Bayern im Wahlkampf: "Wir gehören in die Leberkäs-Etage"

Ministerpräsident Markus Söder gab am Parteitag die Losung aus: "Kämpfen, kämpfen, kämpfen".
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OBERÖSTERREICH/MÜNCHEN. Am 14. Oktober wird gewählt. Nicht in Oberösterreich, nicht in Wien, sondern in Bayern. Die anstehenden Landtagswahlen im Freistaat sorgen schon seit mehreren Monaten für politische Verwerfungen in Deutschland. Der CSU von Ministerpräsident Markus Söder droht ein historisch schlechtes Ergebnis. Aktuelle Umfragen sehen die Partei, die es gewohnt ist mit absoluter Mehrheit zu regieren, bei 35 Prozent. Dahinter folgen die Grünen mit 17 Prozent, den dritten Platz teilen sich derzeit SPD, AfD und Freie Wähler mit je elf Prozent.

Sollte das Wahlergebnis so ausfallen, müsste sich die CSU nicht nur einen, sondern sogar zwei Koalitionspartner suchen – völlig undenkbar bis vor Kurzem im "Laptop&Lederhosen"-Land. Um die Umfrageinstitute (einmal mehr) Lügen zu strafen, trafen sich Parteispitze und Basis am 15. September im Münchner Postpalast. „Jetzt erst recht“ gab Alt-Parteichef Edmund Stoiber das Credo des Parteitags aus. Apropos Parteispitze: Wem die Sympathien der Parteibasis gehören, war schnell klar: verhaltener Applaus für Innenminister Horst Seehofer, großer Jubel der 1.000 Parteitagsdelegierten für Ministerpräsident Söder. Ein Indikator dafür, dass die Basis nicht goutiert, dass Seehofer nach jahrelangen internen Querelen mit Söder keine ordentliche Hofübergabe hinbekam. „Wenn man zwei Chefs hat, funktioniert das einfach nicht“, heißt es aus CSU-Kreisen.

„Gehören in die Leberkäs-Etage“

In seiner Parteitagsrede warnte Söder, dass Bayern vom „Modellfall zum Problemfall der Demokratie“ werden könnte, falls sich die Umfragen bewahrheiten. Klare Kante gab es in Richtung AfD: „Franz Josef Strauss hätte die AfD bekämpft und wir werden es auch tun“. Applaus. Die AfD sei Teil eines internationalen Netzwerks, das den Geist der Verunsicherung, der durch Europa wehe, nutzen wolle. Applaus. Aber in Bayern wolle man keine „Rechtsextremen, die den Landtag dominieren“, so Söder. Noch mehr Applaus.

Doch nicht nur das Flüchtlingsthema war bei den Parteitagsreden omnipräsent – dementsprechend knabbern seit Monaten politische Parteien rechts der CSU an deren Wählerreservoir. Vielmehr überrascht ist man in Deutschland und Bayern derzeit vom Aufschwung der Grünen. Deshalb gab (Noch-)Parteichef Horst Seehofer in einer Rede sozialen Themen Raum: Kindergeld, Wohnungsbau, Pflege. Die CSU sei keine Partei der „Champagner-Etage, sondern der Leberkäs-Etage“, donnerte auch Ministerpräsident Söder. Unterm Strich sei der Auftrag für die nächsten vier Wochen: „Alle anderen sind gegen uns!“, deshalb müsse man „kämpfen, kämpfen, kämpfen“.

Von Oberösterreich blickt man gespannt auf die Ergebnisse der Bayern-Wahl. ÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer war beim Parteitag vor Ort um Schlüsse für die oberösterreichische Volkspartei draus zu ziehen: Man sehe in diesem Wahlkampf deutlich, dass eine bürgerliche Volkspartei nicht nur klare Kante beim Migrationsthema zeigen müsse, sondern ebenso die liberalen Stimmen nicht verlieren dürfe. Denn sonst würden die Grünen auf Kosten der bürgerlichen Mitte reüssieren. Hinzu komme, dass eine ordentliche und zeitgerechte Übergabe der Spitzenposition – wie in Oberösterreich – in einer Partei unumgänglich sei, so Hattmannsdorfer.

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