15.01.2018, 10:18 Uhr

Neue Wochenenddienste: "Entlastung für Ärzte, keine negativen Folgen für Patienten"

Dr. Herbert Cerny betreut an einem Wochenenddienst in seiner Ordination in Weiden rund 60 Patienten und hält die neue Regelung für notwendig.

Neue Regelung für Wochenend- und Feiertagsdienste sorgen laut Dr. Herbert Cerny für eine Entlastung sowie für attraktivere Arbeitsbedingungen

WEIDEN (ft). Seit dem 6. Jänner werden die Wochenend- und Feiertagsdienste von praktischen Ärzten neu geregelt: Hausärzte stehen ihren Patienten an jenen Tagen nun von 7 bis 21 Uhr zur Verfügung und nicht mehr wie zuvor, rund um die Uhr. Nacht- und Bereitschaftsdienste von 48 Stunden oder mehr gehören also der Vergangenheit an. Dafür steht von 19 bis 7 Uhr in der Früh ein Telefonarzt zur Verfügung – den Notarzt und das Krankenhaus gibt's natürlich auch noch (sowie medizinische Betreuung über die Nummer 141). Die neue Regelung soll vor allem für attraktivere Arbeitsbegingungen sorgen. Wir haben mit Dr. Herbert Cerny aus Weiden, dem Vertreter der praktischen Ärzte im Bezirk Neusiedl, über die Auswirkungen gesprochen.

Bezirksblätter: Herr Dr. Cerny, was halten Sie von dieser neuen Regelung?
Dr. Herbert Cerny: Ich befürworte die neue Regelung, vor allem weil die Nachbesetzung von praktischen Ärzten am Land schwierig ist. Viele Jungärzte wollen keine Nachtdienste machen und haben das Burgenland daher gemieden. Wir suchen beispielsweise in Parndorf schon seit zwei Quartalen eine Nachbesetzung. Es ist eine Entlastung, denn es ist ja auch die Frage, wie fit man nach einem Wochenenddienst ist, wenn man am Montag wieder Ordination hat.

Hat die neue Regelung negative Auswirkungen auf die Patienten?
Erfahrungen aus einem Pilotprojekt in Oberwart sowie aus anderen Bundesländern zeigen, dass es keine Auswirkungen auf die Patienten gibt. In der Nacht gibt es in der Regel nur Telefonkontakte mit den Patienten und für Notfälle gibt es ja den Notarzt sowie die Krankenhäuser. Sollte es in Zukunft dennoch Probleme geben, wird man auch dementsprechend reagieren.

Macht die neue Regelung den Beruf attraktiver beziehungsweise was müsste geschehen, damit die Tätigkeit eines praktischen Arztes am Land für junge Ärzte attraktiver wird?
Ich denke schon, dass die Tätigkeit nun für Jungärzte attraktiver ist. Es ist eine Frage der Arbeitsbedingungen und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In den letzten Jahren haben sehr viele Kollegen im Burgenland ihre Kassenverträge zurückgelegt. Es ist also ein Trend zu erkennen, dass es immer weniger Kassenärzte und stattdessen mehr Privatärzte gibt. Das führt dann auch zu einer Zwei-Klassen-Medizin. Letztlich geht es um Arbeitszeiten, die Honorierung, geeignete Lehrpraxen, aber auch um bessere Arbeitsbedingungen für Ärzte in Ausbildung in den Spitälern.

Wie verläuft ein durchschnittlicher Wochenenddienst?

Ich betreue an den zwei Tagen rund 60 Patienten. Davon kommt der Großteil in meine Ordination, rund 20 Prozent sind Hausbesuche. In der Nacht habe ich meistens zwei bis drei telefonische Kontakte mit Patienten.

Vielen Dank für das Gespräch!
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