Corona-Experte erklärt im Video
Was ist bei Covid-19 gefährlicher? Krankheit oder Impfung

Primar Lamprecht erklärt im Videovortrag die unterschiedlichen Wirkweisen von Totimpfstoff, Vektorimpfstoff (AstraZeneca & Johnson) sowie mRNA-Impfstoff (Pfizer & Moderna).
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  • Primar Lamprecht erklärt im Videovortrag die unterschiedlichen Wirkweisen von Totimpfstoff, Vektorimpfstoff (AstraZeneca & Johnson) sowie mRNA-Impfstoff (Pfizer & Moderna).
  • Foto: Screenshot Vortrag Dr. Bernd Lamprecht
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Wie gefährlich ist Covid-19 wirklich? Kann die Krankheit einem gesunden Menschen überhaupt schaden? Welche Nebenwirkungen hat die ab Februar verpflichtende Covid-19-Impfung? Und warum ist eine dritte Impfung notwendig – wirkt sie überhaupt?

OÖ. Die BezirksRundSchau hat Primar Bernd Lamprecht gebeten, die Gefahren einer Corona-Erkrankung den möglichen Nebenwirkungen der Impfung gegenüberzustellen. Der Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitäts Klinikum, stellvertretende Dekan an der Medizinischen Fakultät der JKU und wissenschaftliche Leiter der Pneumologischen Rehabilitation an der Rehaklinik Enns betreut seit Beginn der Pandemie schwer an Corona erkrankte Patienten. Darunter war auch der stellvertretende Landeshauptmann Manfred Haimbuchner (FPÖ).

Covid-19 – Krankheit, Impfung, Nebenwirkung

Im Video informiert Primar Lamprecht in einem Vortrag und im Gespräch mit BezirksRundSchau-Chefredakteur Thomas Winkler zum aktuellen Stand der Medizin zu Covid-19:

  • Was sind die möglichen Folgen der Erkrankung an SARS-Cov-2?
  • Welche Medikamente stehen bereits zur Behandlung der Covid-19-Erkrankung zur Verfügung?
  • Welche Covid-19-Impfstoffe sind bereits zugelassen - wie wirkt ein mRNA-Impfstoff (Pfizer BioNTech und Moderna), wie andere Impfstoffe, darunter die angekündigten Totimpfstoffe?
  • Welche Nebenwirkungen und Impfreaktionen wurden bisher festgestellt?

Nach dem Video beantwortete Primar Lamprecht auch eine Vielzahl individueller Fragen von BezirksRundSchau-Lesern rund um Corona.



Häufig gestellte Fragen der BezirksRundSchau-Leser

Gibt es einen möglichen Zusammenhang zwischen verschiedenen Blutgruppen und der Wahrscheinlichkeit einer Covid-Infektion?
Primar Lamprecht: Man hat gesehen, dass es Blutgruppen gibt, bei denen schwere Verläufe nicht gleich häufig sind. Es hat sich die Blutgruppe 0 in manchen Untersuchungen als vorteilhaft dargestellt. Allerdings ist die Blutgruppe nicht die prinzipielle Ursache dafür. Es hat mit etwas Anderem zu tun, nämlich mit bestimmten Leistungen im Immunsystem und mit der Anzahl an Rezeptoren, über die das Virus eindringen kann. Und das ist manchmal vergesellschaftet mit einer bestimmten Blutgruppe. Insofern fällt die Blutgruppe auf, es steckt aber in Wirklichkeit etwas anderes dahinter. Aber: Wir haben auf den Intensivstationen Österreichs und Oberösterreichs Patienten mit allen Blutgruppen behandelt. Das heißt: Man kann nicht sagen, dass eine bestimmte Blutgruppe ein verlässlicher Schutz vor schwerer Erkrankung ist und daher keine anderen Vorsichtsmaßnahmen notwendig wären.

Wie lange schützt die Corona-Impfung

Wie lange besteht im Durchschnitt der Impfschutz nach 1. bzw. 2. Stich bei den mRNA-Impfstoffen Pfizer und Moderna sowie bei den Vektor-Impfstoffen Johnson& Johnson, AstraZeneca?
Primar Lamprecht: Der Impfschutz ist einmal ganz verlässlich für vier Monate gegeben. Bei vielen Menschen wird er auch sechs bis neun Monate vorhanden sein, das ist auch altersabhängig. Wir wissen auch bei vielen anderen Impfungen, dass ältere Menschen häufiger oder früher eine Auffrischung benötigen als jüngere. Denken wir nur an die in Österreich weit verbreitete und gut akzeptierte Zeckenimpfung. Da ist es ganz selbstverständlich, dass Menschen über 65 das alle drei Jahre auffrischen sollen, und jüngere Menschen das nur alle fünf Jahre tun müssen. Das wird beim Corona-Virus nicht gänzlich anders sein, dass hier Altersunterschiede eine Rolle spielen. Im Moment geht es aber darum die Welle zu brechen und wir können uns keine Experimente leisten. Daher die Empfehlung, dass sich möglichst viele Menschen möglichst frühzeitig schützen sollen. Wenn man dann später sieht, dass es für unter 40-Jährige ganz andere Abstände zwischen Impfungen verträgt, dann wird das fein sein. Im Augenblick ist die Regelung, nach sechs Monaten jedenfalls aufzufrischen, und gerne schon nach vier.

