Umfrage
Corona-Krise für einige Museen existenzbedrohend

Ausstellungsansicht Graffiti & Bananas. Die Kunst der Straße, Nordico Stadtmuseum Linz, Laufzeit bis 21.3.2021 (Kuratorin: Klaudia Kreslehner). Die Ausstellung geht auch auf die aktuelle Situation ein, indem Fotos von Graffiti, die im Corona-Lockdown entstanden sind und dem Stadtmuseum nach einem Aufruf geschickt wurden, Einzug gefunden haben.
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  • Ausstellungsansicht Graffiti & Bananas. Die Kunst der Straße, Nordico Stadtmuseum Linz, Laufzeit bis 21.3.2021 (Kuratorin: Klaudia Kreslehner). Die Ausstellung geht auch auf die aktuelle Situation ein, indem Fotos von Graffiti, die im Corona-Lockdown entstanden sind und dem Stadtmuseum nach einem Aufruf geschickt wurden, Einzug gefunden haben.
  • Foto: Verbund OÖ Museen
  • hochgeladen von Marlene Mülleder

Der Lockdown im Frühjahr traf alle Kultureinrichtungen massiv und die Corona-Pandemie hat weiterhin gravierende Auswirkungen auf den Kulturbetrieb, der auch in den nächsten Monaten von großen Einschränkungen geprägt sein wird. Dramatisch einknickende Besucherkurven und wegbrechende Einnahmen sind die logische Folge davon.

OÖ. Auch die Lage der Museen ist durchaus angespannt. Eine Umfrage, die der Verbund Oberösterreichischer Museen in den Sommermonaten unter den Museen Oberösterreichs durchgeführt hat, belegt dies nun mit konkreten Zahlen. So bezeichnen rund 45 Prozent der ganzjährig geöffneten Museen und rund 40 Prozent der saisonal geöffneten Häuser die Folgen der Corona-Pandemie für ihr Haus als „sehr groß“ bzw. „groß“.

Museen als kontinuierliches Kulturangebot

Rund 300 Museen und Sammlungen in Oberösterreich wurden zur Teilnahme an der Online-Umfrage eingeladen, ein Drittel der Häuser nahm an der Umfrage teil, deren Auswertung nun vorliegt. Die großen Linzer Museen, aber vor allem viele kleine Regionalmuseen beteiligten sich an der Umfrage, die den Zeitraum von Jänner 2020 bis zum Schulschluss (Stichtag 10. Juli 2020) berücksichtigte.
Der Lockdown dauerte in Österreich sieben Wochen und einen Tag. Ab Mitte Mai war eine Öffnung der Museen wieder möglich, was viele Häuser auch genutzt haben. Das zeigt: Museen sind ein kontinuierliches Kulturangebot, sie sind „kulturelle Nahversorger“ in den Regionen, auch in der aktuellen Corona-Krise. Im Durchschnitt waren die Museen und Sammlungen in Oberösterreich neun Wochen geschlossen, 65 Prozent der Museen mussten aber auch nach der Wiederöffnung ihre Öffnungszeiten für einen gewissen Zeitraum reduzieren. Auch wenn sich mittlerweile viele Öffnungszeiten wieder dem Normalbetrieb angenähert haben, kämpfen die Museen weiterhin mit großen Einschränkungen.

Gravierende Einschnitte durch die Corona-Pandemie

Besonders hart trafen die Museen das fast vollständige Wegfallen aller Gruppenbesuche und die ausbleibenden Schulklassen. In der Mehrheit der Museen (78 %) wurden von Jänner 2020 bis zum Schulschluss am 10. Juli 2020 im Durchschnitt bis zu 20 Besuchergruppen weniger als sonst geführt. Beinahe 55 % der Museen mussten sämtliche geplanten Veranstaltungen absagen. Weitere fast 15 % mussten mehr als 75 % aller geplanten Veranstaltungen canceln. Das heißt 70 % der Museen konnten so gut wie keine der vorgesehenen Veranstaltungen durchführen. Rund 55 % beziffern den Verlust durch abgesagte Veranstaltungen mit bis zu 5.000 Euro, 65% der Museen benennen den Verlust durch wegfallende Eintritte in vergleichbarer Höhe. Weitere rund 15 % der Museen gaben an, den Entgang an Einnahmen wegen nicht stattfindender Veranstaltungen noch nicht abschätzen können, da auch für den Herbst und Winter ein Großteil der Veranstaltungen storniert wurde und sich der Verlust noch weiter erhöhen wird. Nicht zu unterschätzen sind auch die Einnahmen der Museen, die sie aus dem Shop-Verkauf lukrieren. Fast 54 % der Museen gaben hier die Verluste ebenfalls mit bis zu 5.000 Euro an. Diese Summen scheinen gering zu sein, bei ehrenamtlich geführten Museen sichern diese Einnahmen aber den laufenden Betrieb. Deren Entgang könnte in einigen Fällen also durchaus existenzbedrohend werden.

