100 Jahre NÖ
Fahrafellner – "Wehr passt sich Herausforderungen an"

Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner über das Feuerwehrherz, die Mehrwertsteuer und ... das Wohnzimmer.
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100 Jahre Niederösterreich: Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner über das Geld, Ausrüstung, das Feuerwehrherz und ... das Wohnzimmer.

NÖ. "Das Feuerwehrwesen hat sich im Laufe der Jahrzehnte an die Herausforderungen angepasst und ist mit der Zeit gegangen", sagt Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner.
Am 1. Jänner 1922 hat sich unser Bundesland Niederösterreich von Wien getrennt. Grund genug, um zurück- aber auch in die Zukunft zu schauen. 

Dietmar Fahrafellner gratuliert zum 100er:

Bei der Feuerwehr wurde etwa die Jugendarbeit auf neue Beine gestellt, Sonderdienste wurden aufgebaut in weiser Voraussicht betreffend Klimaveränderungen:

"Wir haben unseren Katastrophenhilfsdienst einerseits mit verschiedenen Gerätschaften wie Großstromerzeuger ausgestattet, andererseits wurde die Mannschaft bis hin zur Waldbrandbekämpfung ausgebildet. Das hat uns in den letzten Jahren bereits sehr viel geholfen",

so der Kommandant, dass man aus der Vergangenheit gelernt habe. Er spricht das Hochwasser 2013 im Bereich der Donau an, "wo wir auch unsere Evaluierungen angesetzt haben und entsprechende Verbesserungen durchgeführt wurden". Eine eigene zentrale Atemschutzwerkstätte wurde ins Leben gerufen, ein neuer Containerterninal und das neue Katastrophenschutzlager errichtet – "das alles waren intelligente Entscheidungen, die sich mehr als bezahlt gemacht haben".

Money, Money, Money

Doch wer investiert braucht Geld. Woher nehmen? Das kommt über den Katastrophenfonds des Bundes über das Land NÖ, womit die vorgeschriebenen Anschaffungen getätigt werden können. Geld kommt aber auch aus der Feuerschutzsteuer, womit der Betrieb sichergestellt wird. Inklusive Schulbetrieb im Feuerwehr- und Sichrheitszentrum, sowie Anschaffung von Fahrzeugen. Natürlich ist es auch Aufgabe der Gemeinde, finanzielle Mittel locker zu machen, und zuletzt – einen nicht unbeträchtlichen Teil – tragen die Feuerwehren durch Feste oder Sammlungen selbst dazu bei.

"Und das ist europaweit einzigartig, dass für gesetzlich vorgeschriebene Sicherheit jene Leute, die die Tätigkeit freiwillig und unentgeltlich mit zahlreichen Stunden durchführen, dann auch hier einspringen und mitfinanzieren",

zeigt Fahrafellner auf. Das Land NÖ habe als einziges Bundesland in Österreich auch erkannt, dass es Sinn machen würde, die gesetzliche Mehrwertsteuer rückzuvergüten. "Wir haben schon immer aufgezeigt, dass es nicht sinnvoll ist, Feuerwehrfeste zu machen, nur um die Mehrwertsteuer begleichen zu können". Diesbezüglich ist man mit dem Bund in Verhandlungen getreten und werde auch an der Sache dranbleiben. Dranbleiben heißt es auch in Sachen bevorstehende Veranstaltungen. Aber Corona ...

Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner im Gespräch mit Karin Zeiler
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Absagen und verschieben

Zwei Jahre lang mussten die Kameraden alle Bewerbe (und Feste) auf Eis legen. Jetzt ist man zuversichtlich, dass es 2022 besser wird. Geplant war der 70. Landesfeuerwehrleistungsbewerb in Tulln im Juli 2020. Heuer soll er als reines Bewerbswesen und "ohne das kameradschaftliche Rundherum" durchgeführt werden. Die Bundesbewerbe, die auch schon seit zwei Jahren überfällig sind, werden im August 2022 abgehalten", hofft der Landesfeuerwehrkommandant – bedingt durch die Impfpficht – auf eine höhere Durchimpfungsrate. Bei der Feuerwehr liegt diese apropos bei 92 Prozent.