Welchen Impfstoff empfehlen Sie für die dritte Impfung, wenn zuvor mit AstraZeneca geimpft wurde, wenn zuvor mit Pfizer geimpft wurde?
Primar Lamprecht: Wer mit einem Vektorimpfstoff wie jenem von AstraZeneca zuerst geimpft wurde, also erste und zweite Teilimpfung, und jetzt an die dritte Impfung denkt, dann wird hier vom Nationalen Impfgremium eine Impfung mit einem sogenannten RNA-Messenger-Impfstoff empfohlen, also entweder Moderna oder PfizerBiontech.

Warum benötigt man nun doch mehr Impfungen, um geschützt zu sein und wie wahrscheinlich ist es, nach der 3. Impfung tatsächlich als vollimmunisiert zu gelten?
Primar Lamprecht: Am Anfang wusste man noch nicht, wie viele Impfungen man benötigt. Und natürlich war man hier auch zu optimistisch, anzunehmen, das es mit einer oder zwei Teilimpfungen getan ist. Man muss aber auch hinzufügen, dass sich das Virus weiterentwickelt hat, und dass die Delta-Variante andere Anforderungen stellt, als das die Alpha-Variante getan hat. Übrigens ist es bei vielen Impfungen so, dass wir zuerst zwei Teilimpfungen in einem kürzeren Abstand und dann eine in etwas längerem Abstand haben. Die Erfahrung ist, dass damit das Training des Immunsystems sehr gut funktioniert und damit eine länger anhaltende Immunität entsteht. Wie lange das beim Corona-Virus genau ist, das weiß man tatsächlich leider nicht. Nach den bisherigen Beobachtungen, wie lange der Impfschutz nach der zweiten Impfung hält, darf man aber annehmen, dass das nach der dritten Impfung noch deutlich länger hält.

Es wurde in Medien behauptet, dass die Impfung zu 100 Prozent vor Long Covid schützt – stimmt das wirklich?
Das Thema Long Covid und Impfung ist noch nicht abschließend beurteilbar, aber es verdichten sich die Beobachtungen, die den Schutz vor Long Covid andeuten.

Covid-19-Auffrischungsimpfung jährlich?

Wird man später, wie bei Grippe, eine jährliche Auffrischung benötigen?
Primar Lamprecht: Ob es Auffrischungen in regelmäßigen Abständen braucht, kann man noch nicht ganz verlässlich ausschließen, das ist schon denkbar. Denken wir an das Grippevirus: Wenn man da einen optimalen Schutz haben möchte, dann muss man eigentlich auch jedes Jahr zur Impfung gehen. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass es das bei Corona zumindest für besonders empfindliche Gruppen brauchen wird. Wir werden aber wohl das Corona-Virus leider nicht verlieren, das bleibt uns leider erhalten. Und eine gewisse Viruszirkulation könnte zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Bevölkerung einmal gut geschützt ist, auch immer wieder für geringe Auffrischungen sorgen und damit die Immunität auf einem passablen Niveau halten. Wie dieses Zusammenspiel zwischen natürlicher Viruszirkulation und notwendiger Auffrischungsimpfung genau aussehen wird, das kann man heute noch nicht seriös abschätzen. Im Moment wissen wir nur: Wir haben zu wenig Schutz in der Bevölkerung und dadurch so ausgeprägte Infektionswellen, die das Gesundheitssystem an Belastungsgrenze bringen können. Und das führt dann dazu, dass wir harte Maßnahmen erdulden müssen, die wir uns alle nicht wünschen.

Muss/Soll man den Terminvorschlag der jeweiligen Landesregierung zum 3. Stich abwarten oder soll man sich schon vorzeitig die dritte Impfung geben lassen?
Primar Lamprecht: Ich würde auf den Vorschlag nicht warten, sondern wenn Sie die Möglichkeit haben, ein Impfangebot in Anspruch zu nehmen, dann machen Sie bitte davon Gebrauch! Die dritte Impfung ist jederzeit ab vier Monaten nach der Zweitimpfung sinnvoll. Die vier Monate zu unterschreiten, ist bei jemandem, der sonst gesund und immunkompetent ist, nicht notwendig und nicht empfehlenswert. Übrigens würde eine solche Impfung dann auch nicht als dritte Impfung registriert, wenn die 120 Tage oder vier Monate Abstand zur zweiten Impfung unterschritten sind. Sondern sie würde wieder als zweite Impfung im elektronischen Impfpass eingetragen werden.

Wie ansteckend und gefährlich ist Omikron?

Primar Bernd Lamprecht gibt in diesem Bericht Auskunft zum aktuellen Wissenstand rund um die Corona-Mutation "Omikron", die deutlich ansteckend als die derzeit noch dominierende Delta-Variante sein soll.

