Corona-Experte Lamprecht
Impfung für Kinder ab fünf und dritte Impfdosis wohl noch heuer

Primar Bernd Lamprecht ist Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde / Pneumologie am Kepler Universitäts Klinikum, stellvertretender Dekan an der Medizinischen Fakultät der JKU und
wissenschaftlicher Leiter der Pneumologischen Rehabilitation, Rehaklinik Enns.
  • Primar Bernd Lamprecht ist Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde / Pneumologie am Kepler Universitäts Klinikum, stellvertretender Dekan an der Medizinischen Fakultät der JKU und
    wissenschaftlicher Leiter der Pneumologischen Rehabilitation, Rehaklinik Enns.
  • Foto: Kepler Universitäts Klinikum
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Primar Bernd Lamprecht ist Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitäts Klinikum, wissenschaftlicher Leiter der Pneumologischen Rehabilitation an der Rehaklinik Enns und der Corona-Experte in Oberösterreich. Im BezirksRundschau-Interview mit Chefredakteur Thomas Winkler erklärt er, warum die Impfung für Kinder sinnvoll ist, dass Anfang des Jahres erstmals Geimpfte wahrscheinlich heuer noch eine dritte Impfdosis brauchen, und dass sich jeder mit Corona infizieren wird, der nicht geimpft ist.

BezirksRundschau: Die Delta-Variante hatte laut Covid-Prognosekonsortium in ganz Österreich Ende Juni bereits 60 Prozent Anteil. Was bedeutet das für Österreich in den kommenden Wochen?
Lamprecht: Die Delta-Variante wird sich sehr rasch, bestimmt noch im Juli, vollständig durchsetzen. Ihre höhere Infektiosität wird trotz Sommer, viel Aufenthalt im Freien, höherer Luftfeuchtigkeit etc. für steigende Infektionszahlen sorgen.

Keine Sorge wegen steigender Infektionszahlen

Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen scheint seit kurzem wieder zu steigen, die Zahl der Hospitalisierten bewegt sich noch auf niedrigem Niveau – wie groß ist die Gefahr, dass sich das ändert? Sehen Sie die fast „alte Normalität“ derzeit mit größeren Veranstaltungen etc. auch als „Ruhe vor dem Sturm“, wie es Virologin Monika Redlberger-Fritz in der ZIB 2 formuliert hat?
Alles steht und fällt mit der Immunität. Solange diese bei einem großen Teil der Bevölkerung und hier besonders bei den Risikogruppen vorhanden ist, müssen uns steigende Infektionszahlen – vornehmlich unter jungen und gesunden Menschen – nicht besorgen. Diese höheren Infektionszahlen werden sich nicht in ebenso hohe Hospitalisierungszunahmen übersetzen. Nimmt die durch Impfung hergestellte Immunität jedoch ab und erfolgt keine rechtzeitige Auffrischung, dann droht tatsächlich wieder ein ähnliches Szenario wie im Jahr 2020. Wer wann womit auffrischen soll oder muss, ist Gegenstand derzeitiger intensiver Analysen.

"Wer sich schützen wollte, der konnte dies inzwischen tun. Wer diesen Schutz nicht in Anspruch nehmen möchte, der darf nicht auf fortwährenden Schutz durch seine Umgebung vertrauen."

Am 22. Juli soll auch im Handel die Maskenpflicht fallen. Treibt die Politik die Rücknahme der Einschränkungen zu schnell voran, wenn man etwa auch auf Großbritannien oder Spanien schaut?
Mit dem Angebot von Impfungen hat der Staat nun seine Schuldigkeit getan. Wer sich schützen wollte, der konnte dies inzwischen tun. Wer diesen Schutz nicht in Anspruch nehmen möchte, der darf nicht auf fortwährenden Schutz durch seine Umgebung vertrauen. Unangenehm ist die Situation für Menschen mit geschwächtem Immunsystem, die trotz Impfung keinen vollständigen Schutz erfahren können. Sie müssen mit sehr viel Eigenverantwortung persönliche Schutzmaßnahmen aufrechterhalten.

