16.01.2018, 20:47 Uhr

"Lebensbogen" holt Climatech aus dem Dornröschenschlaf

Und um dieses Gelände geht es: Hier werden bereits im Sommer erste Menschen mit besonderen Bedürfnissen betreut.

Verein plant Betreuungseinrichtung für behinderte Mitmenschen.



Nach vier Jahren Verhandlungen startet der Verein "Lebensbogen" unter Federführung von Christof Mikats ein soziales Projekt mit Imkerei.

BEZIRK NEUNKIRCHEN. Was lange währt, wird endlich gut: 20 Jahre lang dämmerte das ehemalige Climatech-Industriegebäude in Grünbach am Schneeberg im Dämmerschlaf vor sich hin. "Es war einer der wunderschönen Tage, als Christof Mikats und Ernst Orhan mir erzählt haben, sie sind dran und drauf das Climatech-Gelände zu kaufen", erzählt Grünbachs SPÖ-Bürgermeister Peter Steinwender im Rahmen einer Pressekonferenz am 16. Jänner im Gemeindeamt. Am Freitag der Vorwoche wurde der entsprechende Vertrag beim Notar unterzeichnet.

5,5 Hektar warten auf die Verwertung

Das gut fünfeinhalb Hektar große Areal soll Schritt für Schritt revitalisiert werden. Christof Mikats, der seit 30 Jahren im Sozialbereich, und hier hauptsächlich in der Behindernbetreuung, tätig ist, will in Grünbach eine Betreuungseinrichtung für Menschen mit Handicap etablieren. Angedacht ist die Unterbringung von 30 Klienten, die jeweils von zwei Mitarbeitern sieben Tage die Woche rund um die Uhr betreut werden."
Es ist jedoch nicht gesagt, dass die 5,5 Hektar Gesamtfläche ausschließlich vom Verein "Lebensbogen" genutzt werden. Laut Steinwender sei es denkbar, hier auch den einen oder anderen Betrieb einzuquartieren. Auch eine medizinische Betreuung sei durchaus wünschenswert.

Start mit einer kleinen Gruppe im Sommer

Schon im Sommer dieses Jahres soll das sozial-integrative Projekt mit einer kleinen Gruppe von sechs bis zwölf Personen starten. Dabei baut man auch auf Partnerschaften. "Wir haben zum Beispiel eine Kooperation mit der Imkerei der LFS Warth", schildert Mikats. – Bienenhaltung sei ein Ansatz für Behindertenarbeit wie sie auch in Ternitz und in anderen Einrichtungen im Bezirk praktiziert wird. Die Schiene Bienenhaltung ist laut Mikats bereits mit der Landwirtschaftskammer besprochen: "Hier können Imker angelernt werden." Mikats spricht hier auch eine Verjüngung der Imker an: "Das Durchschnittsalter von Imker liegt ja bei 74, 75 Jahre." Eine Überlegung ist auch, dass die Einrichtung wächst und in weiterer Folge vor Ort regionale Produkte angeboten werden.

Ein Entwicklungsprozess

Mikats: "Die Ideen, die wir jetzt haben, werden in einem Jahr ganz anders ausschauen, wenn wir beginnen." Außerdem will Christof Mikats den Grünbachern keine Illusionen machen, dass das Zusammenwachsen mit den Schützlingen der Einrichtung völlig konfliktfrei ablaufen wird. Reibungspunkte und Probleme seien seiner Erfahrung nach normal: "Wir sind alle keine Heiligen. Es werden auch Fehler passieren." Uneingeschränkte Kommunikation mit dem Verein "Lebensbogen" sei daher das Wichtigste. "Ich bitte alle, mich auf Probleme anzusprechen. Wenn zum Beispiel ein Klient plötzlich im Garten steht." Aus Mikats reichhaltigen Erfahrungen ließen sich noch viele Beispiele für problematische Begegnungen nennen – sei es Klienten, die zwicken, wenn sie schlecht gelaunt sind, oder seltsam schreien, weil sie es nicht besser wissen. Doch letztlich steht das Ziel eines Zusammenlebens im Vordergrund. Und das läuft ja nirgendwo stets entspannt ab. 

Nächsten Donnerstag, 25. Jänner, wird es wieder einen Grünbach-Stammtisch geben, bei dem Christof Mikats den Grünbachern für ein Gespräch zur Verfügung stehen wird.

Zur Betreuungseinrichtung
Angedacht ist, in Grünbach 30 Klienten mit Behinderung unterzubringen. Dazu kommen je Klient zwei Betreuer für eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung. Der Altersschnitt der "Lebensbogen"-Schützlinge soll zwischen 18-60 Jahren liegen, wobei realistischerweise die meisten um die 40 Jahre sein werden, sowohl Männer als auch Frauen. Eine Betreuung dieser Form kostet monatlich einige Tausend Euro und wird in Monatspauschalen über das Betreuungsgeld bezahlt.
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