Rolle von Antikörpern und T-Zellen

Wie viele Antikörper sind für Vollimmunisierung notwendig und warum muss man bei zum Beispiel bei 13.000 Antikörpern trotzdem eine 3. Impfung bekommen?
Primar Lamprecht: Antikörper sind ein wichtiger Teil der Immunantwort. Und wir können über die Bestimmung der Antikörper zumindest verlässlich herausfinden, ob es überhaupt eine Reaktion des Immunsystems auf die Impfung gegeben hat. Also lässt sich ein „Ja/Nein“ aus der Antikörperbestimmung gut ablesen. Viel differenzierter gelingt das beim Corona-Virus aber noch nicht. Das geht bei anderen Impfungen, denken Sie an die Hepatitis: Da bestimmt man seine Antikörper-Titer und sieht dann, es sind so und so viele, und weiß: Ich bin noch so und so lange geschützt. Oder man weiß: Ich muss bald auffrischen gehen. So weit sind wir beim Corona-Virus leider noch nicht. Es ist Hausverstand, zu sagen, dass höhere Werte besser sind als niedrigere. Aber man kann heute noch nicht mit Sicherheit sagen, mit welchem Wert, also 1000, 1500 oder 770 man tatsächlich verlässlich wie lange geschützt ist. Das Nationale Impfgremium hält in seinem frei im Internet herunterladbaren Dokument fest, dass immer noch kein Schutzkorrelat etabliert ist. Das heißt: Es kann niemand seriös sage, dass man mit dieser oder jener Antikörperzahl verlässlich geschützt ist. Was man aber herausgefunden hat: Mehr Bedeutung als die Höhe von Antikörpern hat der Zeitabstand zur letzten Konfrontation mit dem Virus oder seinen Merkmalen. Es scheint also bedeutsamer, wie viel Zeit seit der Infektion oder Impfung vergangen ist, als das, was man im Blut messen kann. Außerdem sind die Antikörper nur ein Teil der Immunantwort. Daneben gibt es noch die zelluläre Immunität, die man nicht so leicht messen kann.

Was passiert im Körper, wenn etwa 13.000 Antikörper vorhanden sind und trotzdem der dritte Stich erfolgt? Kann das ein Körper überhaupt schadlos verarbeiten?
Primar Lamprecht: Nein, das birgt keine Gefahr, wenn man trotz vieler Antikörper wieder impft. Bitte stellen Sie sich vor: Sie sind ja mit vielen Antikörpern auch nicht davor gefeit, mit dem Virus in Kontakt zu kommen. Das wird Ihr Immunsystem genauso herausfordern, wie die Impfung – nur mit dem Risiko einer Erkrankung. Insoferne ist hier keine Gefahr zu erwarten.

Impfen nach einer Sars-CoV-2-Infektion

Wenn ich geimpft (2x mit Biontech/Pfizer) wurde und einen Impfdurchbruch mit leichten Symptomen hatte, wann soll ich die 3. Impfung bzw. muss ich überhaupt einen Booster erhalten?
Primar Lamprecht: Diese Person hat auch schon drei Konfrontationen mit dem Virus oder Virusmerkmalen. Da sagt das Nationale Impfgremium, dass jetzt nicht unmittelbar eine dritte Impfung notwendig ist. Aber: Es wird empfohlen, in diesem Fall zumindest sechs Monate nach der Infektion noch einmal zu impfen.

Schützt Erkrankung besser als Covid-19-Impfung?

Ist man durch eine durchlaufene Covid-19-Erkrankung besser immunisiert als durch die Impfungen. Ist es sinnvoll, sich nach einer Infektion impfen zu lassen?
Primar Lamprecht: Nein, ich kann aus persönlicher Erfahrung sprechen: Ich habe Patienten auch schon zum zweitem Mal behandeln dürfen, also Menschen, die einmal infiziert und genesen sind, und dann keine Impfung in Anspruch genommen haben und dann ein zweites Mal so erkrankt sind, dass sie das Spital gebraucht haben. Das unterstreicht, dass man auch als Genesener nicht besser geschützt ist als mit der Impfung. Es gibt aber Unterschiede, das ist richtig: Bei der Infektion hat man mit dem gesamten Virus Kontakt, die Immunantwort ist sicherlich eine vielfältigere als bei der Impfung, wo sich durch einzelne Merkmale eine Immunantwort ausbildet. Vor allem auch an den Schleimhäuten, im Nasen-Rachen-Raum hinterlässt eine Infektion einen noch besseren Schutz als die Impfung. Die Impfung bietet mit der Bildung von Antikörpern vor allem einen Schutz im System, im Blut. An den Schleimhäuten ist die Infektion zweifellos ganz vorteilhaft, aber: Nachdem die Infektion mit dem Risiko der schweren Erkrankung verbunden ist, ist die Impfung natürlich zu bevorzugen.

Schnelle Zulassung der Impfstoffe

Die Zulassung der Impfstoffe durch die EMA verlief sehr schnell und es gibt Zweifel, dass da wirklich so genau geprüft worden ist.
Primar Lamprecht: Bei den Zulassungsstudien würde ich doch größtes Vertrauen in die FDA und in die EMA haben, die hier ganz große Verantwortung tragen und diese Studien im Detail geprüft haben. Ich kenne den Hinweis auf eine mögliche Fehlerhaftigkeit, die allerdings von der EMA schon derart beurteilt wurde, dass das an den Ergebnissen der Studie jedenfalls gar nix ändert.

