Politik gefordert: Lärmgrenzwerte zu hoch
Lärmschneisen an Autobahnen in gesundheitsschädlichem Ausmaß

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Unbestritten ist, dass Lärm Krankheiten erzeugt, vor allem wenn er sehr laut oder sehr dauerhaft ist. Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU gibt es Grenzwerte basierend auf aktuellen, umfangreichen medizinischen Studien. Für den Autobahnbetreiber Asfinag gibt es Grenzwerte, die erheblich stärkeren - und damit gesundheitsschädlichen - Lärm erlauben.

WHO und EU haben im Jahr 2018 Grenzwerte veröffentlicht, an deren Entwicklung zwei unabhängige Expertengruppen für Umgebungslärm beteiligt waren, die sich einer neuen, strikt evidenzbasierten Methodik bedienten. Die Leitlinien für die Begrenzung von Umgebungslärm finden sich auf der WHO Webseite

Starke Unterschiede zwischen WHO und Asfinag Grenzwerten

Die neuen Leitlinien der WHO für Europa verlangen für die durchschnittliche Lärmbelastung durch den Straßenverkehr einen Pegel von weniger als 53 dB und in der Nacht von weniger als 45 dB.

Der Webseite der Asfinag dagegen sind Lärmgrenzwerte von 60 dB am Tag und 50 dB für die Nacht zu entnehmen.

Die Grenzwerte der Asfinag liegen erheblich damit über den Werten, ab denen eine Gesundheitsschädigung zu erwarten ist. Um eine gefühlte Lautstärkeverdoppelung oder Lautstärkehalbierung hervorzurufen, muss der Schalldruckpegel nur um etwa 10 dB(A) erhöht oder gesenkt werden.

Lärmkarten irreführend

Sieht man sich die Lärmkarten an, so ist klar ersichtlich, dass in dicht besiedelten Gebieten, wie im Bezirk Korneuburg, alle Grenzwerte der WHO bei Tag und bei Nacht massiv überschritten werden. Gerade in Niederösterreich führen einige Autobahnen durch sehr dicht besiedeltes Gebiet vor allem im Speckgürtel rund um größere Städte. Im Donautal geht die A22 unmittelbar neben seit langen dicht bewohnten Gebieten vorbei, Ausweichen wegen Donau bzw Au nicht möglich.

Die Asfinag vermittelt unter der Überschrift "Verantwortungsvoller Lärmschutz" auch gleich, dass man darauf keine Chance hat. "Besteht der Verdacht, dass die Grenzwerte nicht eingehalten werden, ist zunächst eine sogenannte "Generelle Lärmschutzuntersuchung (GLU)" durchzuführen. Im Zuge dieser ermitteln wir im betroffenen Straßenabschnitt die Anzahl der schutzwürdigen Personen mit Grenzwertüberschreitungen im Ist- und Prognosezeitraum. Anschließend werden mögliche wirtschaftlich vertretbare Lärmschutzmaßnahmen definiert. So diese nicht wirtschaftlich sind, ist eine Mitfinanzierung Dritter erforderlich."

Gemessen wird nicht

Die Ermittlung erfolgt durch Modellrechnung und nicht durch die Messung des tatsächlichen Lärms. Dieser ist aber sehr stark von meteorologischen Einflüssen abhängig, wie etwa Luftfeuchtigkeit und Windrichtung. Der Vorort gemessene Lärm kann sich dadurch mühelos um 20 dB oder sogar noch mehr verändern.

Bei der A22 etwa oder bei allen Autobahnen in Tirol kann man sich selbst auf den offiziellen Lärmkarten leicht überzeugen, dass zigtausende, wenn nicht hunderttausende Menschen in Regionen wohnen, die weit über die Grenzwerte der WHO für Gesundheitsschäden hinausgehen. Und sowohl im Bezirk Korneuburg, als auch in Tirol sowie in vielen anderen Bezirken konnte sich die betroffene Wohnbevölkerung und selbst die Gemeindepolitiker davon zu überzeugen, dass die Asfinag allenfalls zu GLU und DLU (Detaillärmschutzuntersuchung) aber nicht zu effektiven Lärmschutzmaßnahmen bereit ist.

Auch die Landespolitik in Niederösterreich zeigt wenig Interesse, abseits des geplanten Ausbaus der Transitautobahn durch Wald- und Weinviertel. Auch eine Messung des Lärms ist das Büro von Verkehrslandesrat Schnabl gerade bereit an einer Stelle und nur für 24 Stunden zu finanzieren. Dass der so kurzzeitig gemessene Wert dabei je nach Wind und Wetter um 10, 20 oder mehr dB falsch sein, interessiert wenig.

Was geschehen muss

Der Lärm ist stark abhängig vom Verkehrsaufkommen und der Geschwindigkeit. Das Aufkommen lässt sich mittelfristig durch den Ausbau des öffentlichen Verkehrs reduzieren. Kurzfristig bringt Tempo 80 eine drastische Verringerung des Lärms, längerfristig eine Einhausung, wie das etwa mit der S1 im Bereich Korneuburg - G3 passiert ist. Zu hoffen ist auch, dass sich die neue Verkehrs- und Umweltministerin Leonore Gewessler für den Schutz der Menschen vor Lärm durch den Straßenverkehr einsetzen wird.

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