Welttierschutztag 2020
"Österreich ist ein Paradies für Tierquäler"

Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner und Chefinspektor Othmar Coser.
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  • Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner und Chefinspektor Othmar Coser.
  • Foto: Land OÖ/Tina Gerstmair
  • hochgeladen von Florian Meingast

Anlässlich des Welttierschutztages am 4. Oktober veranstalteten Landeshauptmann-Stellvertreter und Naturschutzreferent Manfred Haimbuchner (FP) und Tierschutz-Landesrätin Birgit Gerstorfer (SP) kürzlich Pressekonferenzen. Ihre Themen: Tierquälerei und Artenschutzverbrechen sowie das Tierwohl an sich. 

OÖ. "Ich sehe eine besondere Verantwortung der Politiker, auf den Artenschutz zu achten", sagt Haimbuchner in Anbetracht der jüngsten Vorkommnisse im Land bezüglich Tierquälerei und Artenschutzverbechen.

"Die erschreckende Zunahme von Verbrechen an unseren Tieren während der jüngst vergangenen Wochen und Monate spiegelt den Zustand der Gesellschaft wieder. So wurden beispielsweise in Linz Katzen gehäutet, Enten in Ried die Füße abgeschnitten und Lämmer in Hörsching auf offener Straße geschächtet. Dazu kommt das Töten von geschützten Tierarten, darunter Luchse und Kaiseradler, mit beispielsweise Giftködern. Wenn das passiert hat die Gesellschaft ein Problem", sagt Haimbuchner.

Zu niedrige Strafen

Geht es nach Haimbuchner, ist Österreich ein "Paradies für Tierquäler".

"In Österreich werden dafür bis zu zwei Jahre Haft ohne Mindeststrafe verhängt. In Deutschland hingegen sind es drei, in den USA sogar sieben Jahre."

Aus diesem Grund richtete der Oberösterreichische Landtag Anfang Juli einstimmig eine Resolution an die Bundesregierung. Darin wurde eine Strafverschärfung bei vorsätzlichen Umweltdelikten in Form einer Mindeststrafe von sechs Monaten sowie eine Höchststrafe von drei Jahren für das Töten streng geschützter Tiere gefordet.

"Diese Fälle sind keine Kavaliersdelikte. Ich werde mit dieser Resolution daher erfolgreich sein", sagt Haimbuchner.

Anstieg von Fällen

Apropos streng geschützte Tiere: Nachdem am 19. März ein Kaiseradler im Bezirk Wels-Land erschossen und zwischen 2017 und 2020 elf Rotmilane getötet wurden, berief Haimbuchner am 26. Juni einen runden Tisch ein. Dabei nahmen Vertreter von BirdLife Österreich, dem Natuschutzbund, dem Jadgverband des Landes und des Bundes sowie der Abteilung Naturschutz teil. Ziel war es, Lösungsansätze für das illegale Töten von geschützten Tieren, insbesondere durch Giftköder, zu finden.

Dazu wurde die organisationsübergreifende Initiative "Schutz für heimische Greifvögel 2021" gegründet. "Das ist für mich eine Aktion scharf", sagt Haimbuchner. Das Ziel besteht einerseits darin, die Jägerschaft zu sensibilisieren und aufzuklären. Außerdem finden künftig in den Bezirken und Gemeinden, in denen sich illegale Handlungen häufen, Kontrollen durch "Naturwachorgane statt.

"Was in Bezug auf geschützte Tierarten einmal verloren ist, ist möglicherweise für immer verloren. Das ist ein Schaden für die kommenden Generationen", sagt Haimbuchner.

Keine Trophäen

Als Motive für derartige Taten nennt Othmar Coser, Chefinspektor der Umweltkriminalpolizei des Landeskriminalamts, die beiden folgenden:

"Einerseits töten manche Jäger zum Beispiel Luchse oder eben Kaiseradler, da sie ihnen ihre Beute wegfressen. Ihnen geht es in der Regel also nicht um die Trophäe. Bei den Luchsen ist es außerdem gut zu wissen, dass sie jeweils einen Rehbock pro Woche brauchen um zu überleben. Dazu kommt, dass sie ein sehr großes Einzugsgebiet haben. Das heißt, die jagen nicht ausschließlich auf einem Fleck. Auf der anderen Seite gibt es die Tierhasser und -quäler im urbanen Bereich. Sie sind zumeist mit Giftködern unterwegs und werden in anderen Bereichen auch gegen Menschen tätig."

Sechs Beamte

Mit sechs Beamten ist die oberösterreichische Umweltkriminalpolizei übrigens eine der stärksten Einheiten in diesem Bereich in Österreich. Die Polizisten agieren als Spezialeinheit für Umweltdelikte. 2019 klärten sie 43 der 87 angezeigten Fälle auf. Zum Vergleich: 2018 waren es noch 20 von 49. Für Coser ist die Dunkelziffer der Delikte jedoch um einiges höher.

"Es gibt Fälle, die wir erst gar nicht feststellen, da die Giftköder beispielsweise bereits verrottet sind", sagt Coser. 

1.700 Fundtiere

Während einer zweiten Presskonferenz in Linz sprach Sozial-Landesrätin Gerstorfer den Verantwortlichen von Tierschutzeinrichtungen und -heimen ihren Dank aus. Aktiver Tierschutz brauche ihrer Meinung nach gute fachliche Kenntnisse und viel Engagement. So wurden im Vorjahr 1.700 Fundtiere in Tierheimen und Schutzvereinen im Land abgegeben. Dazu kamen 100 Tiere, die behördlich abgenommen wurden sowie 1.000, die von den Besitzern direkt abgegeben worden waren.

