31.08.2014, 00:00 Uhr

Zum Unternehmertum gehört eine Portion Mut

Der Neunkirchner Wolfgang Kessler hat seine Finger in vielen Geschäften. Kraft gibt ihm die Familie.

Wolfgang Kessler ist sehr umtriebig. Er ist im Panoramapark involviert, in die Passage, in das Moore Stephens Center, Werbeberatung – wie hat man da Zeit für die Familie?
Schlechte Frage: Wenn man in die Passage geht, nimmt man die Familie mit. Wenn man ins MSC-Ceter geht, nimmt man die Kinder mit.

Und übernachtet im Hotel?
Habe ich noch nicht. Das werde ich aber mit der Familie nachholen.

In der Passage zeichnen sich Veränderungen ab. Wie geht's weiter?
Wir haben Experten engagiert, die hoffentlich das Ganze ordentlich vermarkten können. Wir haben das Problem der kleinen Flächen. Wir brauchen viele kleine Apotheken, haben keinen Platz für irgendeinen großen Modekonzern oder was. Anfragen sind da, aber man muss sehen, dass man die von der Fläche bedienen kann.

In der Passage sind nun ein Gutedel und ein Kellerlokal frei. Soll es hier wieder Gastronomie geben?
Im Sinne des Gesamtkonzeptes wäre es wichtig, dass wieder Gastronomie rein kommt. Aber ein kleines Wirtshaus wird nicht funktionieren. Da ist immer auf hohem Niveau gekocht worden und man muss sehen, dass wir jemanden finden, der das zusammenbringt.

Warum ist es bei einigen schief gegangen – etwa beim Puzzles Pub?
Die vom Pub haben alles falsch gemacht. Da hängen jetzt noch Mahnungen und Zetteln an der Türe. Das Gutedel hat sich gehalten, aber offensichtlich gab es strukturelle Probleme.

Was machte z.B. ein Hemingways-Wirt anders im Keller-Pub der Passage?
Der Christian Schicker hat Durchhaltevermögen und persönliches, volles Engagement bewiesen und an die Idee geglaubt. Das hat er zelebriert und das kommt ihm jetzt zu Gute. Das ist kein Geschäft, das von selbst läuft.

Ist es in Neunkirchen schwer geworden, kompetente Unternehmer zu finden?
Wer sagt seinem Kind heute noch es ist erstrebenswert ein Geschäft in der Innenstadt aufzumachen? Niemand. Und da scheitert's. Die Leute werden alt, gehen in Pension und es folgt niemand nach. Ich glaube, dass das Ende noch nicht erreicht ist. Da wird's in der Innenstadt sicher noch einiges an Fluktuation geben.

Wie gegensteuern?
Wir müssen sie verjüngen. Jetzt ist unsere Generation dran, etwas zu tun.

Als Werbefachmann werden Sie zustimmen, dass es ohne Werbung geht's net, oder?
Wir müssen einmal das Produkt definieren, dann können wir über Werbung reden.

Wenn ein Unternehmer überlegt: Geöffnet lassen oder zusperren – was kann man raten?
Wenn es soweit ist, ist die Überlegung eh schon gefallen. Bleibe ich da, oder gehe ich weg … wenn ich die beantworten könnte, wäre ich ein Guru.

Sie sind ja Wirtschaftsbundobmann und Werbeguru… Was ist der kritische Zeitpunkt bei einem Unternehmer?
Wenn ich das erste Mal spüre, dass ich es aus eigener Kraft nicht mehr dahebe. Dann brauche ich professionelle Hilfe, muss mein Sortiment überdenken, meinen Standort, meine Kosten, Wareneinsatz.

Sie sind erfolgreicher Unternehmer mit Schwerpunkt auf klassische Werbung und Internet. Gibt's da auch einen Trend im Werbe-Biz etwa im Datennetz?
Es ist Aufholbedarf, aber auch das kleine Blumengeschäft fängt an einen Shop zu überdenken, und seinen Auftritt nach außen neu zu machen. Ich glaube aber nicht, dass es zu Lasten anderer Medien geht. Internet alleine ist es nicht.

Wie entspannt sich ein viel beschäftigter Unternehmer?
Der Stress wird mehr und anders. Aber ich lege mir ein Baby auf den Bauch und dann kommt man sofort auf andere Gedanken.

Was könnte eine Gemeinde machen, um Betriebe zu helfen?
Baden z.B. mietet eine Immobilie an, teilt sie auf und gibt sie an Unternehmer weiter.

Warum geht das in Baden?
Bei uns ist wahrscheinlich noch nie wer auf die Idee gekommen. Es muss eine Aufbruchsstimmung her. Wird das Kesselhaus reaktiviert, ist eine Aufbruchsstimmung da, die könnte man nutzen.
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