So schaut die Zukunft des Öffentlichen Verkehrs in Niederösterreich aus

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Vergangene Woche veranstaltete das Land Niederösterreich sein erstes Symposium zum Öffentlichen Verkehr und den Zukunftschancen bis 2030. „Niederösterreich hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Während vor 15 Jahren der Fokus vor allem auf die Schaffung von Verkehrsinfrastruktur lag, so ist heute das Zeitalter des Öffentlichen Verkehrs in Niederösterreich gekommen. Wir haben alleine in den vergangenen 5 Jahren unsere Verkehrsleistungen auf der Bahn um über 3 Millionen Kilometer ausgebaut und unser Landesbudget für Öffentlichen Verkehr seit 2011 um 75 Prozent auf 140 Millionen Euro für 2018 gesteigert. Und auch die Fahrgastzahlen sind deutlich gestiegen – rund 800.000 Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher fahren heute öffentlich! Das sind um 130.000 Personen mehr als noch im Jahr 2011“, stellt Verkehrslandesrat Karl Wilfing bei seiner Keynote am Symposium fest.

Herausforderungen für den Öffentlichen Verkehr aufgrund der Größe des Landes

Gerade in Niederösterreich sei der Öffentliche Verkehr schwieriger als sonst wo zu organisieren – neben Gebirgsregionen, Flachlagen, Tälern und Grenzregionen gebe es auch Ballungszonen und alle seien gleichermaßen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu versorgen. „Und daher sind auch die Anforderungen an den Öffentlichen Verkehr genauso anspruchsvoll wie unsere Geographie. Der Ballungsraum rund um Wien benötigt ein anderes Angebot als beispielsweise das Mostviertel. Deshalb setzen wir gerade in ländlichen Regionen stark auf individuelle Mobilitätslösungen für die ‚letzte Meile‘, während wir beispielsweise im Wiener Umland auf S-Bahn Viertelstundentakte bauen“, so der Verkehrslandesrat.

All diese Aspekte müssten berücksichtigt werden, um einen groß gedachten und genauso bis ins Detail ausgearbeiteten Fahrplan für ein ganzes Bundesland und seine Menschen zu erschaffen. „Wir wollen kein Flickwerk, sondern das Große im Blick und gleichzeitig ein Sensorium für die Bedürfnisse und Ansprüche kleinster Einheiten. Ich bin froh, dass wir genau das mit dem ‚Mobilitätskonzept 2030+‘ und dem ‚Mobilitätspaket 2018-2022‘ geschafft haben. Damit haben wir den Weg Niederösterreichs in die Zukunft im Öffentlichen Verkehr klar vorgezeichnet“, stellt Wilfing fest.

Das „Mobilitätskonzept 2030+“ des Landes Niederösterreich stellt Multimodalität und die intelligente Verknüpfung aller Verkehrssysteme in den Vordergrund. Daher wird beispielsweise massiv wert auf den Ausbau der P&R-Anlagen gelegt. Hier ist Niederösterreich mit 38.500 PKW-Stellplätzen Vorreiter, denn das sind in Summe mehr PKW-Stellplätze als alle anderen acht Bundesländer zusammen haben. Ziel ist es, bis 2025 auf insgesamt 50.000 Stellplätze zu kommen. Die Hauptachsen sollen gestärkt werden, während die Regionalbahnen und Buslinien als Zubringer fungieren.

Das „Mobilitätspaket 2018-2022“ beschäftigt sich hingegen vor allem mit der mittelfristigen Perspektive. Bis 2022 werden damit rund 3,3 Milliarden Euro in Mobilität investiert – unter anderem in den Bau von 4.500 P&R-Stellplätzen und weitere Taktverdichtungen im ganzen Land und auf allen Bahnlinien.

Neues Bahnpaket kommt

„Erst kürzlich haben wir außerdem mit den ÖBB ein Bahnpaket unterschrieben und uns klar darauf festgelegt, in die Attraktivierung unserer Regionalbahnen zu investieren – Langsamfahrstellen werden ausgebessert und 121 Bahnhöfe modernisiert. Ziel ist es dabei, Fahrzeiten zu verkürzen und den Komfort für die Pendlerinnen und Pendler zu steigern. Dafür investieren wir gemeinsam mit den ÖBB bis 2030 rund 875 Millionen Euro. Kein Land investiert so viel wie Niederösterreich in seine öffentlichen Verkehrsmittel – wir sind daher heute Musterschüler im Öffentlichen Verkehr“, informiert Wilfing über das Infrastruktur-Ausbauprogramm.

Beim Symposium kamen aber auch namhafte Experten zu Wort wie Univ.-Prof. Sebastian Kummer von der WU Wien, Prof. Rolf Moeckel von der TU München, Vorsitzender Martin Husmann vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, der oberste Verkehrsplaner des Landes NÖ Werner Pracherstorfer sowie VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll.

Kummer untersuchte in einer Studie die direkten Auswirkungen von Investitionen in den Öffentlichen Verkehr auf die Regionen. Dabei kam er zum Schluss, dass hohe Investitionen Regionen direkt beflügeln können – beispielsweise im Pielachtal. Hier wurden durch das Land Niederösterreich rund 140 Millionen Euro in die Attraktivierung der Mariazellerbahn investiert. Das führte dazu, dass es keine Abwanderung gab und sowohl Wirtschaft als auch Tourismus angekurbelt wurden. Das lasse sich aber auch auf andere Regionen umlegen – bspw. wenn im Waldviertel die Franz-Josefs-Bahn attraktiviert wird.

Moeckel betrachtete die geschichtliche Entwicklung des Öffentlichen Verkehrs. Da es im 13. Jahrhundert nur Pferde und Fußwege gab, waren die Menschen gezwungen, auf engem Raum zu siedeln. Die Eisenbahn ermöglichte es hingegen, dass man auch weitere Strecken pendeln konnte und peripherere Räume erschlossen werden konnten. Die Zukunft sieht Möckel vor allem in autonomen Systemen – sowohl im Straßen- als auch im Öffentlichen Verkehr.

Hussmann bewertete vor allem die Erfahrungen des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr mit Ausschreibungen in Öffentlichen Verkehr. So habe man durch den Wettbewerb einerseits auf das Bruttobestellungsprinzip wechseln können und andererseits Kosten pro Zugkilometer gespart, wodurch man auf über 49 Millionen Zugkilometer im Verkehrsverbund ausweiten konnte.

Wolfgang Schroll und Werner Pracherstorfer verwiesen auf die Rolle des Landes Niederösterreich als umfassender Mobilitätsbesteller. Das Land gestalte die Verkehrspolitik so, dass alle Gemeinden im Land mit Öffentlichem Verkehr versorgt sind und gleichzeitig innovative Mobilitätslösungen in den Gemeinden und Regionen gefördert werden.

OR-GF Wolfgang Schroll, Prof. Rolf Moeckel, Vorstandsvorsitzender Martin Hussmann, Verkehrslandesrat Karl Wilfing, Prof. Sebastian Kummer, Gruppenleiter Werner Pracherstorfer

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