Zukunft Landwirtschaft 2030
Strategieprozess in der Zielgeraden

Siegfried Pöchtrager, Susanne Langmair-Kovács, Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger, Johann Gaisberger (Direktor der Bioschule Schlägl ), Andreas Steinwidder und Hubert Huber (v.l.).
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  • Siegfried Pöchtrager, Susanne Langmair-Kovács, Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger, Johann Gaisberger (Direktor der Bioschule Schlägl ), Andreas Steinwidder und Hubert Huber (v.l.).
  • Foto: Land OÖ/Ernst Grillnberger
  • hochgeladen von Florian Meingast

Der Strategieprozess Zukunft Landwirtschaft 2030 geht in die Zielgerade. Bei der letzten großen Diskussionsveranstaltung standen kürzlich in der Bioschule Schlägl die Themen Bio-Land- und Forstwirtschaft im Mittelpunkt.

SCHLÄGL/OÖ. Seit Juni 2019 läuft der Strategieprozess Zukunft Landwirtschaft 2030. Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger hat sich zum Ziel gesetzt, durch die Einbindung von Bauern sowie den Austausch mit wissenschaftlichen Experten einen Fahrplan über die kommenden zehn Jahre für die oberösterreichischen Landwirtschaft zu erarbeiten.

Bei den Dialogplattformen traten jeweils gut 200 Landwirte mit Fachexperten in den Dialog, um die brennenden Fragen der einzelnen Produktionssparten zu erörtern. Die sechste und letzte fand kürzlich in der Bioschule Schlägl statt. Coronabedingt musste die Zahl der Teilnehmern auf 80 Personen reduziert werden.

"Die Beteiligung am Strategieprozess Zukunft Landwirtschaft 2030 hat unsere Erwartungen übertroffen. Mehr als 1.500 aktive Bauern sowie Vertreter von Anspruchsgruppen wie Medien und von NGOs haben sich am Prozess beteiligt. Die Bereitschaft, die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und eine gemeinsame Strategie zu erarbeiten war bei allen Veranstaltungen spürbar", sagt Hiegelsberger.

Auch in der Bioschule Schlägl sei ohne ideologische Scheuklappen diskutiert worden.

"Wie sich der Biosektor entwickelt, ist eine wichtige Frage für das Agrarland Oberösterreich. Zudem ist der Wald mit all seinen Wirkungen zentral für sowohl die bäuerlichen Betriebe als auch die Gesellschaft. Entsprechend intensiv wurden diese Themen diskutiert. Nun sind es nur mehr wenige Wochen bis zum 19. Oktober. An diesem Tag werden wir die Ergebnisse des Prozesses präsentieren. Dass die Abschluss-Veranstaltung im Lentos Lint und damit mitten in der Stadt stattfindet, ist Teil der Botschaft. Man kann die Landwirtschaft nicht als ein abgetrenntes System betrachten, sie steht vielmehr mitten in der Gesellschaft", sagt der Landesrat.

Zentrale Frage

"Kann uns die Bio-Landwirtschaft ernähren?" – Dieser zentralen Frage widmete sich während der Diskussionsveranstaltung in Schlägl Andreas Steinwidder von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein.

Steinwidder charakterisiert die Bio-Landwirtschaft als "sehr erfolgreiche Zukunftstechnologie, die bereits in der Vergangenheit dazu beigetragen hat, dass Österreich im EU-Vergleich den geringsten Strukturwandel aufweist."

"Entscheidend wird in Zukunft sein, die Konsumenten richtig anzusprechen. Die Landwirtschaft hat Bio aufgebaut, danach haben die Handelsketten die Bio-Marken übernommen. Hier gibt es sicher Handlungsbedarf für die Bauer wie auch die die Verarbeiter. Die Landwirtschaft soll den Menschen Einblick geben, wie produziert wird. Das ist ihr einzigartiger Vorteil und baut Vertrauen auf. Am Ende des Tages haben wir ein großes Ziel: auf den Betrieben soll die Freude an der Arbeit erhalten bleiben, damit die Landwirtschaft in eine gute Zukunft geht", sagt Steinwidder.

In vollem Gange

Die Zukunft der Wälder ist nach den Borkenkäfererfahrungen während der jüngst vergangenen Jahre ebenfalls ein wichtiges Thema auf landwirtschaftlichen Betrieben. Die großen Schadholzmengen und der damit verbundene Niedergang der Holzpreise hätten Wälder von der traditionellen Sparkasse der Betriebe zu deren Sorgenkinder gemacht. Susanne Langmair-Kovács, Nachhaltigkeitsbeauftragte der Österreichischen Bundesforste AG, gab einen spannenden Einblick in die Praxis des größten Waldbesitzers Österreichs.

Es bleibe eine Herausforderung, bereits heute den Waldbestand für die Jahre 2100 und danach zu gründen. Gerade in niedrigeren Lagen wird die Dominanz der Fichte abnehmen. Es soll ein der potentiell natürlichen Waldgesellschaft ähnlicher Bestand entstehen. Durch die Mischung verschiedener Baumarten entstehen stabilere und weniger riskante Wirtschaftswälder.

"Der Waldumbau vor allem im Kleinwald ist natürlich eine große Herausforderung für die Waldbesitzer. Daher sind die umfangreichen Fördermaßnahmen seitens des Bundes und auch der Länder besonders wichtig. Die Waldbesitzer dürfen sich nicht entmutigen lassen. Jetzt entsteht der Wald, der auch in hundert Jahren mit dem sich verändernden Klima umgehen können muss. Beratung und langfristige Planung sind notwendig. Damit die Waldverjüngung Erfolg hat, brauchen wir auch die entsprechende Bejagung, die Anpassung der Wildstände an die Tragfähigkeit des Lebensraumes", sagt Langmair-Kovács führt über die Faktoren, die für den notwendigen Waldumbau entscheidend sind.

Die wichtigen Funktionen der Wälder als Rohstofflieferant, Schutz vor Naturkatastrophen und Erholungsraum werden auch in Zukunft gefragt sein. Im Kampf gegen den Klimawandel kommt dem Wald eine immer wichtigere Rolle zu. Der geforderten Außer-Nutzung-Stellung von zehn Prozent der Waldfläche erteilt Landesrat Max Hiegelsberger daher eine Absage.

"Unsere Waldbewirtschaftung vereint ökologische und wirtschaftliche Ziele. Eine Außer-Nutzung-Stellung, wie seitens der Biodiversitätsstrategie gefordert, kommt für mich daher nicht in Frage. Unsere Zielsetzung muss vielmehr lauten, die Waldbewirtschaftung noch stärker an den natürlichen Gegebenheiten auszurichten. So können die Wälder als Lebensraum, Energie- und Schnittholzlieferant ihre volle Wirkung entfalten", sagt Hiegelsberger.

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