Warum konnten die Corona-Vakzine überhaupt so schnell zugelassen werden? Wie definiert sich der Begriff Langzeitstudie bei Impfstoffen oder neu zugelassenen Medikamenten?
Primar Lamprecht: Dass es so schnell gegangen ist, das hat tatsächlich viele Menschen erstaunt, und das kann man am besten so erklären: Normalerweise werden diese Impfstoffstudien nacheinander gemacht, die laufen ja in Phasen ab. Und dann wartet man ab, ob die Phase 1, die Phase 2 positive Ergebnisse haben und geht dann erst in Phase 3 oder Phase 4 weiter. Das ist natürlich ein ökonomisch sinnvolles Vorgehen, weil man dann nur Geld in weitere Impfstoff-Phasen investiert, wenn das erfolgversprechend erscheint. Hier hat man bei den Corona-Impfstoffen aber alles auf eine Karte gesetzt und gesagt „egal ob das jetzt gut geht oder nicht“ und hat mehrere Studienphasen parallel laufen lassen. Dadurch hatte man natürlich ein hohes finanzielles Risiko. Das haben die Pharmafirmen getragen, in der Hoffnung, möglichst rasch zu einem Impfstoff zu kommen und auf den Markt bringen zu können. Ein enormer Einsatz von Geldmitteln, der unvergleichlich ist in der Impfstoffherstellung. Und es war zudem sehr viel einfacher, Menschen zu finden, die bereit waren, an Impfstoffstudien teilzunehmen. Viele andere Impfstoffstudien brauchen wahnsinnig lange Zeit, weil sich kein Mensch dafür interessiert, an einer Studie teilzunehmen. Hier war das im letzten Jahr ein riesiges Thema, weil natürlich die ganze Welt über nix Anderes gesprochen hat. Und deshalb war die Bereitschaft vieler Menschen, hier bei den Studien als Teilnehmer auch einen Dienst an der Wissenschaft zu leisten, ein ganz anderer. Also es ist tatsächlich deswegen auch schnell gegangen.
Langzeiterfahrungen hat man jetzt natürlich nicht im Sinne von Jahren und Jahrzehnten. Aber man weiß von vielen anderen Impfungen, die man entwickelt hat, dass negative Effekte im Regelfall schon nach Wochen oder wenigen Monaten auffallen, vor allem dann, wenn sehr viele Menschen geimpft werden. Dann können auch sehr, sehr seltene Nebenwirkungen erfasst werden. Und jetzt hat man schon mehr als sieben Milliarden Corona-Impfungen durchgeführt, und man hat schon Erfahrungen, die weit über zwei Monate hinausgehen. Daher kann man diese Impfung nach Ansicht aller Vakzinologen und laut Experten der FDA und EMA als eine ganz besonders sichere betrachten. Und man hat keine bisher keine Hinweise gefunden, dass es irgendwelche Langzeiteffekte geben könnte. Wenn Langzeiteffekte durch die Konfrontation mit Virusmerkmalen auftreten, dann bestimmt nicht ausgeprägter als mit der Virusinfektion, wo das in einer ganz anderen Intensität auftritt. Und über Langzeiteffekte der Viruserkrankung wissen wir natürlich auch noch nicht sehr viel. Wir wissen nur, dass in der Akutphase der Schaden bei Weitem überwiegt.

Was ist der Grund für die Impfdurchbrüche?

Warum kommt es jetzt so häufig zu Impfdurchbrüchen bzw. warum soll ich mich impfen lassen, wenn die Impfung nicht vor einer Infektion sondern nur vor einem schlechten Verlauf schützen soll, der laut Zahlen, auf die Gesamtbevölkerung gesehen, eher gering ist? Die Impfung wird nicht geimpften Personen als wirksam empfohlen, den bereits doppelt Geimpften aber als nicht ausreichend wirksam erklärt, weshalb es einen dritten Stich brauche. Widerspricht sich das nicht?
Primar Lamprecht: Der Schutz ist eben zeitlich begrenzt. Es schützt schon eine erste und vor allem die zweite Impfung sehr gut, aber der Schutz ist nicht unbegrenzt lange. Man ist nach der zweiten Impfung, etwa eine Woche danach, tatsächlich hervorragend geschützt. Aber vier bis sechs Monate später nimmt dieser Schutz dann ab. Und man braucht dann eine Erneuerung.

Die MedUni Wien sucht im AustriaCenter 5000 Freiwillige für eine Studie um die Wirksamkeit der Booster-Impfung zu untersuchen (lt. Studienleiterin: Wirkung, Sicherheit, Impfreaktionen, Nebenwirkungen und Entwicklung von Antikörpern). Wurde das nach der ursprünglich als Grundimmunisierung bezeichneten 2-fach-Impfung nicht gemacht und wenn nein: warum nicht?
Primar Lamprecht: Man hat diese Auffrischungs- oder Booster-Impfungen tatsächlich erst später untersucht, weil sich auch das Virus verändert und uns herausgefordert hat. Sehr viele Daten hat man jetzt aus tatsächlicher Anwendung, etwa aus Israel, und natürlich auch aus Impfstoff-Studien. Und wenn wie in Wien jetzt Menschen für eine Studie gesucht werden, dann werden auch ganz viele Facetten untersucht. Man will wissen: Bei welchem Impfstoff in welcher Altersgruppe kann man wie lange mit welcher Immunantwort rechnen. Genau dort wollen wir hin, dass wir nicht jedem über 18-Jährigen die gleiche Empfehlung geben müssen. 40- bis 60-Jährige brauchen dann etwa den und den Abstand, über 65-Jährige brauchen es etwas häufiger. Genau das möchte man herausfinden. Aber im Moment ist es wichtig, so viele Menschen wie möglich so gut und rasch als möglich zu schützen.