Masken in Öffis auch für Geimpfte sinnvoll

Sollen auch zweifach Geimpfte weiterhin Masken tragen?
Generell wird dies nicht notwendig und zweifellos auch nicht umsetzbar sein. In bestimmten Situationen wie zum Beispiel überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln, könnte dies hingegen eine weiterhin sinnvolle Strategie sein.

Weil derzeit viele Personen ihre Zweitimpfung bekommen: Wie lange dauert es nach dem zweiten Stich, bis sich der „maximale“ Impfschutz aufgebaut hat?
Je nach Impfstoff ein bis zwei Wochen.

Händeschütteln muss nicht sein

Das Begrüßen durch Handschlag wird schon wieder salonfähig – schütteln Sie wieder Hände, werden Sie es jemals wieder tun?
Vereinzelt tue ich dies und vertraue auf die Schutzwirkung der Impfung. Im Krankenhaus unterlasse ich es und halte dies aus infektiologischen Gründen auch abseits von Corona für eine sinnvolle Entwicklung. Respekt und Wertschätzung kann auch anders ausgedrückt werden.

Kein Entkommen für Ungeimpfte

Virologe Christian Drosten hat ja vor einiger Zeit gesagt, dass jeder, der sich nicht impfen lässt, mit Corona infiziert werde – sind Sie ebenfalls dieser Ansicht?
Ja, es gibt kein Entkommen. Wer sich nicht impfen lässt, wird sich früher oder später infizieren und trägt dann auch ein gewisses Risiko für eine mehr oder weniger schwere Erkrankung.

Wird sich wegen Delta bzw. weiterer Fluchtvarianten überhaupt jeder mit Corona infizieren – und uns die Impfung eben gegen schwere Verläufe aber nicht vor der Infektion schützen?

Ziel der Impfung ist primär die Vermeidung schwerer Verläufe, Infektionen und milde Symptome werden zwar oft aber nicht zu 100 Prozent verhinderbar sein.

Zweite Auffrischung für zu Jahresbeginn Geimpfte noch heuer

Bei jenen Menschen, die ihre erste Immunisierung bereits zu Jahresbeginn bekommen haben, sind teils keine Antikörper mehr nachweisbar. Braucht es für sie dann schon unbedingt eine dritte Dosis?Biontech will die Zulassung dafür ja beantragen und arbeitet auch an einer Variation gegen Delta.
Ja, Personen die Anfang 2021 geimpft wurden, werden wohl noch in diesem Kalenderjahr eine Auffrischung benötigen. Ganz besonders wird dies auf Menschen mit geschwächtem Immunsystem zutreffen.

Zulassung der Impfung für Kinder ab fünf noch heuer

Sollten von der Möglichkeit, Kinder ab 12 impfen zu lassen, Gebrauch gemacht werden?
Wir werden nicht in die Nähe einer Herdenimmunität kommen, wenn sich nicht fast alle Altersgruppen an der Impfung beteiligen. Kinder und Jugendliche haben ein deutlich geringeres Risiko für eine schwere Erkrankung, sie kommen bei einer Infektion aber sehr wohl als Überträger in Betracht. Diese Übertragungswahrscheinlichkeit kann durch Impfung reduziert werden, zudem werden Kinder vor den seltenen aber möglichen schweren Verläufen und auch vor Long-Covid beschützt.

Wie wichtig ist es, dass bald auch für jüngere Kinder, etwa ab dem Kindergartenalter, eine Impfung zur Verfügung steht – damit etwa das Zirkulieren des Virus in Schulen und Kindergärten, inklusive daraus resultierender Varianten, eingeschränkt wird. Wann ist mit einer Impfung für Kinder zu rechnen?

Erste Daten für die Altersgruppe der Fünf- bis Zwölfjährigen liegen bereits vor und zeigen hohe Effektivität sowie gute Verträglichkeit und Sicherheit. Ich gehe davon aus, dass eine Zulassung noch 2021 erfolgen wird, ob es für noch jüngere Kinder überhaupt einen Bedarf gibt, ist noch Gegenstand von Diskussionen.


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