben süßen “mince pies” oder typischem “christmas pudding” – im Vergleich zu unserem Pudding handelt es sich dabei um eine Art Kletzenbrot – gibt es dort auch die traditionellen Christmas crackers, die es inzwischen auch in unsere Geschäfte geschafft haben. Diese gefüllten Knaller in Form überdimensionierter Papier-Bonbons sind ein absolutes Muss. Man reißt sie an beiden Enden enzwei und mit lautem Knall fallen einem kleine Geschenke, ein Partyhut und Zettel mit Witzen entgegen. Spiel, Spaß und british humour, was braucht man mehr zum Feiern.

Die emanzipierte Hexe Italiens

In Italien kommt die Weihnachtsfigur zwar auch durch den Schornstein, den Weg dorthin legt sie allerdings auf einem Besen zurück. Die Rede ist von der Hexe “Befana”. Die italienische Künstlerin Monica Giovinazzi erinnert sich: “Ich habe Weihnachten gehasst und immer die Christbaumkugeln kaputt gemacht. Aber Befana habe ich immer geliebt.” Für die Römerin war die hässliche Weihnachtshexe nicht furchteinflößend, sondern, “endlich eine Frau, die die Macht hatte, zu bestimmen, ob man brav war oder nicht.” Befana bringe den Kindern bei, dass Hexen Frauen sind, die Power haben.

Ihre drei Kinder werden auch von Befana beschenkt. Dazu müssen sie am 5. Jänner Socken aufhängen, die mit Süßigkeiten gefüllt werden. Nicht fehlen dürfen ein paar Stück “carbone dolce”. Diese “süße Kohle” aus gefärbter Zuckermasse bekommen all jene, die schlimm waren. Und Monica weiß: “Ein bisschen schlimm war wohl jeder...”

Münzen beißen in Serbien

Die Serben müssen am längsten warten, denn der wichtigste Tag ist der 7. Jänner. Das hat auch Vorteile, grinst Dušan Janković: “Wir können zweimal feiern. Zuerst mit meinen österreichischen Freunden am 24. und dann mit der Familie am 7.” Die serbische Feier beginnt am “Badnje vece”, dem Heiligen Abend am 6. Jänner, wenn im ganzen Land Feuer entzündet werden, die das Ende der Fastenzeit einläuten.

Zum lang erwarteten Essen gibt es das traditionelle „Česnica“. In dem runden Brot ist eine Münze versteckt, die es zu ergattern gilt, da von ihr der Geldsegen des neuen Jahres abhängt. Die erste Person, die am nächsten Tag zu Besuch kommt, heißt „položajnik“ und bringt noch einmal Glück fürs ganze Haus. Mit Geldsegen und Glück sollte man dann gut fürs neue Jahr gerüstet sein.

Schlemmen mit Plan in Bulgarien

In Bulgarien bringt der „Djado Koleda”, der Weihnachtsmann die Geschenke. “Als Kind hab ich ihm einen Brief geschrieben” erzählt Steliana Kokonova begeistert, “und erhielt tatsächlich Antwort aus Lappland.” Weihnachten ist für sie eine gemütliche Zeit mit der Familie. So aufgestylt, wie bei einigen Österreichern, geht es bei ihr nicht zu. Enge Hosen haben auch wenig Sinn, denn im Mittelpunkt steht am 24. das rituelle Festmahl. Auf den Tisch kommen stolze sieben bis zwölf vegetarische Gerichte. Jede Zahl hat eine Bedeutung: sieben Tage der Woche, neun Monate einer Schwangerschaft oder zwölf Monate des Jahres. Je mehr auf den Tisch kommt, desto mehr wird man im Folgejahr zu essen haben. Sofern man irgendwann wieder Hunger verspüren sollte.

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