Von der Couch ins Feuerwehrhaus

"Ich hab vernommen, dass andere Organisationen mit der Freiwilligkeit bei der Mitarbeit kämpfen. Bei uns ist es so, dass wir uns die Frage stellen müssen, wie wir die Leute von Wohnzimmern und Gärten wieder in die Feuerwehrhäuser bringen", so der 53-Jährige. Es sei dennoch gut gelungen, wie man am Beispiel Hirschwang sieht:

"Über zwei Wochen lang wurde der Einsatz mit 8.000 freiwilligen Feuerwehrleuten durchgeführt. Das ist einzigartig. Und an dem Muster erkennt man, dass die Bereitschaft da ist und das Feuerwehrherz weiterschlägt. Und das wird uns auch in Zukunft niemand nehmen können".

Natürlich werde man auch seitens der Führung Motivationsmodelle aufstellen und versuchen, Feuerwehrkommandanten zu helfen, diese Leistungs- und Einsatzstärke weiterhin aufrecht zu erhalten.

Feuerwehr in der Schule

Die Aktion "Gemeinsam.Sicher.Feuerwehr " in den Schulen in Absprache mit dem Bildungsdirektor soll wieder im Unterricht stattfinden, um die Jugend für die Feuerwehr zu gewinnen. "Zu Gute kommt uns, dass wir vor zwei Jahren die Kinderfeuerwehr gegründet haben. Die hat einen großen Zustrom", so Dietmar Fahrafellner, dass man bei der Feuerwehr durch Kommunikation auf neue Medien setzt.

Weitere Beiträge zum Thema 100 Jahre Niederösterreich auf unserem Channel: meinbezirk.at/100-jahre-nö

Mehr zum Bundesleistungsbewerb:
bflb2022.at

Mehr zur Aktion: Gemeinsam.Sicher.Feuerwehr

+++ABGESAGT+++70. Landesfeuerwehrleistungsbewerb
Heute heißt es offiziell "Brand aus" am Mittagstein, ABER...

Fakten zum Feuerwehrwesen in NÖ

Wussten Sie eigentlich, dass die ersten Feuerwehren in Niederösterreich als Turnerfeuerwehren eng mit Turnvereinen verbunden waren?
Der erste Feuerwehrtag in NÖ fand am 17.5.1869 in Baden statt. Teilnehmer:
• 12 Freiwillige Feuerwehren
• 6 Turnerfeuerwehren
• Gäste u. a. aus Graz, Klagenfurt, Linz, Ödenburg, Reichenberg

Unterschiedliche Auffassung über die zukünftige Form des Feuerwehr-Verbandes. Einigung:
„Der Verband der Turnvereine und freiwilligen Feuerwehren ist ein gemeinschaftlicher.“
Turn- und Feuerwehrtage am gleichen Ort, aber getrennt.
Am zweiten Feuerwehrtag am 15.8.1870 in Wiener Neustadt wurde das erste Grundgesetz beschlossen. Am Vorabend hatten die Turner einen gemeinsamen Verband abgelehnt. Daher der Name: „Verband der Freiwilligen- und Turner-Feuerwehren Nieder-Oesterreichs“

Themen des NÖLFV bis 1914:

• Mitarbeit an neuen NÖ Feuerpolizeiordnung (1870)
• Benützung von Telegraphen zur Alarmierung
• Benützung der Eisenbahn für Fahrt zum Einsatz
• Kennzeichnung der Einsatzleitung durch rote Fahne bzw. Laterne
• keine militärischen Abzeichen
• keine Paradeuniformen und sonstiger Luxus (z. B. Fahnen)
• Regelung der Subvention
• Gründung von sozialen Hilfswerken (Unterstützungskassa etc.)
• Einheitliche Dienstgradabzeichen und Uniform
• Regelung des Rettungs- und Krankentransportdienstes
• Auszeichnung / Ehrung für langjährige Mitglieder
• keine eigenen Wasserwehren, nur im Rahmen von Feuerwehren (Beschluss 1901)
• vergünstigte Kuraufenthalte für Verunglückte oder an der Tuberkulose erkrankte Feuerwehrmänner

