Wohnen in OÖ
Zahl von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen steigt

Hubert Mittermayr, Geschäftsführer Verein Wohnplattform und Landesrätin Birgit Gerstorfer (r.).
  • Hubert Mittermayr, Geschäftsführer Verein Wohnplattform und Landesrätin Birgit Gerstorfer (r.).
  • Foto: Land OÖ/Denise Stinglmayr
  • hochgeladen von Florian Meingast

Die Zahl der von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen, geht es nach Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer (SP), steigt. Neben steigenden Mieten und Kautionen seien Scheidung, Arbeitsplatzverlust, Krankheit und Suchtverhalten die wesentlichen Faktoren, die zur Wohnungslosigkeit führen können.

OÖ. Die Corona-Krise habe die Situation für viele Menschen zusätzlich verschärft.

"Ich ersuche daher alle Oberösterreicher, die Probleme bei den Mietzahlungen haben, bestehende Hilfsangebote rechtzeitig und nicht erst bei Fälligstellung der Zahlungen in Anspruch zu nehmen. Ist eine Räumungsklage bereits eingebracht, wird Hilfestellung immer schwieriger", sagt Gerstorfer.

Flächendeckende Angebote

Um Wohnungslosigkeit im Land zu vermeiden wird, entsprechend den Vorgaben des Sozialhilfegesetzes des Landes, eine flächendeckende Delogierungsprävention regionsspezifisch von verschiedenen Kooperationspartnern angeboten. Aufgrund der Corona-Krise sei, ähnlich wie auch in der Schuldnerberatung, mit einer steigenden Anzahl von Hilfesuchenden zu rechnen. In sechs Regionen ist je ein Träger der Wohnungslosenhilfe als Koordinationsstelle beauftragt und Anlaufstelle für sämtliche Anliegen rund um Delogierungsprävention und Wohnungssicherung.

"Was wir in der Beratung vor allem feststellen ist, dass Menschen, die vor Corona bereits mit schwierigen Umständen zu kämpfen hatten, von der Kurzarbeit, dem Lockdown und allen damit einhergehenden Herausforderungen, getroffen wurden. Sie suchen nun rascher Hilfe, als sie es vielleicht ohne Pandemie getan hätten. Die Haushalte, die aufgrund der Pandemie erst in Schwierigkeiten geraten sind, werden aller Wahrscheinlichkeit nach erst nächstes Jahr, wenn die Sonderregelungen bezüglich Mietzahlungen auslaufen, Kontakt zu den Beratungsstellen suchen", sagt Hubert Mittermayr, Geschäftsführer der Wohnplattform.

Das Ziel der Wohnungslosenhilfe ist die Abwendung einer drohenden Wohnungslosigkeit, die schrittweise Verbesserung der Lebenssituation Betroffener, deren langfristige Stabilisierung sowie die Wiedererreichung einer selbständigen Lebensführung in einer eigenen Wohnung. Sie ist nicht nur an der kurzfristigen Unterbringung von Menschen ohne Wohnung orientiert, sondern zielt auf eine dauerhafte soziale und materielle Stabilisierung ab.

Die mehr als 60 Sozialberatungsstellen in allen Bezirken und die Gemeinden sind wesentliche Pfeiler und wichtige Erstanlaufstellen dieses Netzwerkes. Da sie mit den Koordinationsstellen in enger Zusammenarbeit stehen, ist das Sicherungsnetz in Oberösterreich ein engmaschiges.

Planungsräume und Koordinationsstellen

  • Zentralraum Linz: Verein WohnplattformVerein Wohnplattform
  • Innviertel: Caritas für Menschen in Not
  • Mühlviertel: Arge für Obdachlose
  • Zentralraum: Verein WohnplattformVerein Wohnplattform
  • Pyhrn-Eisenwurzen: Verein Wohnen Steyr
  • Traunviertel-Salzkammergut: Wohnungslosenhilfe Mosaik

Schritt für Schritt zur Lösung

  • Klären der aktuellen Situation (Gibt es Mietrückstände und/oder Mahnungen? Gibt es eine Räumungsklage? Wie groß ist die aktuelle Gefahr, die Wohnung zu verlieren?).
  • Suche nach Möglichkeiten, die Wohnung zu erhalten oder auch nach alternativen Wohnraumlösungen?
  • Einleitung der individuell notwendigen nächsten Schritte und Herstellung hilfreicher Kontakte.

Die Zusammenarbeit mit Institutionen wie Schuldnerberatung, anderen Sozialeinrichtungen und Wohnbauträgern bietet oft Lösungen, selbst wenn die Situation aussichtslos erscheint. Jene werde jedoch durch regelmäßige verschärfte gesetzliche Regelungen, darunter zum Beispiel die Anrechnung der Alimente als Einkommen bei der Wohnbeihilfe, erschwert.

Problematische Entwicklungen

Zugang zu Wohnraum soll ein Grundrecht sein. Dies nicht zu ermöglichen, bedeute den Ausschluss von Menschen an der gesellschaftlichen Teilhabe. Leider werde der Zugang zu gemeinnützigem Wohnbau und auch die Möglichkeiten der Unterstützung durch die Wohnbeihilfe in den vergangenen Jahren eingeschränkt. Dies mache sich im Bereich der Delogierungsprävention bemerkbar. Auch das neue Sozialhilfe-Ausführungsgesetz, als Nachfolgemodell der Mindestsicherung, berge Verschlechterungen, die vermehrt in den Beratungsgesprächen zum Thema werden. Denn selbst wenn eine Wohnbeihilfe bezogen wird, werde diese in der Sozialhilfe angerechnet und damit zur Gänze vom jeweiligen Richtsatz abgezogen. Das kann für Familien ein Einkommensverlust von bis zu 350 Euro bedeuten.

