Folgen von Corona
Wie geht's Oberösterreichs Unternehmen nach dem Shut-Down?

Die wirtschaftliche Stimmung im Bundesland ist durchaus ambivalent.
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  • Die wirtschaftliche Stimmung im Bundesland ist durchaus ambivalent.
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OÖ. Die wirtschaftliche Lage ist ambivalent: Einerseits sind Zigtausende Arbeitnehmer in Kurzarbeit und Firmen kämpfen mit den Folgen des Shutdowns. Andererseits berichten Unternehmen von gefüllten Auftragsbüchern und einer Stimmung, die besser wird. Die BezirksRundschau hat bei vier großen Unternehmen im Bundesland nachgefragt, wie sie mit der „neuen Normalität“ derzeit umgehen.

Fussl: "Seit Mai geht’s aufwärts"

Zunächst besonders stark betroffen, aber nun schon wieder optimistisch: So könnte man die Einschätzung von Fussl-Chef Ernst Mayr zusammenfassen. „Der April war natürlich ein Schock für uns, da haben wir den halben Umsatz gemacht. Aber seit 4. Mai geht es wieder aufwärts – zum Glück sind unsere Negativszenarien nicht eingetreten“, so Mayr.
Es laufe das Geschäft mit Kindermode recht gut, auch die Frauen würden nach wie vor einkaufen. Zurückhaltender seien derzeit nur die Männer, so Mayr. Wenn es so weitergehe, komme Fussl mit einem blauen Auge davon. An die Bundesregierung gerichtet, sagt Mayr: „Wir brauche keine Almosen, sondern Gerechtigkeit.“ Man solle schleunigst Steuerfairness herstellen – speziell amerikanische Onlinekonzerne würden durch steuerschonende Konstruktionen in Irland den Wettbewerb verzerren.

Ernst Mayr ist Eigentümer der Modekette Fussl.

Starzinger: "Sehen es erst im Laufe des Jahres"

Obwohl der Getränkeabsatz im Handel im März stark gestiegen war, spüre man die Krise mittlerweile auch, sagt Ludmilla Starzinger, Chefin der Starzinger Getränkegruppe, die Schartner Bombe, Frankenmarkter Mineralwasser & Co. produziert. Nach dem Ende der Hamsterkäufe sei die Nachfrage zurückgegangen – insgesamt habe man beim Absatz das Niveau des Vorjahres noch nicht erreicht. Im Private Labeling bzw. dem Exportgeschäft, das 60 Prozent des Konzernumsatzes ausmacht, sei derzeit vieles unklar, da in zahlreichen (Export-)Ländern die Corona-Situation noch nicht so weit bewältigt sei wie in Österreich. Man werde erst im Laufe des Jahres sehen, wie sich dieser Bereich weiter entwickle.

In wirtschaftspolitischer Hinsicht rechnet Starzinger mit längerfristigen Folgen, die aus der Krise entstehen werden. „Wir werden wahrscheinlich erst in zwei, drei Jahren einigermaßen eine Stabilität erreichen. Denn es werden Branchen sterben, viele Unternehmen haben einfach die Reserven nicht, um diesen langen Shutdown zu überleben. Anderseits werden dafür wieder neue Firmen entstehen“, so Starzinger.

Ludmilla Starzinger, Chefin der Starzinger Getränkegruppe.
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Wimberger: "Nach Corona ist wie vor Corona"

In der Baubranche läuft das Geschäft hingegen wie vor dem Shutdown weiter. „Für uns hat sich kaum etwas verändert – nach Corona ist wie vor Corona. Wir haben zwei Wochen pausiert und mittlerweile geht es ganz normal weiter. Hinsichtlich Aufträgen spüren wir derzeit nichts. Der Vertrieb läuft gut und wir verzeichnen keine Einbrüche. Auch was bestehende Aufträge betrifft – die Finanzierungen unserer Kunden sind gesichert. Die Baubranche ist aus unserer Sicht gut davongekommen und auch die Auflagen für die Baustellen sind überschaubar und gut einzuhalten“, sagt Christian Wimberger, Geschäftsführer der Wimberger Gruppe.Wie es im Herbst weitergehe, und ob dann die Krise erst richtig durchschlägt und Einbrüche der Kaufkraft zu spüren sein werden, könne man derzeit noch nicht sagen, meint Wimberger.

Christian Wimberger, Chef der Wimberger Gruppe.
  • Christian Wimberger, Chef der Wimberger Gruppe.
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Fröling: "Lehrlinge weiter gefragt"

Durchaus positiv sieht auch ein großer Heizkesselhersteller die wirtschaftliche Situation: „Wir sind mit der Entwicklung der ersten Jahreshälfte grundsätzlich zufrieden“, sagt Fröling-Geschäftsführer Ernst Hutterer. Trotz Krise sei die Nachfrage derzeit steigend und die Produktion voll ausgelastet. Auch der Bedarf an qualifizierten Fachkräften und neuen Lehrlingen ist ungebrochen: „Das war vor der Krise so und ist es auch jetzt“, so Hutterer.

Ernst Hutterer, Chef von Heizkesselhersteller Fröling.
  • Ernst Hutterer, Chef von Heizkesselhersteller Fröling.
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Was sagen Politik und Standesvertreter?

Neben den Unternehmen hat die BezirksRundschau auch Politik und Standesvertretung um eine Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in OÖ gebeten: Landesrat Markus Achleitner meint, das schrittweise Hochfahren des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft gäbe den Unternehmen, Mitarbeitern und Konsumenten neue Perspektiven. "Jetzt geht es vor allem darum, die Bereitschaft zum Konsumieren, zum Urlaubmachen und auch zum Investieren entsprechend anzukurbeln", so Achleitner.

Wirtschaftskammer OÖ-Präsidentin Doris Hummer warnt jedoch eindringlich vor verfrühtem Optimismus: "In vielen Betrieben geht es derzeit schlichtweg ums Überleben, und die dramatischen Hilferufe unserer Unternehmer zeigen, dass wohl für die meisten Branchen spezielle Corona-Hilfspakete geschnürt werden müssen. Ansonsten drohen ein Unternehmersterben undlang anhaltende Massenarbeitslosigkeit."

Artikel von Ingo Till und Thomas Kramesberger.

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