Testen ist eine "Krücke"

Viele Geimpfte erkranken und können das Virus auch übertragen - in Wirklichkeit gibt doch nur ein PCR-Test Sicherheit.
Primar Lamprecht: Die PCR-Tests und überhaupt die Tests waren eine ganz, ganz hilfreiche Maßnahme. Aber man hätte mit der Verfügbarkeit der Impfung eine Wende vollziehen sollen, auch in der Kommunikation, und sagen sollen: Das ist nicht ganz gleichwertig. Natürlich kann der Test tagesaktuell sagen, ob jemand infektiös ist oder nicht. Vor allem der PCR-Test hat eine sehr hohe Qualifikation, schon geringe Mengen des Virus nachzuweisen. Aber Sie wissen, wie das in der Praxis abläuft. Das Ergebnis bekommt man erst Stunden, manchmal erst 24 Stunden nach der Abnahme. Dann sagt das über den aktuellen Stand schon wenig aus und soll noch für die nächsten 24 oder 48 Stunden auch eine Aussage treffen. Das ist tatsächlich sehr, sehr schwierig. Da ist die Impfung eine bessere Variant, sie wird aber nur dann funktionieren, wenn sehr viele geschützt sind. Stellen Sie sich vor, es würden sich fast nur geschützte Menschen begegnen. Dann hat vielleicht der eine Geschützte trotzdem eine Virusinfektion, merkt aber nix, außer ein bisschen Schnupfen oder Halsweh. Er überträgt es im schlechtesten Fall auf jemanden, der auch geschützt ist und auch nicht schwer erkrankt. Da wären wir das Problem letztlich los, und es würde sich auch diese Testerei aufhören können. Solange aber ein erheblicher Teil der Bevölkerung nicht geschützt ist, brauchen wir diese Krücke des Testens. Es ist aber letztlich eine Behelfslösung und sicherlich nicht so gut, als wären mehr Menschen geschützt. Mit der Impfung kann man weiterhin Überträger sein, man kann infiziert sein und man kann das Virus übertragen. Man ist aber für einen kürzeren Zeitraum infektiös, und Geimpfte bauen auch ihre Viruskonzentration deutlich rascher ab als Ungeimpfte.

Nebenwirkungen der Covid-19-Impfung

Es gibt immer wieder das Gerücht, dass mRNA-Impfstoffe Einfluss auf die DNA nehmen. Was macht die Impfung mit der DNA?
Primar Lamprecht: Ich habe gar keine Sorge, dass die Impfstoffe unser Erbgut verändern können. Bei den jetzt breit verfügbaren mRNA-Impfstoffen ist es so, dass diese RNA mit unserer DNA, die unser Erbgut abbildet, nicht kompatibel ist. Das geht nicht, die passen einfach nicht zusammen, können nicht miteinander fusionieren. Da müsste die RNA in DNA umgewandelt werden, dafür fehlt dem Menschen aber das notwendige Enzym, das hat der Mensch gar nicht. Und sollte das doch denkmöglich sein, was es nicht ist, aber sollte es doch so sein, dann muss man sich aber bitte fragen: Was würde dann bei der Virusinfektion passieren? Wenn das möglich wäre, dann müsste jedes dieser Viren ständig unser Erbgut verändern können. Und das haben wir ja bisher auch nicht als Gefahr wahrgenommen.

Stimmt es, dass man nach ein paar Jahren an der Impfung versterben kann?
Primar Lamprecht: Die Vakzinologen und Impfstoffspezialisten sagen, dass sie aus der Impfstoffentwicklung der letzten Jahrzehnte sagen können, dass Nebenwirkungen so einer Art schon früher auftauchen, weil es diese typischen Langzeitfolgen bei Impfstoffen nicht gibt. Der Impfstoff ist eine kurzfristig im Körper verfügbare Information, auf die reagiert das Immunsystem, und dann ist das aber auch wieder weg. Das ist eine andere Situation, als würde man über Jahre hinweg ein Medikament einnehmen, wo man immer mehr von diesem Medikament in den Körper bekommt, und dann vielleicht auch kumulative Effekte entstehen und dann vielleicht Langzeitfolgen. Die Impfung ist eine einmalige oder bei mehreren Teilimpfungen mehrmalige Konfrontation, und dann ist das auch schon wieder erledigt. Daher sind Effekte in den ersten Tagen bis maximal wenige Monate danach ablesbar. Erfahrungen aus diesem Zeitraum haben wir aber schon für die Corona-Impfung, auch in Österreich bei vielen Millionen Impfungen. Und hier hat man keine Effekte gesehen, die in die Zukunft gerichtet wesentliche Risiken bedeuten würden.

Warum wird eine Impfung als „sicher“ bezeichnet, wenn es doch Nebenwirkungen gibt und wenn nicht jeder Tote in einem gewissen Abstand zur Impfung obduziert wird?
Primar Lamprecht: Es gibt praktisch keine Maßnahme in der Medizin, die keine Nebenwirkung hat. Wenn Sie den Beipackzettel einer Kopfschmerztablette lesen, dann werden Sie sicher sein, dass selbst dort bei vergleichsweise harmlosen Eingriffen Nebenwirkungen möglich sind. Und daher geht man davon aus, dass etwas sicher ist, wenn die Vorteile bei weitem die Risiken überwiegen. Und das tun sie im Falle der Imfpung. Es geht also immer um die Nutzen-Risiko-Abwägung. Und wenn die Situation so wäre, dass ich die Wahl habe zwischen „ich tue nichts und werde auch nie infiziert werden“ oder „ich lasse mich impfen“, dann ist natürlich die Impfung als medizinische Intervention mit mehr Risiko verbunden, als nichts zu tun. Das ist bei jedem medizinischen Eingriff so. Aber die Wahl gibt es ja nicht, sondern die Wahl wird bestehen zwischen Impfung oder Infektion. Und diese Risiken gilt es gegeneinander abzuwägen, denn früher oder später wird jeder mit dem Virus sonst in Kontakt kommen – geschützt oder ungeschützt.

