Elektriker linkte Mitarbeiterin um Tausende Euros

Für die Werktätigen 1,818.528 Euro erkämpft: Stefan Schärf, Horst Pammer und Gerhard Windbichler (v.l.) präsentieren die für ArbeitnehmerInnen erfreuliche Bilanz 2019.
  • Für die Werktätigen 1,818.528 Euro erkämpft: Stefan Schärf, Horst Pammer und Gerhard Windbichler (v.l.) präsentieren die für ArbeitnehmerInnen erfreuliche Bilanz 2019.
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BEZIRK NEUNKIRCHEN/WIENER NEUSTADT. Eine Neunkirchnerin war Angestellte eines Elektroinstallations-Betriebs nördlich von Bezirk Wiener Neustadt (Firma der Redaktion bekannt). Von ihrem Chef wurde die Frau während ihres Krankenstands einfach rausgeschmissen. Der vorgegebene Grund: die Mitarbeiterin hatte einen Termin beim Kontrollarzt verpasst. Darauf bekam sie die „Fristlose“. Allerdings hatte die Neunkirchnerin die Vorladung zum Kontrollarzt gar nicht erhalten. Ein Fall für die Arbeiterkammer Neunkirchen.

Die Neunkirchnerin hielt sich wegen ihrer Krankheit und der damit verbundenen Einnahme schwerer Medikamente zu dem Zeitpunkt in der Wohnung ihres Gatten auf. Die Krankenkasse akzeptiert dies auch und setzte einen neuen Termin fest, an dem die Mitarbeiterin vom Chefarzt weiterhin als arbeitsunfähig eingestuft wurde. Ihr "Chef" hingegen wollte die Gelegenheit mutmaßlich nutzen, um sich von seiner Mitarbeiterin kurz und schmerzlos zu trennen.

Die geschaßte Mitarbeiterin wandte sich an die  Arbeiterkammer in Neunkirchen und die AK-Berater stießen bei der Überprüfung der Endabrechnung auf zahlreiche Ungereimtheiten. So wurde die Angestellte deutlich unter dem Kollektivvertrag bezahlt und durch den Arbeitgeber zusätzlich bei der Gebietskrankenkasse falsch abgemeldet. Den schriftlichen "Warnschuss" der Arbeiterkammer Neunkirchen nahm der Firmenchef nicht ernst, also machte die Arbeiterkammer Ernst  und brahte den Fall vor das Arbeits- und Sozialgericht.

Da die Begründung des Elektrochefs für die Entlassung – es lag ja die chefärztliche Bestätigung des Krankenstands vor – nicht hielt, endete das Verfahren mit einem vollen Erfolg für die Klägerin. „Der Dienstgeber musste sowohl die Kassenabmeldung richtigstellen als auch die Kündigungsentschädigung, die Gehaltsdifferenz und den nicht verbrauchten Urlaub in Höhe von rund 7.000 Euro nachzahlen. Zusätzlich musste er auch für sämtliche Prozesskosten von über 4.000 Euro aufkommen“, schildert AK-Bezirksstellenleiter Gerhard Windbichler.

Über 1,8 Mio. Euro im Bezirk erkämpft

Insgesamt hat die Bezirksstelle Neunkirchen im Vorjahr 1.818.528 Euro für ArbeitnehmerInnen unserer Region erstritten, skizzierte Bezirksstellenleiter Windbichler: „Das umfasst sowohl die Steuersparwochen als auch den Konsumentenschutz. Am häufigsten gefragt war unsere Unterstützung bei Problemen am Arbeitsplatz und in sozialrechtlichen Fragen.“
Insgesamt wandten sich im vergangenen Jahr 7.164 Menschen an die Bezirksstelle Neunkirchen. „Das zeigt, wie wichtig wir als regionale Anlaufstelle in allen Lebenslagen sind“, betont Gerhard Windbichler.
Zahlreiche Veranstaltungen runden das Angebot der Arbeiterkammer Neunkirchen ab. „Auch Schulen greifen immer öfter auf unser Know-how zurück und auch der Sprechtag zum Konsumentenschutz wird gern angenommen“, zieht er Bilanz.

AKNÖ: starker Partner für alle Werktätigen

56 Millionen Euro hat die AK Niederösterreich im Vorjahr für die niederösterreichischen ArbeitnehmerInnen nach Problemen am Arbeitsplatz oder in sozialrechtlichen Fragen gerettet. „Es handelt sich hier um Geld, das den Betroffenen zusteht und das ihnen aus vielerlei Gründen vorenthalten wurde. Mit unserer Hilfe war es möglich, diese Summen für sie einzubringen“, freut sich AK Niederösterreich-Vizepräsident Horst Pammer. Ein Viertel aller ArbeitnehmerInnen in Niederösterreich, rund 150.000 Beschäftigte, holte sich im Vorjahr von der AK Rat und Hilfe. In knapp 4.200 Fällen erreichte die AK Niederösterreich die Zahlung ausstehender Löhne und Gehälter, indem sie beim Arbeitgeber intervenierte. Für weitere knapp 1.800 niederösterreichische ArbeitnehmerInnen musste die AK die Forderungen gegen mutmaßlich unbelehrbare Firmenbetreiber vor Gericht ziehen.
Im Arbeitsrecht betreffen die Anfragen in erster Linie finanzielle Ansprüche, wie Entlohnung unter dem Kollektivvertrag und falsch berechnete Abfertigungen oder Probleme rund um Kündigungen sowie Urlaubsansprüche. Im Sozialrecht geht es oft um Versicherungsansprüche (Krankenversicherung, Pensionsversicherung, Arbeitslosenversicherung). „Mit der Arbeiterkammer Niederösterreich haben alle Beschäftigten jederzeit einen starken Partner an ihrer Seite, der ihre berechtigten Ansprüche sichert und ihre Rechte vertritt“, so Pammer.

Pflegegeld: AKNÖ brachte 80 Fälle vor Gericht

Ein großer Erfolg war die Pflegegeld-Beratung der Arbeiterkammer, die im vorigen Jahr deutlich ausgebaut wurde und nun landesweit angeboten wird. „Diese Leistungen haben knapp 300 NiederösterreicherInnen in Anspruch genommen“, weiß Pammer. Für 80 NiederösterreicherInnen zog die AK im Vorjahr vor Gericht, um eine höhere Pflegegeld-Einstufung einzufordern.

Gleiche Kündigungsfristen ab 2021

Mit Beginn des Jahres 2021 wird im Arbeitsrecht eine von AK und Gewerkschaft schon lange geforderte gesetzliche Verbesserung endlich umgesetzt: „Für die rund 260.000 ArbeiterInnen gelten dann die gleichen Kündigungsfristen wie für Angestellte“, sagt Kammerrat Stefan Schärf. Im Regelfall bedeutet das eine Kündigungsfrist von sechs Wochen statt wie bisher 14 Tagen. Bei längerer Betriebszugehörigkeit verlängern sich die Fristen. Einzelne Kollektivverträge können auch bessere Lösungen vorsehen.
Bereits Mitte 2018 ist mit der Angleichung bei der Entgeltfortzahlung eine langjährige Forderung endlich umgesetzt worden. Außerdem gilt die Entgeltfortzahlung auch bei einvernehmlichen Auflösungen.

Autor:

wilfried scherzer aus Neunkirchen

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