Interview zur Corona-Krise
RLB OÖ-Chef Schaller: "Die Welt wird danach anders ausschauen“

Heinrich Schaller, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank OÖ: Gutes Zeugnis für die Regierung, aber der wirtschaftliche Schaden durch die Corona-Krise wird gravierend sein.
  • Heinrich Schaller, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank OÖ: Gutes Zeugnis für die Regierung, aber der wirtschaftliche Schaden durch die Corona-Krise wird gravierend sein.
  • Foto: RLB OÖ
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Drei Vorstände arbeiten im Home Office, zwei weitere zeitweise vom Büro, zeitweise von zu Hause aus, erzählt Oberösterreichs Raiffeisenlandesbank-Generaldirektor Heinrich Schaller im BezirksRundschau-Interview. Er erwartet durch die Corona-Krise einen "wirklich gravierenden wirtschaftlichen Schaden" und ist sich sicher: "Die Welt wird danach anders ausschauen". Dass sich die Wirtschaft nach Corona in eine ökosozialere, nachhaltigere Richtung entwickelt "glaube ich nicht. Die Krise wird rasch vergessen sein – auch wenn das schade ist." Den Kunden gegenüber will Raiffeisen Oberösterreich großzügig bei der Stundung von Krediten sein.

BezirksRundschau: Welche Auswirkungen werden die Corona-Krise und die dagegen ergriffenen Maßnahmen auf die Wirtschaft haben?
Schaller:
Es ist heftig. Im Moment kann niemand die Auswirkungen auch nur annähernd abschätzen. Die Welt wird nach Corona anders ausschauen. Der wirtschaftliche Schaden wird wirklich gravierend sein. Aber man muss der Regierung ein gutes Zeugnis ausstellen. Ein relativ rasches Wiederhochfahren der Wirtschaft ist möglich. Trotzdem glaube ich kaum, dass wir heuer ein Wirtschaftswachstum haben werden.

Was wird passieren, wenn die Einschränkungen gelockert werden?

Wenn es nur leichte Lockerungen gibt, wird es nicht sofort zu einer Erholung kommen. Wenn die Maßnahmen aber komplett beseitigt sind, kann die Wirtschaft relativ rasch in Schwung kommen. Das hängt aber von der Dauer der Maßnahmen ab, die derzeit kein Mensch abschätzen kann.

"Gesundheitsexperten müssen sagen, was notwendig ist."

Es wird immer wieder der Vorwurf gegenüber der Regierung geäußert, die Einschränkungen seien völlig überzogen und der wirtschaftliche Schaden stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen ...
Die Gesundheitsexperten müssen sagen, was notwendig ist. Wenn die Einschränkungen zu rasch gelockert werden, kommt es zu einer zweiten Verschärfung und dann haben wir gar nichts gewonnen. Wenn der Schutz des Einzelnen vor einer Ansteckung minimiert wird, können die Betriebe  wieder hochfahren. Aber Priorität muss die Gesundheit haben.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Schäden an der Realwirtschaft zu einer Finanzkrise führen, die etwa auch den Euro gefährdet. Gerade das wirtschaftlich ohnehin angeschlagene Italien ist ja etwa besonders betroffen.
Eine Gefährdung der Finanzwirtschaft sehe ich nicht. Die großen Banken haben ihre Kapitalbasis massiv gestärkt, da sehe ich keine Gefahr. In Italien war die Situation schon vor der Corona-Krise unsicher, das wird man aber über europäische Maßnahmen in den Griff bekommen.

Durch Eurobonds, also Anleihen, bei denen die europäischen Staaten gemeinsam das Risiko tragen?
Die sind zweischneidig. Es kann jedenfalls nicht sein, dass die Rückzahlung dann nur von den wirtschaftsstarken Ländern zu tragen ist. Wenn nicht hundertprozentig gewährleistet ist, dass das anders läuft, sehe ich das problematisch.

"Weiterwirtschaften wie bisher"

Es wird immer wieder die Hoffnung geäußert, dass die Vollbremsung durch Corona auch einen Nachdenkprozess mit sich bringt und sich das Wirtschaften danach in eine nachhaltigere, ökosoziale Richtung entwickelt ...
Das glaube ich nicht. Die Krise wird rasch vergessen sein – auch wenn das schade ist. Ich glaube schon, dass wir weiterwirtschaften wie bisher. Was bleiben wird, ist die massive Veränderung von Arbeitsprozessen. Wir machen gerade so viele Erfahrungen, was durch die Digitalisierung alles möglich ist. Wir werden auch nach Corona mehr über Videokonferenzen abwickeln. Unsere Vorstandsvorsitzungen laufen derzeit über Telefon – jeder hat die notwendigen Unterlagen bei sich es funktioniert problemlos. Innerhalb von zwei Tagen waren nur noch 20 Prozent der Mitarbeiter der Raiffeisenlandesbank in ihren Büros – jetzt sind es nur mehr 13 Prozent. Der Rest arbeitet von zuhause aus oder ist für die Betreuung der Kinder freigestellt.

Weiterer Schwung für bargeldloses Zahlen

Das Zahlen per Karte oder Smartphone setzt sich auch im Bargeld-verliebten Österreich wegen Corona immer stärker durch – obwohl zu Beginn der Krise hierzulande Kunden panikartig große Bargeldmengen beheben wollten.
Anfangs war die Nervosität hoch und es wurde Bargeld abgehoben. Das war nicht notwendig und die Nervosität hat sich komplett gelegt. Die Sorge um Bargeld ist kein Thema mehr. Es ist vorhanden und verteilt – jeder hat Zugriff. Ich glaube, dass die Corona-Krise einen weiteren Schwung für das bargeldlose Zahlen bringt – derzeit natürlich besonders, weil es einfach hygienischer ist, mit Karte oder Smartphone zu zahlen. Aber auch danach wird es zu einer noch höheren Nutzung dieser Möglichkeiten kommen.

Womit haben es die Filialen nach dem anfänglichen Run aufs Bargeld nun zu tun?
Der Kundenkontakt draußen ist relativ eingeschränkt. Aber wir sind da, halten offen. Es sind nur fünf Prozent unserer rund 400 Standorte geschlossen. Aber nach Anruf sind Termine jederzeit möglich. Allerdings hatten wir etwa am 1. April nur ein Drittel der sonst üblichen Bankbesuche. Die Mitarbeiter vor Ort haben derzeit insbesondere mit kleinen und mittleren Unternehmen Kontakt, die keinen Umsatz haben und entsprechend verzweifelt sind. Sie und auch Privatpersonen brauchen etwa bei Krediten Stundungen. Die großen Firmen haben liquiditätsmäßig vorgesorgt, aber auch sie kommen und bitten um Unterstützung.

Welche Antwort bekommen die Kunden?

Wir sagen allen Raiffeisenbanken, dass sie großzügig bei den Stundungen sein sollen – und das sind wir auch als Raiffeisenlandesbank. Und wir unterstützen die Kunden rasch und unbürokratisch bei der Inanspruchnahme der Unterstützung durch den Bund. Wir vergeben auch neue Kredite. Aber wer vor der Corona-Krise keine Finanzierung bekommen hat, für den gibt es auch jetzt keine Kredite.

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