Besteht die Möglichkeit, dass die Covid-19-Impfung das Immunsystem für andere Krankheiten „blind“ macht?
Primar Lamprecht: Nein, diese Gefahr der Blindheit des Immunsystems besteht zweifellos nicht, überhaupt nicht.

Seit der Impfung bin ich permanent müde. Ich schlafe nachts zirka acht Stunden. Gibt es da einen Zusammenhang?
Können durch diese Impfungen Langzeit-Nebenwirkungen auftreten wie Muskelschmerzen, anhaltende Kopfschmerzen oder Schwindelgefühle?

Primar Lamprecht: Das sind keine typischen Nebenwirkungen, aber es ist nicht auszuschließen, dass da ein Zusammenhang besteht. In jedem Fall ist es wichtig, mit seinem behandelnden Arzt diese Symptome zu besprechen, zu schauen, ob es eventuell eine andere Erklärung gibt. Denn es kann natürlich auch eine zeitliche Koinzidenz sein. Wenn jetzt sehr viele Menschen geimpft werden in sehr kurzer Zeit, dann beobachtet man Ereignisse, die auch bei vielen Menschen ohne Impfung eingetreten wären. Sie werden aber jetzt wegen eines zeitlichen Zusammenhangs mit der Impfung auch in einen ursächlichen Zusammenhang gebracht, und das ist sozusagen aufzulösen: Ist es eben nur ein zeitlicher Zusammenhang, oder ist auch wirklich ein ursächlicher Zusammenhang da? Da braucht es eine sorgfältige Abklärung und Diagnostik. Und Ärzte sind ja auch verpflichtet, wenn sie den Eindruck haben, da ist eine Nebenwirkung der Impfung, das zu melden an das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen. Und das wird dort auch alles gesammelt. Diese Verpflichtung besteht.

Impfreaktionen bei der dritten Impfung

Mit welchen Nebenwirkungen muss man bei der dritten Impfung rechnen, wenn man bereits bei der ersten und zweiten Impfung mit schmerzhaften Nebenwirkungen zu kämpfen hatte?
Mein Sohn (20) wurde mit Johnsson geimpft und es ging ihm nachher schlecht. Was würde jetzt bei einer Auffrischung im Januar mit ihm passieren? Kann seine Impfreaktion noch schlimmer sein?
Primar Lamprecht: Impfreaktionen bei der dritten Impfung haben sich laut den bisherigen Erfahrungen – und in Österreich sind jetzt auch schon mehr als 15 Prozent der Bevölkerung ein drittes Mal geimpft – überwiegend so dargestellt, wie bei der zweiten Teilimpfung. Also nicht stärker von Impfung zu Impfung, sondern bei der dritten Imfpung wie bei der zweiten. Es gibt Menschen, die spüren weder bei der ersten noch bei der dritten Impfung etwas. Und andere, die haben die typischen Impfreaktionen, also Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, erhöhte Temperatur, Müdigkeit für zwei bis drei Tage. Wenn man zuerst mit dem Johnsson-Impfstoff geimpft wurde, dann empfiehlt man jetzt eine weitere Impfung mit dem Messenger-Impfstoff, als Pfizer-Biontech oder Moderna.

Covid-19-Impfung bei Krebs

Kann man sich mit der Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis bedenkenlos impfen lassen?
Primar Lamprecht: Ja, auch bei Autoimmunerkrankungen zeigen die bisherigen Beobachtungen und Studiendaten, dass die Impfung nicht dazu führt, dass Autoimmunerkrankungen neue Schübe erfahren oder neue Autoimmunerkrankungen ausgelöst werden.

Ich habe Brustkrebs und bin zweimal geimpft. Ich mache zur Zeit eine Hormontherapie wegen der Erkrankung. Ist die 3. Impfung für mich gut, kann sie mein geschwächtes Immunsystem überhaupt vertragen?
Primar Lamprecht: Bei Krebserkrankungen ist die Impfung kein Problem, im Gegenteil. Das einzige Risiko, das für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem besteht, ist, dass die Wirkung nicht ganz so gut ausfällt wie bei Menschen, die ein ganz intaktes Immunsystem haben. Aber es besteht von den Imfpstoffen, die derzeit zugelassen sind, und auch von den anstehenden Totimpfstoffen kein Risiko, dass man die Krankheit entwickelt, wenn man sich in einem geschwächten Immunzustand impfen lässt. Denn es wird ja nicht mit einem Lebendvirus geimpft, sondern nur mit einem Virusmerkmal oder abgetöteten Virusbestandteilen. Also an Corona erkranken kann man durch die Impfung nicht, auch nicht, wenn man gerade eine Chemotherapie durchmacht und geschwächt ist. Aber es kann sein, dass die Reaktion auf die Impfung nicht so exzellent ausfällt, und daher schon früher eine weitere Impfung notwendig ist, oder dass auch weitere Schutzmaßnahmen besonders ratsam sind wie Abstand halten, Händehygiene, Maske tragen in dieser speziellen Situation.

