pro mente und Krisenhilfe OÖ
Rückblick auf 20 Jahre Krisenversorgung

Landesrätin Birgit Gerstorfer mit Gernot Koren, Geschäftsführer von pro mente OÖ.
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  • Landesrätin Birgit Gerstorfer mit Gernot Koren, Geschäftsführer von pro mente OÖ.
  • Foto: Land OÖ/Sabrina Liedl
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Sie betreuen Betroffene und Angehörige in akuten psychischen Krisen, nach Unfällen, Naturkatastrophen und Suiziden vor Ort: Die Mitarbeiter von pro mente und nun auch der Krisenhilfe leisten seit 20 Jahren psychosoziale Krisenversorgung in Oberösterreich.

OÖ. Diese Versorgung ist für Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer (SP) "sehr wichtig, da dadurch vielen Menschen in psychischen Krisen in ganz Oberösterreich rasch und unbürokratisch geholfen werden kann. pro mente und die Krisenhilfe OÖ leisten hier einen wichtigen Beitrag für die oberösterreichische Bevölkerung.“

Das Sozialressort des Landes investiert jährlich rund 1,7 Millionen Euro in die Finanzierung der Krisenhilfe OÖ. Die Angebote sind kostenlos und vertraulich.

Erste Hilfe für die Seele

Immer mehr Menschen leiden an psychischen Problemen. Dennoch ist dieses Thema bedauerlicherweise nach wie vor ein gesellschaftliches Tabu. Obwohl ein Drittel der Bevölkerung mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen hat, schämen sich Betroffene häufig für ihre Krankheit und scheuen sich, öffentlich darüber zu sprechen.

Gefühle von Angst, Panik, Hilflosigkeit, Überforderung, Einsamkeit oder Verzweiflung lassen das Leben mitunter ausweglos erscheinen – sei es durch einen unerwarteten Verlust, eine lebensverändernde Belastung oder eine psychische Störung. Immer mehr Menschen suchen professionelle Hilfe in psychischen Krisen.

"Aufgrund des stetig steigenden Bedarfs an rascher psychosozialer Unterstützung, besonders in Krisen, gründete pro mente OÖ den Psychosozialen Notdienst in Linz, Linz-Land, Steyr und Kirchdorf“, sagt Sonja Hörmanseder, Geschäftsfeldleiterin der Krisenhilfe OÖ. "Im Jahr 2000 wurde das KaT-Team (Krisenintervention nach akuter Traumatisierung) ins Leben gerufen. Dieses Team ist bei tragischen Ereignissen direkt vor Ort und betreut Betroffene in psychischen Ausnahmesituationen."

Den ersten großen Einsatz hatte das KaT-Team am 11. November .2000 beim Kaprun-Unglück, bei dem 155 Menschen ums Leben kamen. Auch die Hochwasserkatastrophe 2013 war für die Mitarbeiter herausfordernd. 2020 kam dann die Corona-Krise. „

Heuer stiegen in der akuten Corona-Krise vor allem Ängste in der Bevölkerung an, wir rechnen mit längerfristigen psychischen Problemen, die möglicherweise erst zeitversetzt sichtbar werden. Das KaT-Team unterstützt Menschen nach einem tragischen Ereignis im Sinne einer psychischen Erstversorgung und Stabilisierung („Notarzt für die Seele“), nach Bedarf auch längerfristig. Zudem werden gegebenenfalls gemeinsam weiterführende psychosoziale oder therapeutische Nachbetreuungsangebote überlegt“, sagt Hörmanseder.

"Die pro mente OÖ bietet viele Angebote im Bereich der psychosozialen Vorsorge, Beratung, Therapie, Begleitung und Nachsorge. Menschen in Krisen werden zum Beispiel längerfristig von unseren Psychosozialen Beratungsstellen in ganz Oberösterreich betreut", sagt Gernot Koren, Geschäftsführer von pro mente OÖ. "Eine wichtige Rolle in der psychosozialen Versorgung spielen auch unsere Sozialpsychiatrischen Ambulanzzentren, die direkt im Krankenhausbetrieb eingetaktet sind. Standorte haben wir dabei in Linz, Steyr, Vöcklabruck und Wels."

Psychosoziale Versorgung neu

Mit nfang 2016 wurde die psychosoziale Versorgung in Oberösterreich neu organisiert. pro mente OÖ, EXIT-sozial, Rotes Kreuz, Telefonseelsorge OÖ und die Notfallseelsorge haben sich unter dem Namen "Krisenhilfe OÖ" zu einem Trägerverbund zusammengeschlossen, um die zukünftige Krisenversorgung in Oberösterreich flächendeckend und noch umfassender gewährleisten zu können. Alle Angebote der Krisenhilfe OÖ werden vom Sozialressort des Landes OÖ finanziert und können kostenlos in Anspruch genommen werden.

