Niederösterreich hält in Corona-Krise zusammen
Mikl-Leitner: "Jetzt hilft nur ein Miteinander"

Bezirksblätter Chefredakteur Oswald Hicker im Gespräch mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner über Politik im Zeichen von Corona.
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Gerade in Zeiten einer Krise, ist eine ruhige, vertrauensvolle Führung gefragt. Neben dem Bundeskanzler schlägt die Stunde der Landeshauptleute. Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner beurteilt im Gespräch mit BEZIRKSBLÄTTER Chefredakteur Oswald Hicker die aktuelle Lage und spricht über die Sicherheit in Pflegeheimen, die sichere Versorgung der Lebensmittelgeschäfte und die Rettung von Arbeitsplätzen.

Das Coronavirus verbreitet sich seit vergangener Woche rasant im ganzen Land. Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation?
JOHANNA MIKL-LEITNER: Klar ist, dass wir gerade eine Ausnahmesituation erleben, die wir in der gesamten Zweiten Republik so noch nie hatten. Die nächste Zeit bringt für uns alle eine Veränderung unseres Lebens und unseres Lebensstils, damit wir besonders die Risikogruppen, Menschen mit Vorerkrankungen und die ältere Generation, schützen. Das geht am wirkungsvollsten, indem wir alle direkte soziale Kontakte so weit wie möglich unterlassen und Zuhause bleiben, wenn das möglich ist. Das Prinzip unseres Zusammenlebens muss jetzt lauten: Nicht berühren, aber dennoch aufeinander schauen und helfen.

Was braucht es, um eine unkontrollierte Ausbreitung verhindern zu können?
Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Unser wichtigstes Ziel ist jetzt, die Ausbreitung des Virus einzudämmen bzw. zu verlangsamen. Und alle Virologen sagen uns: Wenn wir die Sozialkontakte um ein Viertel reduzieren, dann sinkt auch die Ansteckungsrate rund um die Hälfte. Die bislang gesetzten Maßnahmen dienen genau zur Erfüllung dieses Ziels. Auch wenn es für uns alle schwierig ist und einiges an Disziplin abverlangt: Das sollte jede und jeder ernstnehmen.

Sie haben die Spitäler und Pflegeheime erwähnt: Wie sicher ist die Versorgung im Gesundheits- und Pflegebereich?
Wir können seitens des Landes sicherstellen, dass die Versorgung in unseren Landeskliniken und Pflege-Einrichtungen bestmöglich weitergeführt werden kann. Maßnahmen wie die Verschiebungen von geplanten Operationen, Besuchs-Verbote und Urlaubs-Einschränkungen im Kliniken- und Pflegebereich wurden bereits gesetzt. Darüber hinaus hat die Landesgesundheitsagentur weitere Vorsorgemaßnahmen getroffen, um für besonders gefährdete Personen Kapazitäten freizuhalten. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an unser Gesundheitspersonal, Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte, und auch allen anderen Menschen in wichtigen Versorgungsbereichen, die Großartiges leisten.
Durch die Grenzschließungen und die Situation in anderen Staaten ist vor allem auch die mobile Pflege betroffen. Müssen wir befürchten, dass es hier zu einer Einschränkung kommt?
Auch hier gilt, dass wir gut vorbereitet sind. Die Anbieter von Pflegedienstleistungen reagieren bereits und konzentrieren sich vor allem auf jene Menschen, die keine pflegenden Angehörigen haben. Auch in den Ministerien wird bereits an Lösungen für Ausnahmeregelungen für Pflege- und Betreuungskräfte aus Nachbarstaaten, die in Österreich arbeiten, gearbeitet. Gleichzeitig muss aber auch gewährleistet sein, dass sich niemand bei den Reisen nach Hause infiziert – insofern braucht es auch entsprechende Kontrollen.

Sehen Sie die Gefahr, dass es in anderen Bereichen, etwa bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Energie, zu Problemen kommen kann?
Die Bundesregierung hat versichert, dass die Gefahr von Engpässen nicht besteht. Sowohl die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten, wie auch die Funktionsfähigkeit der kritischen Infrastruktur, können derzeit gewährleistet werden. Zudem werden auch beim Öffentlichen Verkehr, in der Energieversorgung und in anderen zentralen Bereichen Maßnahmen gesetzt, um die Infrastruktur aufrechtzuerhalten.

Welche Maßnahmen setzt das Land, um Arbeitnehmer und Unternehmen in dieser schwierigen Phase zu unterstützen?

Allen voran: Das 4-Milliarden-Euro-Hilfspaket der Bundesregierung war ein notwendiger und wichtiger Schritt. Das kann und wird sehr vielen Unternehmen, aber auch Arbeitnehmern helfen. In Niederösterreich haben wir in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern weitere Initiativen gesetzt, mit dem wir beispielsweise Haftungen für Kredite übernehmen. Unser Ziel muss es sein, um jeden Arbeitsplatz und jedes Unternehmen im Land zu kämpfen.

Müssen wir uns in nächster Zeit auf weitere Einschränkungen einstellen?
Entscheidend ist jetzt, die weitere Entwicklung genau im Auge zu behalten und gemeinsam mit der Bundesregierung die Auswirkungen der gesetzten Maßnahmen zu bewerten. Der Landessanitätsstab ist täglich und beinahe rund um die Uhr im Einsatz, um punktgenau zu analysieren, welche Maßnahmen notwendig und angemessen sind. Darauf aufbauend beraten wir laufend, ob es weiterer Schritte im Land bedarf.

Was raten Sie den Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern sonst noch für die nächsten Wochen?
Bleiben sie Zuhause, wo es möglich ist - zum Schutz für sich selbst, aber auch zum Schutz der anderen. Und bitte halten sie unbedingt die verordneten Maßnahmen ein. Wir alle sind gefordert, die besonders gefährdeten Menschen in dieser Phase bestmöglich zu schützen. Das heißt aber nicht, dass man nicht Kontakt suchen soll und Unterstützung anbieten kann. Wenn sie in ihrer Umgebung etwa Menschen kennen, die alleine leben und vielleicht Hilfe brauchen, dann rufen Sie doch jetzt einfach einmal dort an. Hängen Sie einen Zettel an die Tür: Fragen Sie, ob Sie notwendige Besorgungen übernehmen können. Jetzt gilt es im Miteinander und Füreinander alles zu tun, um Menschenleben zu retten. Wenn wir diese Verantwortung annehmen, dann bin ich fest davon überzeugt, dass wir auch die gegenwärtige, schwierige Situation bestmöglich meistern werden.

Autor:

Oswald Hicker aus Niederösterreich

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