Ist eine Impfung bei Krankheiten wie Diabetes oder leichter Epilepsie generell ratsam?
Primar Lamprecht:
Bei chronischen Erkrankungen ist die Impfung empfehlenswert, denn genau da besteht ja ein erhöhtes Risiko, im Falle einer Infektion einen schweren Verlauf zu haben. Und dagegen möchte man sich ja bestmöglich schützen. Diabetes ist eine dieser Erkrankungen, bei denen das Immunsystem in der Regel nicht so widerstandsfähig und daher ein guter Schutz durch die Impfung besonders wertvoll ist.

Stimmt es, dass man nach der Impfung nicht mehr schwanger werden kann? Oder umgekehrt: Kann die Impfung unfruchtbar machen?

Primar Lamprecht: Also die Impfung ist keine Gefahr für die Fruchtbarkeit und für die Möglichkeit, Kinder zu bekommen. Es gibt hier ganz eindeutige und klare Stellungnahmen von Gynäkologen und auch Kinderärzten, die sich hier ganz klar ausgesprochen haben: Keine Bedenken.

Kann ich mich als Schwangere impfen lassen?
Primar Lamprecht: In der Schwangerschaft ist eine Impfung auch möglich, im Idealfall macht man es schon vorher. Wenn es in der Schwangerschaft notwendig sein sollte, weil es davor nicht möglich war, dann empfehlen die Spezialisten die Impfung im zweiten oder dritten Drittel der Schwangerschaft. Das heißt nicht unbedingt in den ersten drei Monaten aber danach. Und fällt eine zeitlich passende dritte Impfung in eine Schwangerschaft, dann wäre vor allem das letzte Drittel der Schwangerschaft der richtige Zeitpunkt. Man kann auch in der Stillzeit impfen, und es ist auch nicht notwendig, dafür abzustillen.

Corona-Infektion behandeln statt impfen


Warum wurde angesichts der größten Pandemie der letzten 100 Jahre nicht auf ein breiteres Spektrum der Medikation gesetzt, nur auf diese Impfung? Wäre die "Zweckentfremdung" anderer bereits zugelassener Medikamente nicht das gelindere Mittel gewesen?

Primar Lamprecht: Es wurde nichts unversucht gelassen, ganz im Gegenteil. Wenn Sie in den Medien recherchieren, werden sie finden, dass gerade in den Anfängen der Corona-Pandemie Impfstoffe ja unendlich weit entfernt schienen, zumindest Monate, wenn nicht gar Jahre. Man hat alles daran gesetzt, gerade medikamentös für Linderung zu sorgen. Man hat genau das gemacht, also Zweckentfremdung und Neuverwendung, also Medikamente, die in einer anderen Indikation zugelassen sind, zu verwenden. Am Anfang hat man Malaria-Medikamente eingesetzt, HIV-Medikamente, über lange Strecken und bis heute setzt man auch ein Ebola-Medikament ein, nämlich Remdesivir. Man hat also nichts unversucht gelassen, aber bei vielen Präparaten feststellen müssen, dass man leider nicht den positiven Effekt hat, den man sich erhofft hatte. Und dass die medikamentöse Behandlung von Viruserkrankungen nicht einfach ist, das zeigt auch die die einfache Grippe. Immerhin sind wir damit seit hundert Jahren konfrontiert – und was hat die Medizin bis heute an Medikamenten dagegen zu bieten? Zwei bis drei Präparate mit sehr moderater Wirksamkeit. Das ist das Ergebnis nach 100 Jahren Beschäftigung damit und einem wahrlich großen Markt, der hier bedient werden könnte. Also das ist nicht ganz einfach bei Viruserkrankungen. Und daher ist man sehr froh, wenn man von dieser Reparaturmedizin wegkommen kann und hin zur Vorsorge. Und wenn es möglich ist, was ja gar nicht sicher war, dass man eine Impfung in die Hand bekommt, die in einem hohen Ausmaß schützt, dann ist das jedenfalls zu bevorzugen. Dass wir daneben aber auch Medikamente brauchen und auch massiv beforschen, ist unbestritten, weil es ja auch immer Menschen geben wird, die trotz Impfung erkranken, weil sie immungeschwächt sind – oder Menschen, die nicht geimpft werden können. Daher braucht es unbedingt Medikamente. Da ist man schon große Schritte weitergekommen: Monoklonale Antikörper oder Virostatika, die man in Tablettenform einnehmen kann. Ja, da kommt schon etwas. Aber es zeichnet sich nicht ab, dass da ein Mittel dabei ist, bei dem man sagt: Das ist ganz leicht verträglich und zu hundert Prozent wirksam. Auch die kommenden Medikamente dürften der Impfung noch um Einiges nachstehen. Insofern sind sie eine wertvolle Erweiterung, aber sicher kein Ersatz zum Impfen. Auch viele andere Krankheiten haben wir ja Gott sei Dank mit der Impfung in den Griff bekommen. Und da hoffen wir, dass ich das Coronavirus auch hier einreihen wird.

Ivermectin gegen Covid-19-Erkrankung?

