Pröll und die Hofburg: „Dein Nein sei ein Nein"

Seit 2013 sagte Erwin Pröll für die Hofburg nur ab. Trotzdem glaubten ihm weder Medien noch Politik.
  • Seit 2013 sagte Erwin Pröll für die Hofburg nur ab. Trotzdem glaubten ihm weder Medien noch Politik.
  • hochgeladen von Oswald Hicker

Wenige Minuten bevor VP-Chef Mitterlehner in der ZIB2 die Bombe platzen ließ, verkündeten Medien mit dem Brustton der Überzeugung noch: „Jetzt fix: Pröll tritt an.“ Schon Wochen davor ließ kaum ein politischer Beobachter Zweifel daran aufkommen, dass Erwin Pröll für das Amt des Bundespräsidenten kandidiere. Im Herbst 2015 wehte auch durch die neue Herrengasse in St. Pölten der "Wind of Change". In den Führungsetagen der Oppositionsparteien machte man keinen Hehl daraus, gegen die politische Übermacht von Erwin Pröll vor allem einen Plan zu haben: Warten, bis er in der Hofburg ist und dann auf bessere Zeiten hoffen.

Erwin Pröll tappte nicht in die Eitelkeits-Falle

Auch in der VPNÖ war Nervosität zu spüren. Bei manchen zerrüttete die Angst vor dem Polit-Vakuum, welches Pröll hinterlassen würde, das Nervenkostüm. Andere liefen zur Halbzeit der Legislaturperiode wie Duracell-Hasen zur Höchstform auf und machten sich schon für die Nachfolge modern. Bei Politikern aller Coleurs war der Wunsch der Vater des Gedankens. Viele sahen den unangenehmen Rufer aus St. Pölten bereits politisch gefesselt und geknebelt in der Hofburg. Letztlich täuschten sich (fast) alle. Erwin Pröll ging nicht in die Eitelkeitsfalle, die ihm viele – nicht zuletzt die eigenen Parteifreunde – aufgebaut hatten.

Absagen, Absagen, Absagen

Dabei wäre es so einfach gewesen. Alle Spekulationen, Hoffnungen und Ängste wären überflüssig gewesen, hätte man sich nur an das gehalten, was Erwin Pröll gesagt hat. Schon im ersten TV-Interview am Wahlabend 2013 für P3tv und die Bezirksblätter kündigte Pröll klipp und klar an, dass er fünf Jahre als Landeshauptmann im Amt bleiben würde. Danach wiederholte er seine Absage für die Hofburg gebetsmühlenartig. Am 30. August 2014 im Sommergespräch mit der "Presse". Am 12. Oktober 2014 in der Tiroler Tageszeitung. Am 9. Jänner 2015 in der "Kleinen Zeitung". Am 1. März 2015 in der ORF-Pressestunde. Am 7. Mai 2015 in der ZIB2 wettete Pröll mit Armin Wolf gar um eine Flasche Wein, dass er nicht antreten werde. Und am 28. Dezember sagte Pröll in den Bezirksblättern, dass sich diese Lebensplanung nicht geändert hätte, die Hofburg darin nicht vorkäme.

Es gibt keine einzige gegenteilige Aussage Prölls, in der er mit der Hofburg geliebäugelt hätte. Trotzdem glaubte ihm niemand. Sogar als Pröll seinem Parteichef vor Weihnachten sein endgültiges „Nein" mitteilte, glaubten viele in der ÖVP nur an Koketterie. Reihenweise warfen sich "Parteifreunde" vor dem Landeschef auf den Bauch. Und auch die Presse glaubte weiterhin an Taktik, rechnete fix mit Pröll für die Hofburg.

Pröll hat getan, was er immer gesagt hat

Jetzt wird in jenen Medien, die sich am gröbsten blamiert haben, spekuliert, was denn die wahren Gründe für die Entscheidung Prölls seien. Angst vor einer Niederlage orakeln die einen. Angst vor einem Privatleben-"Shitstorm" in sozialen Medien die anderen. Jene, die Prölls Absagen wohl gehört, aber offenbar nicht geglaubt oder verstanden haben, werfen ihm nun vor, dass ein Politiker das tut, was er immer wieder gesagt hat.

Die wahren Gründe sind viel einfacher. Erwin Pröll zitiert gerne und oft frei nach dem Evangelisten Matthäus die Bergpredigt: „Dein Ja sei ein Ja, dein Nein sei ein Nein." Er hat seinen Wählern versprochen, im Amt zu bleiben - und daran hat er sich gehalten.