"Die Zahl der Privatabgaben ist sicherlich größer, da nicht alle beim Land gemeldet werden müssen. Im Gegenzug haben unsere Partner übrigens 2.800 Tiere an neue Besitzer vermittelt", sagt die SP-Landesrätin.

Unter Partnern versteht Gerstorfer zwölf Tierheime und neun -schutzorganisationen. Um sie finanziell zu unterstützen, plant das Land Oberösterreich für den Betriebsaufwand heuer 467.000 Euro ein. 

Fokus Problemhunde

Einer dieser Partnerbetriebe ist die Tierschutzstelle in Freistadt.

"Diese betreibe ich seit der Gründung im Jahr 2007. Dass es dazu kam, war Zufall. Ich wurde von den Verantwortlichen der Bezirkshauptmannschaft gefragt, ob ich das Tierheim aufmachen möchte. Hintergrund war, dass ich selbst immer wieder Tiere in Obhut genommen habe", sagt die Leiterin Karin Binder.

Während der vergangenen 13 Jahren hat sich in der Tierschutzstelle einiges getan. So wurde sie 2016 mitunter um einen mordernen Tierheimtrakt erweitert. Dazu kam ein Hundeübungsplatz im April 2019. Derzeit werden in den Räumlichkeiten mehr als 340 Tiere betreut. Darunter sind auch Ziegen, Alpakas und ein Esel.

"Unser Fokus liegt vorwiegend auf Problemhunden. Einer der größten Erfolge war, dass ein Schäferhund, den wir hier ausbildeten, mittlerweile im Polizeidienst ist. Jedes Jahr kommen 20 bis 30 Hunde dazu. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Halter mit den Tieren meist nicht zurecht kommen", sagt Binder.

'Zwicken' und Hüftleiden

Oft sind die Hunde auch "falsch sozialisiert" oder stammen aus "Qualzüchtungen".  "Wenn die Welpen der Mutter zu früh weggenommen werden, kann es sein, dass sie danach öfter 'zwicken' und Angst haben", sagt Binder.

"Unter Qualzüchtungen verstehen sich Hunde, die Züchtungen mit beispielsweise schweren Hüftleiden und zu kurzen Schnauzen – diese führen zu andauernder Kurzatmigkeit – entstammen. Oft leiden sie auch an anderen schweren genetischen Erbkrankheiten", ergänzt Cornelia Rouha-Mülleder, die Tierschutzsombudsfrau des Landes.

Hunde aus Qualzüchtungen stammen laut Rouha-Mülleder oftmals aus dem Ausland.

"Oft werden im Internet günstige Hundewelpen angeboten. Diese stammen zumeist aus Rumänien, der Türkei sowie Griechenland und aus Qualzüchtungen. Es ist mir ein Anliegen, dass Tierkäufe im Internet vermieden werden. Meine Devise lautet daher: Kaufen Sie nicht spontan und überlegen Sie sich ob Sie für ein Tier wirklich sorgen können", sagt die Ombudsfrau.

Binder ergänzt, dass vor dem Kauf eines Hundes außerdem wichtig sei, sich die Elterntiere und die Bedingungen, unter welchen die Welpen aufwachsen, anzusehen. "Lassen Sie sich außerdem alle Papiere zeigen und klären Sie, ob die Welpen sozialisiert werden", sagt Binder.

"Wussten nicht wohin"

Während des Lockdowns in der Hochphase der Corona-Pandemie im Land blieben neben dem Großteil der Geschäfte zudem die Tierheime geschlossen.

"Viele Menschen kauften daher Tiere im Internet für sich oder ihre Kinder. Nachdem der Lockdown vorbei war, wurden viele der Tiere und vor allem Hunde ins Heim gebracht weil sie krank waren oder die Halter nicht mehr wussten, wie sie damit umgehen sollten", sagt Binder.

Projekt Streunerkatzen

Im Jahr 2011 haben die Verantwortlichen des Landes übrigens ein Projekt zur Kastration von Streunerkatzen ins Leben gerufen. Ein Grund dafür war, dass zwischen März und Oktober viele Katzenwelpen bei Tierschutzeinrichtungen abgegeben werden. Oft sind sie verwurmt, ausgehungert und haben hochansteckende sowie tödliche Krankheiten. Diese verwilderten Hauskatzen gehen auf unkastrierte Katzen zurück, die entlaufen sind oder ausgesetzt wurden. Während den vergangenen neun Jahren wurden 10.000 Streunerkatzen kastriert und so Tierleid verhindert. Dafür wurden seit 2011 750.00 aus dem Tierschutzbudget verwendet.

"Es ist übrigens moralisch verwerfbar und strafbar, Katzenbabies zu töten. Es kostet bis zu 3.700 Euro wenn man sich der Kastrationspflicht widersetzt. Im Wiederholungsfall sind es bis zu 7.500 Euro", sagt Rouha-Mülleder.

Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner und Chefinspektor Othmar Coser.
Tierschutzombudsfrau Cornelia Rouha-Mülleder, Karin Binder, Leiterin des Tierheims Freistadt und Tierschutz-Landesrätin Birgit Gerstorfer (v.l.).

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