Forderung eines Härtefallfonds

Die Verantwortlichen der Budesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, kurz BAWO, fordern  österreichweit einen Härtefallfond zur Wohnungssicherung analog zum Härtefallfonds für Unternehmer zu installieren. Damit sollen armutsgefährdeten Menschen mit hoher Wohnkostenbelastung Zuschüsse gewährt werden.

Die Statistik Austria hat 2019 in ihrer Publikation zu "Wohnen" dargestellt, dass armutsgefährdete Haushalte im Durchschnitt 37 Prozent ihres Einkommens für Wohnen ausgeben und damit mehr als doppelt so viel als der Schnitt der Gesamtbevölkerung. "

Die jüngste diesbezügliche Erhebung der Wohnplattform stammt aus 2017. Darin zeigte sich, dass Menschen, die in diesen Jahr die Beratungsstelle aufgesucht haben, im Durchschnitt mehr als 50 Prozent ihres gesamten Haushaltseinkommen für Wohnkosten ausgeben mussten", sind sich Gerstorfer und Mittermayr einig.

Zahlen und Fakten aus dem Sozialbericht 2019

  • Das gesamte Angebot der Wohnungslosenhilfe – von Beratung über Wohnangebote,  Akuthilfe bis hin zur Mobilen Wohnbetreuung und Streetwork – wurde 2019 von 10.659 Personen genützt, wobei eine Personen mehrere Dienstleistungen gleichzeitig in Anspruch nehmen kann.
  • Im Jahr 2019 wurden 5.892 Personen in 2.578 Haushalten mit 3.715 erwachsenen erwachsenen Personen und 2.177 Kindern von Mitarbeitern des Netzwerks Wohnungssicherung beraten. Gegenüber dem Jahr 2018 bedeutet dies bei der Anzahl der Haushalte einen Anstieg von 122 Haushalten beziehungsweise durchschnittlich fünf Prozent.
  • Insgesamt konnte, dank des Netzwerkes Wohnungssicherung und der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten, 47 Prozent der Fälle der Wohnraum gesichert werden. werden. Bei 26 Prozent wurde die Beratung abgebrochen beziehungsweise ist der weitere Verlauf nicht bekannt.  In 19 Prozent der Fälle wurde ein Wohnungswechsel vorgenommen und nur drei Prozent der beratenen Haushalte wurden tatsächlich delogiertdelogiert. Bei drei Prozent wurde ein Wechsel in eine betreute Wohnform erforderlich, die restlichen zwei Prozent sind wohnungslos, in Haft oder wohnungslos, in Haft oder im Krankenhaus.
  • In Oberösterreich gibt es In Oberösterreich gibt es 57 Übergangswohnungen. Sie bieten wohnungslosen Männern und Frauen eine zeitlich befristete, selbständige Wohnmöglichkeit und Hilfe beim beim Erarbeiten neuer Zukunftsperspektiven und dienener als Sprungbrett für eine eigene eigene Wohnung. Die Wohnmöglichkeit ist an die Bereitschaft zur Betreuung gebunden und an die Wohnung. Die Wohnmöglichkeit ist an die Bereitschaft zur Betreuung und pünktliche Mietzahlung gebunden.
  • 2019 nächtigten 799 wohnungslose Personen, darunter ein Kind, in einer in einer Notschlafstelle. Im Vergleich zum Vorjahr waren das fünf Personen mehr.
  • Tageszentren und Wärmestuben werden in Linz, Wels und Steyr angeboten. 2.944 Personen nutzten 2019 dieses Angebot. Damit kam es im Vergleich zum Vorjahr zu einem Rückgang um 2,6 Prozent. Dieses Minus erklärt sich damit, dass zusätzliche Angebote in der Armutsmigration, darunter die Kontaktstelle, das Help-Mobil und die Winternotversorgung,  in der Stadt Linz angeboten werden.
  • In einer weiterführenden oder nachgehenden Hilfestellungng erhielten 2019 479 Personen eine Wohnbetreuung in einem Wohnheim, einer Übergangswohneinrichtung oder durch eine Mobile Wohnbegleitung in der eigenen Wohnung. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg um 5,4 Prozent.
  • Niederschwellige Beschäftigungsangebote werden im "Arge-Trödlerladen" und bei der Straßenzeitung "Kupfermuckn" des Vereines Arge für Obdachlose angeboten. 489 Menschen, ein Plus von 5,4 Prozent, fanden einen Zuverdienst und eine sinnvolle Tagesstruktur. Positiv am großen Andrang ist die Tatsache, dass diese Menschen arbeiten wollen, auch wenn es sich oft um eine körperlich anstrengende handelt. Dazu kommt, dass der wirtschaftliche Erfolg und der Anstieg der Erträge es möglich macht, zunehmend mehr Menschen zu beschäftigen.

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!




Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen