18.10.2017, 09:31 Uhr

Der Brauch von der Martinigans

Der genaue Ursprung der Martinigans bzw. des Gansl-Essens kann nicht ganz eindeutig geklärt werden. (Foto: Brigitte Katzensteiner)

Am 11. November ehren die Menschen den Heiligen Martin von Tours

Fester Bestandteil dieses Feiertages ist neben dem Martinsumzug und dem Martinisingen auch das Martinigansl-Essen.


Zweifelhafte Überlieferung

Der Überlieferung nach soll Martin befohlen haben, Gänse zu schlachten, weil diese sein Mönchsleben störten. Diese Geschichte ist nur schwer vorstellbar, da eine solche Handlungsweise nicht zu seinem Heiligenstatus passt. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass hier ein heidnischer Brauch übernommen wurde.


Wachhunde der Kelten

Die Kelten hielten sich Gänse als Haus- und Kulttiere. Die wachsamen Tiere dienten den Kelten das ganze Jahr über als "Wachhunde". Im Herbst wurde mit Ausnahme einiger Zuchtpaare die gesamte Schar geschlachtet. Dies geschah aus rituellen Gründen immer an dem Tag, an dem das Sternbild der Plejaden an das nächtliche Firmament zurückkehrte, dem 11. November. Der St. Martinstag war demnach eine Art heidnisches Erntedankfest.


Findige Bauern

Das Martinigansl-Essen steht in Verbindung mit dem Hauptzinstag der Bauern: Am St. Martinstag begann das neue Wirtschaftsjahr, weshalb an das Gesinde die Löhne ausbezahlt, Pachtverträge geschlossen und Steuern abgeführt wurden. Zu der Zeit konnten außerdem Knechte sowie Mägde ihren Dienstherrn wechseln. Aus Kostengründen wurde daher ein Teil des Viehbestandes - vorzugsweise Gänse - vor dem Winter geschlachtet, um teures Tierfutter zu sparen. Die Gans war auch eine bevorzugte Zinsbeigabe.

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