Trotz Rollstuhl ist Rudi Haspel im Ort sehr engagiert
"Leiste gerne meinen Beitrag"

Rudi Haspel kontrolliert von zu Hause aus, ob der Heizkessel der Fernwärmeanlage funktioniert.
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  • Rudi Haspel kontrolliert von zu Hause aus, ob der Heizkessel der Fernwärmeanlage funktioniert.
  • Foto: Haspel
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UNTERRABNITZ/SCHWENDGRABEN (IR). Rudi Haspel aus Unterrabnitz hat ein ganz besonderes Verhältnis zu seiner Heimatgemeinde.

BEZIRKSBLÄTTER: Was ist damals, im August 1984, passiert?
Rudi Haspel:
Ein unglücklicher Kopfsprung ins Wasser eines Teiches in Unterrabnitz, und ich war querschnittgelähmt.

Wie alt warst du damals?
Ich war 22 Jahre, lebte eigentlich in Wien, war dort geboren, aufgewachsen, in die Schule gegangen und habe eine Lehre gemacht.

Wie kamst du dann ins Burgenland?
Mein Vater war aus Unterrabnitz, meine Mutter aus dem Waldviertel. Am Wochenende oder in den Ferien waren wir oft hier.

Wie ging es nach dem Unfall weiter?
Ich war 7 Monate im Rehazentrum Tobelbad, dort lernte ich, mit meiner Behinderung umzugehen und einige Fertigungen zu erlangen. Vieles war nicht möglich, weil meine Lähmung eine Höhe hat, in der die Hand- und Greiffunktion auch eingeschränkt ist. Ich brauchte also jemanden, der mir im Alltag hilft.

Das war deine Mutter?
Ja, die Überlegung war, ob wir in Wien eine barrierefreie Wohnung suchen oder alternativ den Ortswechsel nach Unterrabnitz durchführen. Wir entschieden uns für Unterrabnitz und adaptierten das Elternhaus meines Vaters.

Wie groß war der Aufwand dafür?
Wir bauten eine Rampe, um die Stufen ins Haus zu überwinden und das Badezimmer wurde umgebaut.

Wer hat dich im Alltag dann unterstützt?
Meine Mutter zog liebenswerter Weise mit mir ins Burgenland, mein Vater wurde Pendler, er musste ja in Wien weiter arbeiten.

Was war das Schwierigste zu Beginn deiner „Rollstuhlkarriere“?
Ich brauchte zwei Jahre, um mich zu „derfangen“. In dieser Zeit waren sehr viele Leute aus dem Ort für mich da, ich wurde in die Ortschaft immer mehr integriert. Ich habe damals den großen Zusammenalt täglich zu spüren bekommen, das war sehr wichtig für mich, es ist heute noch so, dass ich sehr dankbar dafür bin und der Ortschaft etwas zurückgeben möchte.

Wie kann man sich das vorstellen?
Ich konnte meinen Beruf nicht mehr ausüben und machte Computerkurse. Um mobil zu sein kaufte ich mir ein Auto und ließ es umbauen. Durch Interesse und Selbststudium habe ich mir immer mehr Wissen in der EDV zugelegt und dann verschiedene Funktionen ausgeübt. Ich war ehrenamtlicher Kassier und Schriftführer beim Verschönerungsverein und wurde 1997 gefragt, ob ich das Projekt "Fernwärme in Unterrabnitz" mitgestalte.

Wie groß ist dieses Projekt?
Da war organisatorisch sehr viel zu tun, es wurde eine Biomasse-Fernwärme gebaut. Mehr als die Hälfte aller Haushalte sowie alle öffentlichen Gebäude von Unterrabnitz sind heute angeschlossen. Ich betreue die Anlage mittels Überwachung von daheim über den Computer. Auch helfe ich den Leuten wenn etwas einzustellen ist über das Telefon und den PC. Durch die Verringerung der Schadstoffe ist die Luftqualität in unserem Ort sehr viel besser, was mir wieder zugutekommt weil ich durch meine hohe Lähmung auch eine eingeschränkte Lungenfunktion habe.

Es ist also ein Geben und Nehmen?
Ja, niemand hat hier ein Problem mit meiner Behinderung. Ich bin der Ortschaft dankbar für die Akzeptanz. Dafür helfe auch ich gerne, wenn jemand einen Rat bei EDV oder anderen Problemen hat bin ich immer für unsere Leute da. Ich bin ein geselliger Mensch, gehe gerne auf die Veranstaltungen und genieße die Lebensqualität hier in Unterrabnitz.

Und hast ein Haus gebaut?
Ja, gegenüber vom Elternhaus hat meine Familie ein Grundstück, darauf konnte ich 2018 ein an meine Bedürfnisse angepasstes Haus bauen. Hier habe ich mein Zuhause gefunden. Die Umgebung ist perfekt für mein Hobby, das Handbiken.

Wie kannst du Handbiken?
Ein adaptiertes Rad mit Elektrounterstützung wird an meinen Rollstuhl gekoppelt und ich treibe es mit den Händen an. Wir haben hier im Bezirk ein tolles abwechslungsreiches Radwegenetz und eine herrliche Umgebung wo ich sehr oft mit Freunden unterwegs sein kann.

Alles in allem klingen deine Aussagen nach tiefer Zufriedenheit.
Ja, ich habe hier meinen Lebensmittelpunkt gefunden. Es gibt eine tolle Dorfgemeinschaft und ich habe ein ausgefülltes Leben und leiste gerne, wenn es möglich ist, einen Beitrag für den Ort und die Bewohner. Man kann nicht immer nur nehmen!

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