Corona-Virus in OÖ
Pandemie trifft Wirtschaft unterschiedlich

Joachim Haindl-Grutsch ist Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich, kurz IV OÖ.
  • Joachim Haindl-Grutsch ist Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich, kurz IV OÖ.
  • Foto: IV OÖ
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Corona-Pandemie und Shutdown treffen nahezu die gesamte Wirtschaft – allerdings in unterschiedlichem Ausmaß und in zeitlichen Wellen. So sei die junge Generation stärker betroffen als die ältere. Unterschiede bestehen auch zwischen Privatwirtschaft und öffentlichem Sektor. Außerdem seien Länder und Regionen mit gesunden öffentlichen Finanzen und niedriger Verschuldung im Vorteil.

OÖ. Was regional in China begann, hat sich innerhalb weniger Wochen zur größten globalen Krise seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelt. Im Unterschied zu vergangenen Krisen, darunter zum Beispiel die Finanzkrise 2008-2009, ist vom Shutdown infolge der Corona-Pandemie nahezu die gesamte Wirtschaft betroffen. Insbesondere der bisher von globalen Krisen weitestgehend verschont gebliebene Dienstleistungssektor, darunter Hotellerie, Gastronomie und persönliche Dienstleister, und große Teile des Handels waren wochenlang geschlossen. Der Shutdown vieler Branchen hat durch die weltweite Vernetzung der Industriestaaten zu einer wirtschaftlichen Ansteckung und damit in die globale Rezession geführt.

Wellenförmige Auswirkungen

Die Industrie ist aufgrund ihrer Präsenz auf Weltmärkten generell von der Krise stark betroffen, wobei es Unterschiede zwischen den Branchen gibt. Oberösterreich steht auf vielen industriellen Standbeinen, wodurch beispielsweise die Einbrüche der Automobilindustrie etwas abgemildert werden.

Auch in der zeitlichen Wirkung der Wirtschaftskrise gibt es Unterschiede. Während die Auswirkungen in Just-in-time-Branchen, wie der Automobilindustrie, unmittelbar zu spüren sind, werden projektorientierte Bereiche, darunter die Bau- und Anlagenbau-Industrie, aufgrund langer Projektlaufzeiten erst in ein bis zwei Jahren vor Herausforderungen stehen. „Wie wichtig eine nachhaltige Haushaltspolitik ist, bestätigt sich jetzt in der Corona-Krise erneut“, sagt Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich, kurz IV OÖ.

Länder und Regionen, die eine besonders hohe Schuldenlast zu tragen haben und in Hochkonjunkturzeiten keine Budgetüberschüsse erzielt haben, würden besonders hart getroffen. „Nicht zuletzt, weil die Mittel für Maßnahmen zur Ankurbelung des wirtschaftlichen Aufschwungs fehlen. Jetzt braucht es kurzfristig steuerliche Anreize, mittelfristig steht die Rückkehr zum Nulldefizit und der Abbau der Schulden im Mittelpunkt.“

Junge Generation am stärksten betroffen

Auch die Generationen sind unterschiedlich stark von der Krise betroffen. Während für die ältere Generation in Österreich der Zugang zu Frühpensionen weiterhin möglich ist oder wieder erleichtert wurde, ist die junge Generation verstärkt von Arbeitslosigkeit und abweichenden Karriereverläufen betroffen. „Da die hohe Nachfrage nach MINT-Qualifikationen durch die beschleunigte Automatisierung, Digitalisierung auch in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird, ist es wichtig, insbesondere in der dualen Ausbildung Akzente zu setzen. Dazu kommt eine stärkere Anstrengung in den Bereichen Medizin, Pharma, Energie und Umwelt. So können junge Menschen in Österreich weiterhin eine hochwertige Lehrausbildung absolvieren."

Zur Ankurbelung der Wirtschaft seien zusätzliche Technologie- und Forschungsförderungsprogramme notwendig. Auch dafür brauche es gut ausgebildete HTL- und Hochschulabsolventen. Zusätzliche Impulse erhöhen die Standortqualität, was sich nach Bewältigung der Krise durch zusätzliches Wachstum positiv auswirkt.

Einschnitte in der Privatwirtschaft

Durch die Krise werde der breite Graben zwischen ungeschützter Privatwirtschaft und dem geschützten öffentlichen Sektor besonders sichtbar. Während es für beinahe zwei Millionen Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft und für Tausende Unternehmer und Selbstständige zu drastischen Einschnitten kommt, bleibt der öffentliche Sektor von der Krise finanziell nahezu unberührt. „Hier muss die Politik Maßnahmen setzen, dass es zu einer zusätzlichen Unterstützung der Menschen im ungeschützten Sektor kommt."

Mehr denn je zeige sich für Haindl-Grutsch, dass eine Digitalisierungs- und Deregulierungsoffensive im öffentlichen Sektor höchst an der Zeit sei. "Die Digitalisierung in Verwaltung, Bildung und Gesundheit muss jetzt mit hohem Tempo vorangetrieben werden. Genehmigungsverfahren müssen weiter beschleunigt und vor allem die Verwaltungsstrukturen in Österreich entsprechend modernisiert werden.“

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Autor:

Florian Meingast aus Wels & Wels Land

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