Frauenberatungsstelle Lichtblick
"Wir sind Anlaufstelle für Frauen, Kinder, Jugendliche und Familien!"

Mag. Karin Behringer-Pfann im Gespräch zu den besonderen Problemen im Jahr 2020.
  • Mag. Karin Behringer-Pfann im Gespräch zu den besonderen Problemen im Jahr 2020.
  • Foto: Lichtblick
  • hochgeladen von Charlotte Titz

Karin Behringer-Pfann vom Lichtblick in Neusiedl am See ist Klinische- und Gesundheitspsychologin. Sie hat mit uns über das besondere Jahr 2020 gesprochen. Und, besonders wichtig: "Wir sind auch im 2. Lockdown erreichbar und bieten telefonische und bei Bedarf auch persönliche Beratungsgespräche mit den erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen an."

Bezirksblätter: Seit wann gibt es den Lichtblick in Neusiedl am See?
Karin Behringer-Pfann: "Die Frauenberatungsstelle "Der Lichtblick" wurde im Herbst 1993 gegründet. 1998 konnten wir das Angebot um die Familienberatungsstelle erweitern. Seit September 2019 sind wir auch die Frauenberatungsstelle bei sexueller Gewalt für das ganze Burgenland."

Was bieten Sie Frauen an?
"Unsere Angebote sind kostenfrei und verschwiegen, auf Wunsch auch anonym. Frauen, Kinder, Jugendliche und Familien können sich mit den unterschiedlichsten Anliegen und Fragen an uns wenden. Wir bieten psychologische, psychosoziale und arbeitsmarktpolitische Beratung sowie Rechtsberatung. Unser multiprofessionelles Beratungsteam, wir sind zwei Klinische- und Gesundheitspsychologinnen, eine Sozialarbeiterin und eine Rechtsanwältin, berät zu unterschiedlichen Themenbereichen: z.B. Trennung oder Scheidung, Gewalt in der Familie, sexualisierte Gewalt, Mobbing, Arbeitssuche, berufliche Fragen, Erziehungsfragen, Kontaktrecht oder wirtschaftliche Schwierigkeiten. Im Rahmen der Frauenberatungsstelle bei sexueller Gewalt bieten wir auch Prozessbegleitung an."

Wie viele Klienten haben Sie im Durchschnitt im Jahr?
"Im Jahr 2019 haben wir mit 2051 Personen 3993 Beratungsgespräche geführt."

Merkte man beim ersten Lockdown mehr Anrufe?
"Wir haben heuer im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von 25% der Beratungsgespräche verzeichnen können. Im ersten Lockdown haben wir sehr viele Gespräche zum Thema wirtschaftliche Situation, Existenzängste, Überforderung mit Homeoffice und Homeschooling sowie zu Eskalationen im familiären Kontext geführt. Auch haben wir bemerkt, dass sich viele Jugendliche an uns gewendet haben, da sie Ängste hatten bzw. mit der gesamten Situation überfordert waren."

Was war beim ersten Lockdown zu merken?
"In vielen Familien und Beziehungen kam es zu Eskalationen bis hin zu Psychoterror, sexualisierter Gewalt oder körperlichen Übergriffen. Wir betreuen auch viele Kinder und Jugendliche, die Gewalt gegen die Mutter miterleben mussten bzw. selber betroffen waren."

Was kann eine Frau tun, wenn Sie häuslicher Gewalt ausgesetzt ist?
"In der akuten Notsituation sollte sich eine betroffene Frau unbedingt an die Polizei wenden. Österreich hat ein gutes Gewaltschutzgesetz und die BeamtInnen haben daher die Möglichkeit, z.B. eine Wegweisung/Annäherungsverbot auszusprechen. Vielen Frauen mit Gewalterfahrung fällt es sehr schwer, über diese Vorfälle zu sprechen. Unsere Beratungsstelle ist in diesem Zusammenhang mit ihrem niederschwelligen Angebot eine Erstanlaufstelle. Es ist wichtig, das Schweigen zu brechen - auch wenn es sehr schwer fällt - nur so kann einer Betroffenen Frau geholfen werden. Bei uns erhalten Frauen auch Informationen über weitere Anlaufstellen, Notrufnummern und Helplines sowie das Frauenhaus. Auch Angehörige oder FreundInnen von betroffenen Frauen können sich gerne an uns wenden, um Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten zu besprechen."

Warum gibt es eine eigene Frauenberatungsstelle bei sexueller Gewalt?
"Gerade die sexualisierte Gewalt ist ein sehr großes Tabuthema. Betroffenen Frauen fällt es noch viel schwerer, über diese spezielle Form der Gewalt zu sprechen. Daher braucht es spezielle Anlaufstellen mit geschulten Mitarbeiterinnen, die Frauen auf ihrem schwierigen Weg begleiten können."

Was ist die Kampagne 16 Tage gegen Gewalt?
"Es handelt sich um eine internationale Kampagne, die jedes Jahr von 25. November bis 10. Dezember stattfindet. Auf der ganzen Welt nützen Fraueninitiativen den Zeitraum vom Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen (25. November) bis zum Internationalen Tag der Menschenrechte (10. Dezember), um auf das Recht auf ein gewaltfreies Leben aufmerksam zu machen. Auf Grund der CoVid-19 Pandemie können heuer keine Präsenzveranstaltungen durchgeführt werden, daher wollen wir auf diesem Weg auf die Verschärfung der häuslichen Gewalt während der Lock-Down-Phasen hinweisen. Der Schutz vor dem Virus zwingt Frauen und ihre Kinder zusammen mit dem Gefährder an dem für sie gefährlichsten Ort zu verbleiben – das eigene Zuhause. Jede 5. Frau in Österreich ist von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffen!"

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