„Eine rasche psychosoziale Krisenversorgung ist essentiell, um Menschen viel Leid zu ersparen. Dabei sind Organisationen wie die Krisenhilfe OÖ genauso wichtig wie andere Blaulichtorganisationen – bildlich gesprochen: Ein Hausbrand ist genauso tragisch wie ein ‚Brand‘ in der Seele und muss ähnlich rasch versorgt werden“, sagt Gerstorfer.

"Im Laufe der letzten 20 Jahre hat sich das Krisenversorgungsangebot in Oberösterreich erweitert und zunehmend dem Bedarf angepasst. Unsere Leistungen können wir nun flächendeckend, rund um die Uhr, niederschwellig und bei Bedarf direkt vor Ort anbieten", sagt Hörmanseder. "Wir sind besser vernetzt als vor 20 Jahren – mit anderen Sozialorganisationen, Krankenhäusern und auch mit den Blaulicht- und Einsatzorganisationen. Wichtig ist uns – besonders im Kontext 'Mobile Kriseninterventionsangebote' – die Vernetzung und der Austausch mit Trägern aus anderen Bundesländern."

Mehr Menschen suchen Hilfe

Die Inanspruchnahme der Angebote ist während der vergangenen Jahre angestiegen. Seit 2000 kontaktierten etwa 260.000 Menschen die Krisendienste von pro mente OÖ, beziehungsweise ab 2016, die der Krisenhilfe OÖ. Waren es anfangs in etwa 3.600 pro Jahr, so sind es heute beinahe 30.000 Kontakte jährlich. Damit hat sich die Nachfrage während der vergangenen 20 Jahren knapp verzehnfacht.

"Einerseits ist es natürlich tragisch, dass so viele Menschen psychisch stark belastet sind bzw. psychische Krisen zu bewältigen haben, andererseits zeigt es uns auch, wie wichtig Institutionen wie die Krisenhilfe OÖ sind. Zudem ist es erfreulich zu sehen, dass so eine große Anzahl an Menschen den Mut findet, uns zu kontaktieren", sagt Hörmanseder.

Die Anliegen, warum sich die Menschen an die Krisenhilfe OÖ wenden, haben sich während der vergangenen 20 Jahren kaum verändert: Es sind vor allem (Zukunfts-)Ängste, Trauer, Perspektivenlosigkeit (z.B. aufgrund der hohen Anforderungen am Arbeitsmarkt) und Überforderung (z.B. Burnout). Beziehungsthemen – vor allem gerade in der Corona-Zeit sehr aktuell – Suizidalität und große Sorge um eine nahestehende Person, sind auch häufige Anlässe, die Krisenhilfe OÖ zu kontaktieren.

„Das Thema Mobbing hat zugenommen, beziehungsweise die Art und Weise wie gemobbt wird, hat sich durch die Digitalisierung verändert und verschärft. Dies betrifft vor allem Jugendliche und vermehrt den Social-Media-Bereich“, sagt Hörmanseder.

Suizidpostvention und Suizidprävention zählen zu den wichtigsten Aufgaben der Krisenhilfe OÖ. Im Laufe der Jahre ist die Zahl an Suiziden in Oberösterreich gesunken. Das zeigt, dass die Zusammenarbeit der Organisationen gut funktioniert und professionelle Hilfe vermehrt in Anspruch genommen wird.

Die Krisenhilfe OÖ

Die Krisenhilfe OÖ steht Menschen mit psychischen Problemen rund um die Uhr unter der Telefonnummer 0732/2177 zur Verfügung. Weitere Angebote der Krisenhilfe OÖ sind neben der telefonischen Krisenintervention, die persönliche Krisenintervention, die Onlinekrisenberatung, Hausbesuche bei psychiatrischen und psychosozialen Notfällen, die Krisenintervention nach traumatischen Ereignissen und die Unterstützung für Einsatzkräfte nach belastenden Einsätzen. Alle Informationen finden Sie auf der Webseite der Krisenhilfe OÖ.

Landesrätin Birgit Gerstorfer mit Gernot Koren, Geschäftsführer von pro mente OÖ.
Krisenhilfe OÖ-Geschäftsfeldleiterin Sonja Hörmanseder, Geschäftsfeldleiterin der Krisenhilfe OÖ, Landesrätin Birgit Gerstorfer und Gernot Koren, Geschäftsführer von pro mente OÖ.

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