Fortsetzungsroman
Mühlstraßenbande: Teil 13

Spannende Geschichten von Franz Strasser
  • Spannende Geschichten von Franz Strasser
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Fortsetzungsroman: Franz Strasser erzählt in "Die Mühlstraßenbande" von seiner Kindheit nach dem Krieg.

Tante Peperl, Fritz und Wilddieb

Die Tante Peperl wohnte im Haus Krautberggasse 1. Es war ihr Eigentum, und so nahm sie eine Familie bei sich auf, welche zuvor in einem Haus meiner Großeltern gewohnt hatte. Während dieser Zeit, als die Familie noch bei uns zur Miete lebte, hatte sich ihr Sohn Fritz hinter den Ribiselstauden einen Gang von ihrem zu unserem Garten gegraben, um zu mir zu gelangen. Fritz musste viel arbeiten und seinen Eltern helfen.
Der Vater war bei der Post und in seiner Freizeit ein sehr guter Jäger. Die Mutter war Schneiderin und somit war ein geregeltes Einkommen vorhanden. Doch trotzdem war stets Sparen angesagt. So kam Fritz immer zu mir zum Spielen, da ich über große Mengen an Spielzeug verfügte, weil mein Großvater wollte, dass es mir an nichts mangelte. Zumal ich ja ohne Mutter aufwachsen musste, war er immer um mich bemüht und verwöhnte mich sehr. Wenn der Fritz also herüberkam, versorgte uns meine Großmutter immer mit einer kleinen Jause, wie den heiß geliebten Butter- und Marmeladebroten. Und rief die Mutter ihren Sohn Fritz, so schlüpfte er blitzschnell durch den Gang zurück in ihren Garten hinüber und tat so, als ob er dort gearbeitet hätte. Leider zog die Familie später, wie bereits erwähnt, in die Krautberggasse. Vor dem Haus stand ein riesiger Klarapfelbaum, dessen Früchte am frühesten reif waren. Bei der Ernte waren wir Buben der Mühlstraßenbande immer als Erste zur Stelle. Nun, schließlich stand der Baum in der Nähe des Schwarzbaches, der natürlich zu unserem Bezirk gehörte. Zwei von unserer Truppe kletterten auf den Baum und warfen die gepflückten Äpfel in den Bach, wo weitere Buben standen, die das Obst dann herausfischten. Anschließend wurden die Äpfel unter der Streicherbrücke deponiert und für den späteren Verzehr aufgehoben. So freute sich jedes Jahr die Tante Peperl darüber, dass ihr Baum abgeerntet wurde, und wir waren glücklich über den Ertrag.
Nachdem der Fritz schon etwas älter war, ging er immer mit den Jägern zur Jagd und erlernte das Weidwerk von Kindesbeinen an. Er war äußert versiert, geschickt und mit der Zeit besonders zielsicher. Sein Vater war stolz auf ihn, denn er war mit Leib und Seele dabei. Tante Peperls Nachbarn besaßen einen Hühnergarten, in dem das Federvieh den ganzen Tag frei umherlaufen konnte. Fritz, der alte Wildschütz, beobachtete sie oft über längere Zeit durch die Ritzen des alten Stadels, der in Tante Peperls Garten stand. Zu diesem Zweck bohrte er zusätzlich einige Löcher in die Holzwand, um nötigenfalls von dort aus mit seinem Luftgewehr auf Spatzen zu schießen, die sich am Hühnerfutter gütlich taten. Wie viele Spatzen er dabei ins Jenseits befördert hatte, weiß keiner ganz genau. Wir anderen Buben waren erst viel später im Besitz eines Luftgewehrs, da war uns der Fritz um einiges mit seiner Schießkunst voraus. Aber als guter Freund zeigte er uns hin und wieder die Praktiken, die man zum Schießen erlernen musste. Ab und zu kauerten wir Buben auch gemeinsam im Stadel, um die Hühner zu beobachten und die Spatzen zu verscheuchen.
Eines Abends, als wir uns gerade auf den Heimweg machen wollten, vernahmen wir plötzlich seltsame Geräusche. Zugleich tauchte in Garten der Nachbarn eine dunkle Erscheinung auf. Da es schon dämmerte, fiel es uns allen schwer, etwas Genaues zu erkennen. Doch als der dunkle Schatten immer näher Richtung Hühnerstall kam, konnten wir erahnen, dass es sich um einen jungen Mann handelte. Er war mit einem schwarzen Pullover bekleidet und einer dunklen Kniebundhose, aus der dünne Waden wie Trommelstöcke herausschauten. An den Füßen trug er unheimlich große Schnürschuhe, auf dem Kopf thronte eine Art Tiroler Hut und sein Gesicht war durch ein Tuch zum größten Teil verdeckt. Es war eine wirklich unheimliche Gestalt, die sich uns langsam näherte. Aber dort oben, in Tante Peperls Stadel, waren wir in Sicherheit. Hier würde uns niemand vermuten. Und so blieben wir ganz ruhig liegen, atmeten nur ganz leise und beobachteten weiter den Eindringling. Mit seinen viel zu großen Schuhen stampfte er etwas behäbig über den Boden. Er schaute nach links und rechts und griff sich dann blitzschnell eines der Hühner. Da fing das Federvieh mächtig an zu gackern, doch das hielt den Dieb nicht von seinem Vorhaben ab.
Wir beobachteten noch kurz dieses kriminelle Treiben, berieten uns und beschlossen einstimmig, dass es von Nöten war, diesem ein rasches Ende zu setzen. So gaben wir ein paar Warnschüsse mit dem Luftgewehr ab, was eine hervorragende Wirkung erzielte. Der Strolch ließ sofort das Huhn fallen, nahm seine Beine in die Hand und rannte, wie von der Tarantel gestochen, davon. Dabei stolperte er jedoch mehrere Male über seine viel zu großen Schuhe und landete im Hühnerdreck. Schnell stand er wieder auf, bevor ihn jemand ergreifen konnte, sprang mit ziemlicher Mühe über den Zaun und rannte die Krautberggasse hinauf. Wir Buben bekamen uns vor Lachen nicht mehr ein und waren zudem äußerst stolz über unsere Aktion. Ganz davon abgesehen, war uns der Dank der Nachbarfamilie gewiss, denn sie hatten von all dem Treiben erst viel zu spät etwas mitbekommen und waren froh über unseren tapferen Einsatz. Jeder von uns bekam ein ¬frisches Hühnerei, das – da waren wir uns sicher – besser als jedes je zuvor verspeiste Ei geschmeckt hatte.

