22.05.2017, 09:27 Uhr

Jedem Zweck sein Material: Von Basteln bis Bondage

Gerald Egger-Lampersberger und sein Angestellter Georg Winner sind Experten im Bereich Naturmaterialien.

Bei Dieroff in der Westbahnstraße gibt es Wolle, Spinnräder und auch Teppichklopfer – was teils unerwartete Kundschaft bringt.

NEUBAU. Als „Warenhaus für Rohmaterialien aus Übersee“ wurde die Firma Dieroff bereits 1880 gegründet, seit 1888 befindet sich das Geschäft in der Westbahnstraße 46. In den Anfangsjahren bot das Unternehmen Naturwaren wie Stuhlflechtrohr aus Rattan, exotische Hölzer, Horn und vieles mehr an. Korsettgestelle und Muscheln gibt es heute nicht mehr, dafür jede Menge andere Materialien.

Gerald Egger-Lampersberger ist seit Dezember 2006 der neue Eigentümer des Paradieses für Heimwerker. "Ich bin gelernter Kaufmann und Maschinenschlosser, im zweiten Bildungsweg habe ich ein Marketing-Studium abgeschlossen." Auf seiner Suche nach einem neuen Betätigungsfeld ist er dann auf die Firma Die-#+roff gestoßen. Betritt man das Geschäft, fühlt man sich um ein Jahrhundert zurückversetzt. Denn die Geschäftseinrichtung ist zum großen Teil original aus dem Jahr 1880.

"Wie am ersten Tag"

"Die Dezimalwaage haben wir täglich in Betrieb, sie funktioniert wie am ersten Tag", so Georg Winner, einer der Angestellten. Er erzählt vom großen Angebot: "Viele der Produkte von damals führen wir immer noch: etwa Rattan in verschiedenen Ausführungen, ebenso Schienen, Bänder oder das Stuhlflechtrohr, das man für Thonetstühle benötigt. Wir haben auch Bambusstäbe in verschiedenen Dimensionen und Sorten." Aber auch Fertigprodukte wie Zeitungshalter, Fußmatten oder Teppichklopfer sind im Sortiment. Letztere ziehen auch Kundschaft an, die man in dem Geschäft nicht unbedingt vermutet hätte: Menschen aus der Sado-Maso- bzw. der Bondage-Szene, die vor allem Naturfaserseile, meist aus Jute, kaufen

Ein paar Meter neben "Dieroff Naturwaren" hat Egger-Lampersberger im vergangenen Dezember das "Wollkonzert" eröffnet. Neben hochwertiger Wolle findet man hier Rohmaterial von verschiedenen Schafrassen sowie bereits gefärbte Kammzüge. Und auch Webstühle und -rahmen sowie Spinnräder gibt es hier zu kaufen. "Vor über 100 Jahren stand noch in jedem Haushalt ein Spinnrad. Mittlerweile kommen viele wieder darauf zurück. Nicht nur, dass sie damit hochwertige Kleidungsstücke herstellen können, es ist auch noch entspannend, quasi Woll-Yoga", so der 49-Jährige. Wer weder spinnen noch weben kann, kann dies in diversen Kursen im "Wollkonzert" lernen.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.