03.11.2016, 14:09 Uhr

Tomaten-Glashausprojekt sorgt für Unmut in Frauenkirchen

Werner Perlinger will in Frauenkirchen ein Glashaus bauen.

Ein geplantes Glashausprojekt in Frauenkirchen ruft sowohl Befürworter als auch Gegner auf den Plan.

FRAUENKIRCHEN/WALLERN. Zuerst die Daten und Fakten: Perlinger Gemüse aus Wallern hat von den Esterhazy-Betrieben ein Grundstück in der Größe von rund 30 Hektar gekauft. Dort möchte die Firma ein rund 14 Hektar großes Glashaus bauen, um Paradeiser zu ziehen. Weiters sind eine Halle und ein Bürogebäude geplant. Der verbleibende Grund soll biologisch bewirtschaftet werden.

SPÖ gibt grünes Licht

Während die Stadt-SPÖ dem Projekt mit ihren Stimmen grünes Licht gab, sind die ÖVP und auch die Namensliste Erich Stekovics (NESt) dagegen. In diversen Aussendungen wird auch begründet, warum: "Der Bürgermeister hat niemanden informiert. Weder wurde das Projekt, wie von uns (NESt) im April gefordert, den Frauenkirchnern vorgestellt, noch wurde der Gemeinderat einbezogen. Die Frauenkirchner Interessen an Tourismus und Landschaftsschutz wurden nicht berücksichtigt." NESt hat daher gegen die Umwidmung des Ackerlandes in Grünland-Gewächshaus gestimmt. Auch die ÖVP bekrittelt die nicht vorhandene Informationspolitik. "Keine aktive und offizielle Information an den Gemeinderat und keine Befragung, kein Meinungsaustausch, keine Diskussion oder irgendeine Information an die Bevölkerung unserer Stadt", beschwert sich Markus Pollreiss von der ÖVP in einer Aussendung.

Holschuld

Während Bürgermeister Ziniel abwinkt und nur feststellt, dass die Unterlagen sechs Wochen zur Einsicht am Gemeindeamt auflagen, findet der Bezirks-Wirtschaftsbundobmann Hannes Mosonyi härtere Worte gegenüber seinen ÖVP-Parteikollegen. "Wenn ich in der Oppositionsrolle bin, herrscht keine Bringschuld seitens des Bürgermeisters, sondern eine Holschuld", meint er etwa, "Für die ÖVP Frauenkirchen wäre es ein leichtes gewesen mich zu kontaktieren. Dann wären wir zu Werner Perlinger gefahren und er hätte das Projekt vorgestellt. So hätte die ÖVP Frauenkirchen sogar mehr Information gehabt wie die SPÖ." Und weiter: "Außerdem stimmt es nicht, wie in der Aussendung vorgeworfen, dass die eingenommenen Kommunalsteuern an Wallern gezahlt werden. Dieses Geld bleibt in Frauenkirchen. Dass die ÖVP Frauenkirchen hier dagegen gestimmt hat, zeigt, wie weit sie sich von den Wirtschafts-treibenden mittlerweile entfernt hat. Für mich ist es außerdem unverständlich, dass man sich auf dieselbe Ebene wie NESt stellt, ein gutes Projekt verhindert und in einer Aussendung unprofessionelle Unwahrheiten verbreitet."

Landschaftsbild

Ein weiterer Grund, warum die beiden Oppositionsparteien gegen die Umwidmung für das Projekts gestimmt haben, sind die großen Ausmaße desselben. "14 Hektar Glashaus - das ist ca. 460 Meter Straßenfront", liest man bei NESt. "Auf einer Fläche von ca 19 Hektar (rund 27 Fußballfelder groß) werden in unmittelbarer Nähe unserer Stadt Glasgewächshäuser - künstliche Beleuchtung rund um die Uhr inklusive - mit einer Höhe von rund sieben Metern entstehen", heißt es bei der ÖVP. "Stimmt nicht", entgegnet Werner Perlinger, "Beleuchtet wird nur in den Wintermonaten und da nicht rund um die Uhr. Außerdem wird das Glashaus beschattet, sprich es dringt kaum Licht nach draußen. Und wir haben schon besprochen, dass wir die Wasserauffangbecken unter Umständen vor das Gebäude geben und davor noch begrünen. Daran soll es wirklich nicht scheitern."

Hier einige Vorwürfe gegen das Projekt und die Stellungnahme von Werner Perlinger:

NESt: Wie groß soll die Anlage wirklich werden? Sind die 14ha verbaute Fläche nur eine erste Ausbaustufe und folgen weitere?
Stimmt es, dass Erweiterungen auf bis zu 50ha angedacht sind?
Bleibt es dann bei den 3 LKW´s pro Tag?
Werner Perlinger: Nein, es ist keine weitere Ausbaustufe geplant. Die LKW fahren ohnehin durch Frauenkirchen. Wenn sie leer aus Wien zurückkommen, nehmen sie gleich Ware aus Frauenkirchen mit. Es wird auch Ware direkt aus Frauenkirchen weggeliefert. Nur ein Teil kommt nach Wallern um dort verpackt und dann ausgeliefert zu werden.

ÖVP: Auf einer Fläche von zirka 19 Hektar (rund 27 Fußballfelder groß) werden in unmittelbarer Nähe unserer Stadt Glasgewächshäuser - künstliche Beleuchtung rund um die Uhr inklusive - mit einer Höhe von rund sieben Meter entstehen. Der geplante Tank auf dem Gelände wird sogar 14 Meter in die Höhe ragen!
Werner Perlinger: Belichtet wird nur in den Wintermonaten und da auch nicht rund um die Uhr, sondern nur stundenweise. Und da wird beschattet, sprich, es wird kaum Licht aus dem Glashaus dringen.
ÖVP: Das Erzeugerunternehmen hat ihren Firmensitz laut Firmenbuch in Wallern. Sollte dies beibehalten werden, fällt die gesamte Kommunalsteuer der Gemeinde Wallern zu;
Werner Perlinger: Das stimmt definitiv nicht. Die Steuern kommen Frauenkirchen zugute.

Österreichische Produktion
Was laut Werner Perlinger für eine österreichische Produktion spricht: "Bis jetzt kommen die meisten Tomaten aus Südspanien, Marokko und Tunesion. Dort hat man für die Obst- und Gemüseproduktion andere Standards als bei uns in Österreich. Außerdem gibt es weniger Wasser und Wasser mit weniger guter Qualität. Weiters sollte man den langen Transportweg nicht außer Acht lassen. Die Paradeiser werden unreif geerntet, damit sie dann reif sind, wenn sie bei uns in den Supermarktregalen landen. Die ausländischen Firmen zahlen auch keine Steuern in Österreich, wir sehr wohl. Die Wertschöpfung unserer Tomaten bleibt in Österreich, das alles sind starke Argumente für eine österreichische Produktion."

Und weiter:
"Wir werden in unserem Betrieb in Frauenkirchen rund 80 Mitarbeiter haben. Natürlich sind viele ausländische Erntehelfer dabei, aber auch im Büro werden wir Leute brauchen. Da wird natürlich den Leuten aus Frauenkirchen und Umgebung der Vorzug gegeben. Auch beim Bau des Glashauses werden heimische Unternehmen zum Zug kommen. Man sollte vielleicht die wirtschaftliche Bedeutung nicht ganz außer Acht lassen."

Bürgerinitiative

In Frauenkirchen hat sich trotz allem eine Bürgerinitiative gegen den Bau des Glashauses gebildet. Wer dagegen unterschreiben möchte, kann das in der Apotheke in Frauenkirchen tun.
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