Zwischenkriegszeit

• Zunehmende Motorisierung (Motorspritzen und Fahrzeuge)
• Verbesserung der Ausbildung (Kurse, Gründung der Feuerwehrschule 1933 in Wiener
Neustadt – bis 1954 eine Einrichtung des NÖLFV)
• Enge Bindung an das Rote Kreuz (Vereinbarung 1933)
• Bildung der ersten Fachausschüsse im NÖLFV (1925)
• Neue NÖ Feuerpolizeiordnung (1927)
• Feuerwehren halten sich aus politischen Unruhen heraus (1934)

NS-Zeit
• Umgestaltung und Umrüstung nach reichsdeutschen Richtlinien (Ausrüstung, Adjustierung, Taktik, Ausbildung)
• Aufstellung von Feuerwehr-Bereitschaften sowie von FE-Einheiten (Feuerlösch- und Entgiftungseinheiten) der Luftschutzpolizei zum Einsatz nach Bombenangriffen
• Frauen als „Feuerwehr-Helferinnen“

Nachkriegszeit
• Neugründung des Landesfeuerwehrverbandes (1947)
• Feuerwehrschule nimmt Betrieb wieder auf (1947)
• Rettungsdienst bleibt beim Roten Kreuz
• Unterstützung für die Freiwilligen Feuerwehren in Groß-Wien
• Neuausrüstung der Feuerwehren (u. a. mit UNRRA-Fahrzeugen [United Nations Relief and Rehabilitation Administration])
• Altstoffsammlung für Uniformstoffe
• Subventionen nur in Form von Schläuchen und Bargeld

1951: 1. Landes-Feuerwehrwettkämpfe in Stadt Haag
1954: Feuerwehrschule (seit 1950 in Tulln) wird Einrichtung des Landes NÖ, fachliche Leitung blieb beim NÖLFV
1955: Beratungen im NÖLFV über Funk (1960 gestartet)
1956: 1. Wasserwehr-Wettkämpfe
1958: 1. Bewerb um das Feuerwehrleistungsabzeichen in Gold
1954: 1. Katastrophen-Einsätze der Feuerwehren (Hochwasser)
1959: Aufstellung der ersten Katastrophenhilfszüge des NÖLFV („Feuerlösch- und Bergedienst“, seit 2002 KHD („Katastrophenhilfsdienst“)
1960: 1. Sprengmeister-Lehrgang in der NÖ LFWS
1963: 1. Taucheinsatz der NÖ Feuerwehr-Taucher
1964: 1. Strahlenschutz-Lehrgang in der NÖ LFWS
1964: Feuerwehrstreife bei Landesbewerben
1969: 100 Jahre Landesfeuerwehrverband, 4. Internationale Feuerwehrwettkämpfe des CTIF in Krems
NÖ Feuerpolizei- und Feuerwehrgesetz (NÖ FFG) tritt in Kraft
1972: Systematischer Aufbau der NÖ Feuerwehrjugend beginnt
1975: 1. Einsatz des Versorgungsdienstes beim Landestreffen der Feuerwehrjugend in Mautern
1978: Aufbau des Flugdienstes im NÖLFV
1978: Aufbau des Warn- und Alarmdienstes (Testbezirk NK)
1979: Eröffnung des ersten NÖ Feuerwehrmuseums in Tulln
1979: Eröffnung des Hauses der NÖ Feuerwehrjugend Altenmarkt an der Ysper
1983: Zivildienst auch bei der Feuerwehr
1984: Durchschaltung des Notrufes zu einer Zentrale ermöglichte die Schaffung von Bezirks-Alarmzentralen (Abschluss erst 1998)
1986: Beschluss, das LFKDO nach Tulln zu verlegen
1993: LFKDO übersiedelt von Wien nach Tulln
1994: Frauen werden aufgenommen
1995: Senkung des Eintrittsjahres in die FJ von 12 auf 10 Jahre
1997: Erste Schritte zur Einführung des Modulsystems in der Ausbildung
1998: 1. Landes-Florianifeier (in Verbindung mit dem Landesfeuerwehrtag)
2004: Spatenstich für neue LFWS und neues LFKDO
2006: Eröffnung der neuen LFWS und des neuen LFKDO
2007: Beginn der systematischen Anschaffung von Großgeräten aller Art für den Katastropheneinsatz (Großpumpen, Logistikfahrzeuge, Notstromaggregate, Teleskoplader)
2010: Beginn der schrittweisen Umstellung des Funknetzes und der Funkalarmierung auf digitale Systeme
2011: Neue Feuerwehr-Ausrüstungsverordnung
2014: Kommunikationsplattform „feuerwehr.gv.at“
2015: Zentrale Atemschutzwerkstätte (ZAW)
2015: Leistungsschau „KAT 15“ mit Eröffnung der neuen Halle
2016: Neues Feuerwehrgesetz in Kraft (NÖ FG 2015)
2016: Verbesserter Impfschutz
2017: Mehrwertsteuer-Rückvergütung
2018: Spatenstich Container-Terminal und Archiv

