"Wer ohne Zuweisung kommt, muss zahlen"

Der Druck im Gesundheitssystem steigt. "Wir leben immer länger, aber wir haben eine relativ hohe Krankheitslast zu tragen", erklärt OÖGKK-Chefin Andrea Wesenauer.
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  • Der Druck im Gesundheitssystem steigt. "Wir leben immer länger, aber wir haben eine relativ hohe Krankheitslast zu tragen", erklärt OÖGKK-Chefin Andrea Wesenauer.
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OÖ (pfa). Überfüllte Ärtzepraxen, Spitalsbetten auf den Gängen, volle Ambulanzen. Oft braucht man viel Geduld im Gesundheitssystem. "Wir haben überdimensional viele Spitalsbetten und alle sind belegt", erklärt Andrea Wesenauer, Direktorin der OÖ Gebietskrankenkasse (OÖGKK). "Der Punkt ist: Was heißt es für einen Patienten, der im Krankenhaus liegt und dort nicht sein muss? Nur, wenn Allgemeinmediziner und Fachärzte nicht mehr ausreichend sind, sollte man ins Spital", so Wesenauer. Hier krankt es: Bis zu 60 Prozent der Patienten in den Ambulanzen sind auf Selbstzuweisung dort. Ärztekammerpräsident Peter Niedermoser erzählt: "Im Sommer war eine Ambulanz voller Eltern mit Kindern, die von Zecken gebissen wurden. Wir müssen sagen: Du kannst nicht ohne Zuweisung eines Arztes ins Spital. Wer ohne kommt, muss zahlen, etwa eine Ambulanzgebühr." Beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger hält man sich bedeckt: "Wenn es im niedergelassenen Bereich passende Angebote gibt, dann werden die Ambulanzen automatisch entlastet. Ob und welche Steuerungsinstrumente erforderlich sind, kann man diskutieren, wenn flächendeckend Primärversorgungsangebote vorhanden sind", sagt die Vorsitzende Ulrike Rabmer-Koller.

"Hohe Krankheitslast"

Bei der Primärversorgung, also der ersten Anlaufstelle für Kranke, etwa der Hausarzt, scheiden sich die Geister. Von der OÖGKK werden Primärversorgungszentren forciert (siehe unten). Die Ärztekammer ist skeptisch. Sie bevorzugt differenziertere, auf die Regionen abgestimmte Konzepte.
Eine weitere Herausforderung sind chronisch Kranke. "Wir leben immer länger, aber wir haben eine relativ hohe Krankheitslast zu tragen", erklärt OÖGKK-Chefin Wesenauer. "Wir müssen besser aufklären und behandeln, um den Patienten Krankenhausaufenthalte zu ersparen. Das Geld, das durch die Entlastung der Spitäler frei wird, möchte ich für den niedergelassenen Bereich verwenden." Derzeit zahlt die OÖGKK ein Drittel ihres Budgets in die Spitäler.

"Privatmedizin boomt"

Die Ärztekammer verlangt von der Politik schon jetzt mehr Geld für Arztstellen. So würden die Wartezimmer entlastet: "Das öffentliche Gesundheitssystem befriedigt nicht mehr den Bedarf, die Privatmedizin boomt. Der Wahlarzt ist der gesuchteste Arzt, weil sich die Patienten im System nicht mehr wohlfühlen." Landeshauptmann Josef Pühringer berichtet von Erhebungen, laut denen sämtliche Wartezeiten in den Spitälern in vertretbaren Rahmen seien. Laut einer market-Umfrage seien zudem 75 Prozent der Bevölkerung mit der Gesundheitsversorgung zufrieden oder sehr zufrieden. "Für eine ausgewogene ambulante und stationäre Versorgung wird jährlich das Budget aufgestockt", so Pühringer.

Primärversorgung: Alles in einem Haus

Ein Primärversorgungszentrum ist eine Einrichtung, in der mehrere Allgemeinmediziner mit anderen Berufsgruppen zusammenarbeiten – mit Therapeuten, Hebammen, Ernährungsexperten, Sozialarbeitern und Pflegepersonal. Vorteil: Es hat längere Öffnungszeiten, sämtliche Ansprechpersonen sind im gleichen Haus und die Termine und Befunde können koordiniert werden. Gleichzeitig wird durch Beratungsangebote die Gesundheitskompetenz der Patienten gestärkt. Derzeit gibt es ein solches Zentrum in Enns und ab 2018 eines in Haslach.

Hintergrund: Wie Honorare auf das System wirken

Wie Ärzte bezahlt werden ist ein Faktor, das Gesundheitssystem zu steuern. Es gibt drei Möglichkeiten: In Einzelleistungssystemen wird jeder Handgriff bezahlt. Jedoch müssen viele Leistungen erbracht werden, damit der Arzt genug verdient – es besteht die Gefahr der Überbehandlung und des Durchschleusens vieler Patienten. Bei Pauschalsystemen bekommt der Behandler ein Honorar, unabhängig davon, wie er den Patienten behandelt – hier könnte die Motivation der Ärzte leiden. Neu sind Pay for Performance-Systeme. Die Zahlungen hängen von der Qualität der erbrachten Leistung ab. Es besteht die Gefahr, dass Patienten nach ihren Heilungschancen selektiert werden. In OÖ gibt es im niedergelassenen Bereich ein Mischsystem, um die negativen Seiten der Systeme auszugleichen: Es ist ein Einzelleistungssystem mit vielen Pauschalelementen.

Der Druck im Gesundheitssystem steigt. "Wir leben immer länger, aber wir haben eine relativ hohe Krankheitslast zu tragen", erklärt OÖGKK-Chefin Andrea Wesenauer.
Das Primärversorgungszentrum in Enns ist ein Erfolgsmodell.
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