Was ist von Ivermectin zu halten, das immer wieder als wirksames Medikament gegen Corona angepriesen wird?
Primar Lamprecht: Ivermectin ist ja ein Medikament, das sonst für parasitäre Erkrankungen verwendet wird, also auch als Entwurmungsmedikament. Und es wird in Studien tatsächlich seit langer Zeit untersucht, also es gibt laufende Studien, wo Ivermectin bei Coronavirus-Erkrankungen eingesetzt wird. Aber: Es gibt eine ganz klare Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation und auch anderer Fachgesellschaften, das Medikament bitte nicht außerhalb von klinischen Studien einzusetzen. Und bisherige Studienergebnisse haben hier noch nicht überzeugen können. Wenn Studienergebnisse überzeugend sind, dann kommt es ja zu Notfallzulassungen oder sehr raschen Bearbeitungsprozessen bei der EMA und anderen Zulassungsbehörden. Das ist hier nicht der Fall, also außerhalb von klinischen Studien ist das nicht empfohlen.

Betreuung von Corona-Patienten verbesserbar


Wieso werden Corona-Patienten nicht besser durch den niedergelassenen Bereich versorgt? Wären dadurch nicht Hospitalisierungen vermeidbar, wenn die Behandlung frühzeitig durch einen Hausarzt beginnen würde (Kortison etc.)? Wie lässt es sich medizinethisch vertreten, dass Hausärzte keine Corona-Patienten versorgen (kommen einfach nicht zu ihnen). Ein Arzt muss doch wissen, wie er sich vor Infektionskrankheiten schützt.

Primar Lamprecht: Ich glaube, dass es nicht so sehr die Sorge des Schutzes des Arztes ist. Der kann sich ja mit der nun zum Glück wieder ausreichend zur Verfügung stehenden Ausrüstung ganz gut schützen. Es ist eher die nicht mögliche frühe Therapie. Denn was wir in der Frühphase brauchen würden, das wären Virostatika, also Medikamente, die die Vermehrung des Virus verhindern. Tabletten, die kommen werden, sind zwar nicht zu hundert Prozent wirksam und wahrscheinlich auch deutlich weniger wirksam als die Impfung. Aber sie können zumindest einen Effekt haben, ähnlich wie jene gegen die Grippe. Da gibt es ein Präparat, das, wenn man das rechtzeitig einnimmt, den Krankheitsverlauf etwas beeinflussen und die Krankheitsdauer etwas verkürzen kann. Aber die entsprechenden Präparate gegen Corona sind noch nicht verfügbar. Das wären ideale Medikamente für den Hausarzt. Die zweite mögliche frühe Therapie wären Präparate, die man einsetzt, um bei einer Infektion und bei gegebenen Risikofaktoren eine schwere Erkrankung zu verhindern. Das wären zum Beispiel monoklonale Antikörper, also jene Antikörper, die ein anderer, der geschützt ist, schon hat. Entweder durch eine durchgemachte Erkrankung oder durch Impfung. Aber diese monoklonalen Antikörper sind momentan Infusionen, und diese Infusionen müssen in einem gewissen Zeitraum verabreicht und dann auch eine Nachbeobachtung durchgeführt werden. Das ist also nicht ganz unkompliziert. Und daher ist es im Moment in den Kliniken und Spezialistenzentren angesiedelt und nicht etwas, das man breit ausrollen könnte. An der besseren Verfügbarkeit wird zweifellos auch gearbeitet, aber man muss sich da auch die Komplexität und die Kosten vorstellen. Eine Infusion mit so einem Antikörper-Cocktail kostet 2000 bis 3000 Euro. Und dann ist sie auch nicht zu hundert Prozent wirksam, sondern ist nur eine Risikoreduktion. Das ist also kein Vergleich zu einer gut wirkenden Vorsorge, die das von vornherein unterbinden könnte.

Gesundheit statt Impfung kampagnisieren

Warum gibt es seit Monaten eine Impfkampagne nach der anderen, aber keine konkreten Initiativen zur Föderung der allgemeinen Gesundheit: Ernährung, Sportangebote, gesunder Schlaf etc. Vier von zehn Corona-Toten sind Diabetiker, fast alle haben schwere Vorerkrankungen. Wären Kampagnen zur Förderung eines gesunden Lebensstils nicht wichtiger und nachhaltiger als Impf-Kampagnen?
Primar Lamprecht: Die Vorsorgemedizin ist der Reparaturmedizin überall überlegen, in allen Belangen. Ob das das Thema Rauchen, das Thema Ernährung, das Thema Bewegung ist. Selbstverständlich könnten wir uns ganz, ganz viele Probleme, die dann in den Spitälern zu lösen sind und nicht immer zur Zufriedenheit gelöst werden können, ersparen, wenn es um die Vorsorge besser bestellt wäre. Es gibt Ansätze in diese Richtung, aber bei weitem nicht zufriedenstellend. Im Moment muss sich das ergänzen. Wir können die Situation mit reinen Vorsorgemaßnahmen nicht ändern. Wir werden also weder COPD-Patienten mit Vorsorgemaßnahmen heilen können, noch Diabetiker. Ein hoher Anteil unserer Bevölkerung ist einfach in einem krankheitsgefährdeten Alter und hat viele chronische Erkrankungen. In die Zukunft gerichtete Maßnahmen dagegen müssen endlich forciert werden. Aber sie helfen uns leider nicht im Moment. Jetzt müssen wir uns gegen diese akute und über uns hereingebrochene Bedrohung eher mit anderen Maßnahmen schützen.

Mehr Informationen zu Corona in Oberösterreich auf meinbezirk.at/corona-oö

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