Die nächste Fehleinschätzung

Genau jene Kommentatoren, die am gröbsten danebenlagen, sehen Pröll nach der Absage nun geschwächt. Und genau das ist schon die nächste Fehleinschätzung. Nach dem Kniefall selbst heftigster Kritiker innerhalb der eigenen Partei wird Pröll jetzt noch einmal "Gas" geben. Er wird seinen niederösterreichischen Standpunkt noch energischer im Bund vertreten als bisher. Er wird das Land weiter mit engen Zügeln lenken. Mit allen positiven und negativen Auswirkungen. Und wenn bis zur nächsten Wahl 2018 kein politisches Erdbeben passiert und die Gesundheit mitspielt, dann ist es gut möglich, dass wir über einen Rückzug Erwin Prölls erst 2021 reden werden.

Autor:

Oswald Hicker aus Niederösterreich

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

12 folgen diesem Profil

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



4 Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Weitere Beiträge aus dem Bundesland

Lokales
Jennifer Gründwald trainiert fleißig, damit ihr Körper wieder Kraft bekommt. Ihre Spende ist für ein Heim-Trainingsgerät.
6 Bilder

Wir helfen
Wir helfen im Februar: Trainingsgerät für Jennifer, die gegen ihre Spastik kämpft

Ihre Spende für einen Aktiv-Passiv-Heimtrainer für Jennifer Grünwald (28) NÖ/GRAFENWÖRTH. "Ich bin Spastikerin und linksseitig etwas gelähmt. Aber ich will eigenständig leben und wieder arbeiten, das ist mein Ziel." Jennifer Grünwald (28) ist eine starke junge Frau. Doch leicht hat sie es in ihrem Leben nicht. Schon ihre Geburt war schwierig. "Ich hatte schon immer gesundheitliche Probleme. Aber 2014 ist dann alles ausgebrochen: Taubheit, Nerven eingeklemmt, Anfälle." Damit war auch ihr...

Lokales
Die Feuerwehr befreite den eingeschlossenen Lenker.
4 Bilder

Einsatz im Bezirk Scheibbs
Autolenker landete in Wieselburg am Dach

Autolenker überschlug sich in Wieselburg und landete leicht verletzt im Graben. WIESELBURG. Auf der Krüglinger Straße in Wieselburg kam ein Autolenker von der Fahrbahn ab, überschlug sich und landete mit seinem Fahrzeug am Dach. Feuerwehr befreite den Unfall-Lenker Die Feuerwehrkameraden befreiten den eingeschlossenen Mann und übergaben diesen leicht verletzt den Rettungskräften. Fahrzeug wurde geborgen Anschließend wurde das Auto mithilfe einer Seilwinde aufgerichtet,...

Politik
Josef Höchtl mit dem österreichischen Außenminister Alexander Schallenberg.
3 Bilder

Völkerverständigung
"Eine Woche Begegnungen in der USA"

USA/KLOSTERNEUBURG. „Heuer stand eine einwöchige Kontaktreise nach Washington am Programm, weil dort zu dieser Zeit im Februar weltweite Tagungen stattfinden, an denen bis zu 140 Nationen mit vielen Spitzenrepräsentanten teilnehmen. Auch dieses Mal waren Staatsoberhäupter, Ministerpräsidenten, Minister sowie religiöse und wirtschaftliche Führungspersönlichkeiten vertreten. Dies zu nützen, war auch heuer mein Bestreben“, berichtete der Präsident der „Österreichischen Gesellschaft für...

Politik
Spitzenkandidat und Bezirksbauerkammerrat Gerhard Sklenar (m.) stehen zwei junge, engagierte Landwirte zur Seite. Patrick Eber (2.v.r.) aus Platt, der im
Nebenerwerb einen landw. Betrieb mit seiner Frau führt und Laurin Seymann (2.v.l.) aus
Pernersdorf. Er führt seinen Pulkautaler Weinbaubetrieb im Haupterwerb. Unterstützt werden sie vom bisherigen Kammerrat Ernst Lang (l.) und Bürgermeister Herbert Goldinger aus Mailberg (r.)

Forderungen der SPÖ-Bauern in Hollabrunn
Sterben der Kleinbauern muss ein Ende haben

Nach dem Wegfall eines Nettozahlers (Stichwort Brexit) werden die zu verteilenden Mittel der EU kleiner. BEZIRK HOLLABRUNN. Daher fordert der Spitzenkandidat der SPÖ-Bauern des Bezirkes Hollabrunn für die Landwirtschaftskammerwahl Gerhard Sklenar aus Oberstinkenbrunn/Wullersdorf und Listenzweiter Patrick Eber aus Platt/Zellerndorf vor allem die Klein- und Familienbetriebe stärker zu fördern und das Geld nicht an Großkonzerne zu verteilen, die ohnedies wirtschaftlich arbeiten können....

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.