Etwas anders zeigt sich das Bild bei den „großen“ hauptamtlich geführten Häusern. Auch wenn deren Zahl in Oberösterreich im Vergleich gering ist, die Auswirkungen des Lockdowns sind in diesen Häusern umso gravierender. So sind hier Einbußen von mehr als 50.000 Euro bei Raumvermietung und Shops zu verzeichnen, bei den Eintritten sogar um mehr als 100.000 Euro. Dementsprechend wird hier auch mit langfristigen Folgen zu rechnen sein.

Herausfordernde Zukunft

Die größten Probleme für die Museen, die sich auch in der näheren Zukunft stellen, sind v. a. das beinahe völlige Wegfallen von Besuchergruppen und Schulklassen, das sich im Herbst bereits zeigt und auch für die Wintermonate zu erwarten ist (genau 60 % der Museen geben diese Schwierigkeit mit „sehr groß“ bzw. „groß“ an), gefolgt von den eingeschränkten Möglichkeiten für Veranstaltungen (mehr als 55 % der Museen sehen darin eine „sehr große“ oder „große“ Schwierigkeit“).

Damit einher geht auch die von 50 % der Häuser als sehr groß bis groß beurteilte Planungsunsicherheit.Die Absage oder das starke Reduzieren von Veranstaltungen lässt somit die Kurve der Einnahmen weiterhin drastisch nach unten sinken. Die daraus resultierenden fehlenden Einnahmen bezeichnen mehr als 45 % der Museen als „sehr große“ oder „große“ Herausforderung. Dagegen scheinen die meisten Museen kein Wegbrechen der ehrenamtlich Tätigen aufgrund der Corona-Pandemie zu befürchten. Da die regionale Museumslandschaft Oberösterreichs fast ausschließlich auf ehrenamtlichen Schultern ruht, würde sich ein solch drastischer Einbruch bei den freiwillig Engagierten dramatisch auf die Museumslandschaft auswirken. Nur rund 8% der Museen sehen dies aktuell als „sehr großes“ bzw. „großes“ Problem. Dies zeigt, mit wie viel Enthusiasmus und selbstlosem Einsatz die vielen Freiwilligen in unseren Museen tätig sind. Dennoch soll dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die ehrenamtlichen Teams in vielen Regionalmuseen meist aus nur wenigen Personen zusammensetzen.

Wie geht es weiter?

Der NPO-Fonds der Bundesregierung ist gerade auch für die Regionalmuseen eine große Hilfe, da hier mit Zuschüssen die dramatisch wegbrechenden Einnahmen teilweise ausgeglichen werden. Eine große Herausforderung ist es aber, unter den derzeit geltenden Bedingungen eine vielfältige Kulturvermittlung für die unterschiedlichen Dialoggruppen – von Schulklassen bis zu Seniorinnen und Senioren – anzubieten und die Museen mit Veranstaltungen weiterhin zu beleben, damit sie ihre Funktion als Lern- und Erlebnisort sowie als soziale Treffpunkte in den Regionen erfüllen, aber auch Einnahmen lukrieren können. Hier stellt auch die aktuell geltende Beschränkung auf zehn Personen bei Gruppenführungen ein Problem dar, insbesondere für Häuser, die aufgrund ihrer räumlichen Gegebenheiten Abstände gut einhalten könnten.
Die derzeit angespannte Situation zum Großteil mit Ehrenamtlichen zu bewältigen und die Motivation der Freiwilligen aufrechtzuerhalten, ist eine große Herausforderung für die Zukunft.

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