Der "Große Buchstein"

Wer ein Kind der Berge sein will, der muss auch manchmal in die Berge gehen. Nun ja, das hieß, in den frühen Morgenstunden aufstehen, durch eine starke Tasse Tee wach werden, sich seine Bergschuhe und den Rucksack greifen und Richtung Auto marschieren. Für uns Kinder nicht immer der glücklichste Moment der Ferien, aber im Laufe des Tages änderte sich diese Einstellung. So fuhren wir im Frühnebel Richtung Hieflau, an Altenmarkt bei St. Gallen vorbei, und erreichten nach einigen Stunden den Fuß des »Großen Buchsteins«. Unterwegs konnten wir sogar einige Rehe und einen Fuchs erspähen und das hellte unsere Stimmung sofort auf. Auf einem Parkplatz schnürten wir unsere Bergschuhe zu, zogen unsere Jacken an, denn es war noch recht frisch, und warteten auf unsere Freunde, die mit uns den Berg besteigen wollten. Schließlich waren alle beisammen und die erste Etappe ging empor zum Buchsteinhaus, auf 1546 Metern Höhe gelegen. Oben angekommen, gab es ein Erfrischungsgetränk und eine Brettljause. Danach kam der spannende Teil des Tages. Unser Freund Helmut, der schon viele Gipfel rund um die Erdkugel bestiegen hatte, zeigte uns, wie man bestimmte Knoten macht, und ließ uns, nachdem er uns ein Brustgeschirr angelegt hatte, gesichert an einem Felsvorsprung die ersten Kletterübungen machen.

Mühlstraßenbande

Erzählungen, Franz Strasser
Verlag Bibliothek der Provinz
ISBN 978-3-99028-383-7
19 x 12 cm, 100 S., € 13,00

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