Dieter Brosz im Interview: "Was ist mehr wert? Lebensqualität oder Gewinne?"

Dieter Brosz: "Die Grünen sind die einzige Partei, die eine Koalition mit der FPÖ absolut ausschließt."
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Warum braucht es die Grünen im Nationalrat?
Der Klimawandel ist dramatisch. Wir hatten in Österreich Überschwemmungen, Hagel. In den USA gab es jetzt jede Woche die stärksten Wirbelstürme, die jemals entstanden sind. So ein Sturm ist inzwischen so groß wie ganz Österreich. Die Ursachen dafür sind, dass der Ozean nur um ein Grad wärmer ist als normal. Jetzt gibt es aber Prognosen, dass die Erwärmung insgesamt vier Grad ausmachen wird. Die Grünen sind die Einzigen, die hier auch schmerzhafte Maßnahmen einfordern, um das zu verhindern.

Wie können wir in Niederösterreich diese Entwicklung stoppen?
Die Energiewende und der Ausstieg aus Öl und Gas ist möglich. Die Sonne und der Wind schicken auch keine Rechnung, somit ist der Anreiz umzusteigen groß. Man kann schon Häuser bauen, die keine Heizung mehr brauchen, weil die Passiv-Technologie funktioniert. Bei der Mobilität müssen wir – wie der Dieselskandal zeigt – die E-Mobilität stärken und den Öffi-Verkehr ausbauen.

Niederösterreich investiert hier ohnehin schon viel Geld ins Öffi-Angebot
Dort wo die Grünen in der Regierung sind, ist es gelungen, etwa durch niedrigere Preise den Öffi-Anteil massiv zu steigern. Das sind Kernthemen. Da geht es um die Zukunft der Kinder und ob man in Österreich in 50 Jahren noch so leben kann wie heute.

Sie fordern das 365 Euro-Jahresticket für alle Öffis

In Wien war das ein wichtiger Faktor, dass viele Menschen umgestiegen sind. Am Land muss man zuerst auch ein besseres Angebot schaffen, denn wenn Öffi-Verkehr billig ist, aber ich habe ihn nicht, dann nutzt das nichts. Konkret schlagen wir folgendes Modell vor: Pro Bundesland zahlt man ein 365 Euro-Jahresticket. Bei einem Wien-Pendler wären das also 730 Euro pro Jahr. Um den dreifachen Preis, also um 1.095 Euro wären dann alle Öffis in ganz Österreich inkludiert.

"Man könnte das verbesserte Öffi-Angebot über eine flächendeckende Lkw-Maut finanzieren."
-Dieter Brosz, Grüne

Wie soll man das finanzieren?
Ja, das 365 Euro-Ticket wäre billiger als jetzt. Andererseits kommt mehr Geld herein, weil die Nutzung steigt. In Wien sind die Einnahmen sogar gestiegen, weil viel mehr Leute das Ticket nutzen. Zusätzlich könnte man das verbesserte Öffi-Angebot über eine flächendeckende Lkw-Maut finanzieren. Oder über Gebühren, wenn man in Innenstädte fahren will, so wie in London.

Braucht es ein Diesel-Fahrverbot in Innenstädten?
In Österreich wurden die Leute jahrzehntelang motiviert Dieselautos zu kaufen, obwohl das problematisch war. Alleine die Feinstaubbelastung. Das war ein Fehler. Jetzt braucht es eine Übergangsphase, weil man die Dieselautos ja nicht wegzaubern kann. In gewissen Situationen wird es aber ohne Beschränkungen nicht gehen. Etwa, wenn die Feinstaubbelastung zu hoch ist, wird es Fahrverbote geben müssen. In zehn Jahren werden aber Elektroautos ohnehin die Norm sein. Ich selber fahre seit vier Jahren ein Elektro-Auto und ich habe damit noch nie woanders getankt als daheim.

Sie und ich, wir können das, weil wir in einem Eigenheim am Land wohnen. Aber wie sollen Bewohner von Innenstadt-Wohnungen daheim tanken?
Bei Neubauten wird schon jetzt standardisiert eine Tiefgarage errichtet. In Zukunft wird jeder Stellplatz in der Garage einen Ladeanschluss haben. In Zukunft sollte auch Standard sein, dass man Dachflächen zur Stromproduktion benutzt.

"Wien braucht keine dritte Piste. London Heathrow, der größte Flughafen in Europa, hat auch nur zwei Pisten."
-Dieter Brosz, Grüne

Auch die ÖVP Niederösterreich heftet sich den Umstieg auf erneuerbare Energie auf die Fahnen. Was unterscheidet Sie hier von der ÖVP?
Das ist der Unterschied zwischen Umsetzen und schönen Sonntagsreden. Ein Beispiel ist die dritte Piste am Flughafen Wien. Jeder der die Studien kennt, weiß: Wien braucht keine dritte Piste. London Heathrow, der größte Flughafen in Europa, hat auch nur zwei Pisten. Offenbar soll Wien aber zu einem Drehkreuz im internationalen Flugverkehr werden. Natürlich würde das Jobs bringen, aber 2,5 Millionen Menschen im Einzugsgebiet des Flughafens würden damit belastet. Da stellt sich die Frage, was mehr Wert ist: Die Lebensqualität von Millionen oder die Gewinne der Aktionäre des Flughafens. Da sind wir die Einzigen, die sagen: Nein!

Die Grünen kämpfen um den Wiedereinzug ins Parlament. Was ist Ihr stärkstes Argument, warum es die Grünen braucht?
Weil derzeit ein Wettkampf besteht, wer mit der FPÖ koalieren darf. Die Grünen sind die einzige Partei, die sagt: Mit uns gibt es keine Koalition mit der FPÖ. Wer also eine FPÖ in der Regierung verhindern will, muss Grüne wählen.

In Wiener Neustadt sind die Grünen aber mit der FPÖ Teil der "Regenbogen-Koalition", die Klaus Schneeberger zum Bürgermeister gekürt hat...

Das ist ein großer Irrtum. In Wiener Neustadt gibt es keine Koalition. Wir haben gemeinsam den Bürgermeister gewählt, das ist keine Koalition. Es braucht dort gar keine Koalition, weil es auch eine Mehrheit ohne Grüne gibt. Eine Koalition mit der FPÖ ist definitiv ausgeschlossen.

Alle Infos und aktuelle Nachrichten zur Nationalratswahl 2017 findet ihr in unserem Themen-Channel.

Autor:

Oswald Hicker aus Niederösterreich

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