2. Festival Verfemte Musik in Wien-Neubau
FREMDE ERDE
- hochgeladen von Barbara Vanura
Mit dem Musikfestival FREMDE ERDE, das VIVA LA CLASSICA! in Kooperation mit NEUBAU ERINNERT, dem Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI), der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG.Kultur) und dem Exilarte-Zentrum durchführt, sollen jene Komponist:innen, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden, in der Öffentlichkeit bekannt gemacht und ihre in Vergessenheit geratenen Werke wieder zur Aufführung gebracht werden: An 7 Abenden zwischen 24. April und 4. Mai 2025 gibt es 7 Konzerte bzw. Lesungen im 7. Bezirk.
Das Eröffnungskonzert VERLORENE KLÄNGE am 24. April 2025 in der St.-Ulrichs-Kirche startet mit einem Werk von Erich Zeisl. 2025 feiern wir den 120. Geburtstag dieses aus Wien stammenden Komponisten, der 1938 in die USA emigrieren musste. Jeremias Fliedl – eines der größten österreichischen musikalischen Talente und aktueller NASOM-Musiker (New Austrian Sound of Music) – spielt „Kol Nidrei op. 47“ von Max Bruch. Das Werk basiert auf dem jüdischen Gebet „Kol Nidre“, das am Vorabend des höchsten jüdischen Feiertags, des Jom Kippur, gebetet wird (24. April, St.-Ulrich-Kirche).
Im ersten Schwerpunktabend „Komponistinnen“ des Festivals kommen auch Literaturbegeisterte auf ihre Kosten. Ruth Cerha liest in ihrem Programm DER ABEND ALLER TAGE Texte der Schriftstellerinnen Maria Leitner und Anna Seghers. Das Alma-Rosé-Streichquartett spielt dazu Werke von Charlotte Schlesinger, Maria Herz und Vítězslava Kaprálová. Letztere war neben ihrer kompositorischen Tätigkeit auch als Dirigentin tätig: Sie war die erste weibliche Dirigentin der Tschechischen Philharmonie und dirigierte unter anderem auch das BBC Symphony Orchestra (25. April, Depot).
Im Kabarettabend HERRLICH WEIBLICH mit Ethel Merhaut & Béla Korény widmen wir uns den aus Wien stammenden Komponistinnen Anita Bild und Hilde Loewe-Flatter, die beide unter ihren Künstlernamen im englischen Exil Erfolge feiern konnten. Hilde Loewe-Flatter erste (unter ihrem Pseudonym Henry Love) veröffentlichte Komposition "Das alte Lied" wurde zu einem weltbekannten Evergreen, der auch von Anton Karas für den Film "Der dritte Mann" für die Zither bearbeitet wurde. Der Text stammt von Fritz Löhner-Beda, der 1942 von den Nationalsozialisten ermordet wurde (26. April, Rote Bar im Volkstheater).
In der jüdischen Kultur hat die Orgel eine jahrhundertealte Geschichte. Der polnische Orgel-spezialist Jakub Stefek stellt uns in seinem Programm THE REBIRTH OF THE SACRED SOUND Werke von jüdischen Komponisten vor, die speziell für die Orgel geschaffen wurden und die zum ersten Mal in Österreich zu hören sein werden. Dabei kommt es auch zu einer Uraufführung eines Werkes der zeitgenössischen polnischen Komponistin Aleksandra Chmielewska, die auf einer alten Kaddisch-Melodie basiert (29. April, Lazaristenkirche).
Im zweiten Schwerpunktabend „Komponistinnen“ des Festivals stellt uns das DuoArte Kam-mermusikwerke von Henriëtte Bosmans, Vítězslava Kaprálová, Felicitas Kuckuck, Ruth Schönthal und Rosy Wertheim vor. Das titelgebende IMPRESSIONS ist eine Sonate für Cello und Klavier von Bosmans. Die niederländische Komponistin nahm Unterricht u.a. bei Arnold Schönberg. Sie war eine der ersten Komponistinnen, deren Werke 1929 an den Welt-musiktagen der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik gespielt wurden (30. April, Sala Terrena, Stiftskaserne).
Der Abend des VIVA LA CLASSICA! Ensemble ist nach dem Lied VOM EWIGEN LEBEN von Franz Schreker benannt, bei dem auch Werke von Erich Wolfgang Korngold und Alexander Zemlinsky zu hören sein werden. Der österreichische Komponist Franz Schreker war einer der meistgespielten deutschsprachigen Komponisten seiner Zeit. Bereits Ende der 1920er-Jahre begannen die Nazis, Schrekers Aufführungen zu boykottieren und mit antisemitischen Drohungen zu unterbrechen. Der Abend wird begleitet von neu kreierten Videoinstallationen der Künstlerin Elizaveta Kapustina (3. Mai, Möbelmuseum).
Unser Abschlusskonzert ist wieder ganz Erich Zeisl gewidmet. An diesem Abend kommt es zur Uraufführung von NABOTH'S VINEYARD in Anwesenheit seines Enkels Randy Schoenberg. Das 1953 in Los Angeles komponierte Ballett erlebt 72 Jahre später seine konzertante Uraufführung in Wien. An diesem Abend bringen wir auch das selten gespielte Ballett „Ein Tanzpoem“ von Alexander Zemlinsky konzertant zur Aufführung (4. Mai, St.-Ulrich-Kirche).
Die Ausstellung ERICH ZEISL –WIENS VERLORENER SOHN IN DER FREMDE im Exilarte Zentrum ergänzt das musikalische Programm des Festivals.
Alle Infos, Termine, Adressen etc. finden Sie auf www.vivalaclassica.com.
Gerade in Zeiten wie diesen dürfen wir nicht vergessen, wie schnell die Unfreiheit Wirklichkeit werden kann!
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