Einsätze
1885: Großbrand Pöchlarn
1897: 1. großer Hochwassereinsatz
1926: Großbrand Kremser Altstadt
1954: Hochwassereinsatz Donau
1962: Dombrand St. Pölten
1966: 1. Katastrophenhilfseinsatz im Ausland (Italien)
1978: Brand Polstermöbelfabrik Sleepy Vösendorf
1978: Gasexplosion St. Pölten
1986: AKW-Unfall in Tschernobyl (1. Einsatz für den Strahlenschutzdienst des NÖLFV)
1991: Donauhochwasser
1992: Hofburgbrand Wien (Unterstützung der BF Wien)
1992: Waldbrand Schneeberg
1994: Anninger-Waldbrand
1997: Donauhochwasser
1999: Gasexplosion Wilhelmsburg
2000: Autobusunfall A1 bei Pöchlarn
2002: Donauhochwasser
2006: Hochwasser
2009: Hochwasser
2010: Gasexplosion St. Pölten
2012: Großbrand Innenstadt Baden
2013: Donauhochwasser

Katastrophenhilfseinsätze außerhalb von NÖ

Jahr; Ort/Land (Staat); Anlass; Mann; Tage
1965: Köflach/Steiermark; Überschwemmung; etwa 68; 5;
1966: Treviso (Motta di Livenza); Überschwemmung; 47; 7
1976: Friaul (Gemona); Erdbeben; 67; 9
1998*: Korcula/HR; Waldbrand; 2; 4
2005: Rumänien; Hochwasser; 52; 5
2005: Bulgarien; Hochwasser; 9; 3
2005: Mittersill/Salzburg; Hochwasser; 68; 5
2005; Ischgl, Kappl, Nederle, Pfunds, Wörgl/Tirol; Hochwasser; 258; 8
2007: Mazedonien; Waldbrand; 2; 4
2010: Bosnien und Herzegowina; Hochwasser; 6; 3
2014: Slowenien; Schneechaos; 331; 18
2014: Bosnien und Herzegowina; Hochwasser; 170; 21

* Kein KHD-Einsatz, sondern Auslandseinsatz des Flugdienstes des NÖLFV

Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner über das Feuerwehrherz, die Mehrwertsteuer und ... das Wohnzimmer.
Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner im Gespräch mit Karin Zeiler
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